Astronomie für Gärtner: Venustransit

Unsere Erde ist der drittnächste Planet zur Sonne. Das hat eine interessante Konsequenz – die Bahn von zwei Planeten verläuft noch näher an der Sonne als die der Erde. Und so können sich diese beiden Planeten – Merkur und Venus – manchmal, ganz ganz selten, zwischen Erde und Sonne schieben.

Wenn der Mond vor der Sonne vorbei zieht, dann nennt man das eine Sonnenfinsternis. Gelegentlich hört man diesen Begriff auch wenn sich Merkur oder Venus vor die Sonne schieben. Da es bei einer solchen Finsternis aber nicht besonders finster wird, haben sich eher die Begriffe Merkurtransit bzw. Venustransit durchgesetzt.

Wie gesagt, Venustransite sind selten. Im 20. Jahrhundert gab es zum Beispiel gar keinen. Wenn aber mal Venustransite auftreten, dann immer gleich zweimal in einem Abstand von acht Jahren. Einen interessanten Venustransit gab es schon im Jahr 2004. Der nächste wird am Morgen des 6 Juni 2012 stattfinden. Wenn Du den verpasst, dann musst Du leider bis zum 11. Dezember 2117 auf den nächsten Venustransit warten.

Die Venus ist der äußere von den beiden inneren Planeten unseres Sonnensystems. Sie ist also gar nicht so furchtbar weit von uns weg. Deshalb kann man sie bei einem Transit sogar mit den bloßen Augen beobachten. Besser ist es, ein Fernglas oder sogar ein kleines Teleskop einzusetzen. Was aber in jedem Fall unerlässlich ist, das ist ein geeigneter Sonnenfilter. Wenn man mit ungeschützten Augen in die Sonne sieht, dann ist das im besten Fall schmerzhaft. Den ungünstigsten Fall möchte man sich lieber gar nicht vorstellen. Wenn man allerdings ungeschützt mit einem Fernglas oder Teleskop in die Sonne sieht, dann tritt der ungünstigste Fall innerhalb von Sekundenbruchteilen ein – irreversible Augenschäden. Deshalb werde ich am Schluss noch kurz auf die Materialien eingehen, die man für den Selbstbau eines ordentlichen Sonnenfilters braucht. Jetzt ist es ja noch früh genug um sich mit professionellem (und gar nicht mal so teurem) Filtermaterial einzudecken. Im Baumarkt nebenan bekommt man so etwas nämlich nicht.

Kurz noch etwas zur Geschichte der Venustransite. Im Jahre 1677 schlug der Astronom Edmond Hallay eine Methode vor, mit der man durch genaue Beobachtung eines Venustransits von verschiedenen Orten an der Erdoberfläche aus den Abstand zwischen Erde und Sonne genau bestimmen kann. Dieses Wissen hätte die damaligen Wissenschaftler in die Lage gebracht auch die Abstände der anderen Objekte des Sonnensystems zueinander zu berechnen. Leider gab es zu Halleys Lebzeiten keinen Venustransit.

Als dann zwanzig Jahre nach Halley Tod im Jahre 1761 ein Venustransit bevor stand, war die wissenschaftliche Welt vorbereitet. Hunderte Forscher verteilten sich auf die ganze Erde, um das Ereignis zu beobachten. Viele begannen ihre Reise schon Jahre vor dem Transit und trotzdem schafften es viele durch Widrigkeiten wie Krieg, Krankheit, Schiffbruch, Verlust der Instrumente usw. nicht, genaue Messungen vorzunehmen.

Legendär ist zum Beispiel die Geschichte von Guillaume Le Gentil, der den Transit von 1761 in Indien beobachten wollte. Wegen des Siebenjährigen Krieges wurde er aufgehalten und musste den Transit vom wackeligen Schiff aus beobachten. Weil er nun schon einmal in Indien war, beschloss er, dort acht Jahre auf den nächsten Transit 1769 zu warten. Als der lang erwartete Tag endlich kam, baute er seine Gerätschaften bei strahlendem Wetter auf. Doch als sich die Venus gerade vor die Sonne schieben wollte zog eine Wolke vorbei und versperrte die Sicht für fast genau die drei Stunden des Transits. Als er schließlich nach elfeinhalb Jahren endlich unverrichteter Dinge wieder Zuhause ankam musste er auch noch feststellen, dass seine Verwandten ihn für Tod erklärt und sein Vermögen verprasst hatten.

Selbstverständlich brachten auch etliche Forscher brauchbare Ergebnisse zurück. Daraus errechnete sich ein Abstand zwischen Erde und Sonne von 125 bis 155 Millonen Kilometer. Heute ist die Astronomische Einheit als 149,6 Millionen Kilometer definiert.

Fernglas mit Sonnenfilter

Gut, was braucht man, um den Abstand zwischen Sonne und Erde am 6. Juni selbst auszurechnen? Man braucht gutes Wetter, etwas Ahnung von der Trigonometrie (oder man sieht wie ich hier nach)  und man benötigt einen Instrument, dass mit einem sicheren Sonnenfilter ausgestattet ist.

  • Nicht geeignet sind zum Beispiel Sonnenbrillen, mit Ruß geschwärzte Gläser usw. usw.
  • Ebenfalls nicht geeignet sind Okularsonnenfilter, wie sie bei manchen Billigteleskopen mitgeliefert werden. Der Sonnenfilter muss “vorn” auf dem Teleskop angebracht sein und niemals “hinten” am Okular! Dass das Sucherteleskop bei der Sonnenbeobachtung abgeklebt sein muss versteht sich von selbst.
  • Der Filter muss absolut sicher am Gerät befestigt sein (Klebeband etc.), damit er nicht versehentlich herunter gerissen werden kann.
  • Solle mich jemand nach meiner unmaßgeblichen Meinung fragen, dann kommen nur (sehr teure) Spezialgläser oder eine (relativ günstige) professionell geprüfte Sonnenfilterfolie (siehe unten in der Werbung) in Betracht. Bei der Folie reicht ein DIN A4 Bogen um das Fernglas und ein kleineres Teleskop auszustatten und man behält immer noch genug Material übrig um sich mehrere Brillen zu bauen.

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2 Kommentare zu Astronomie für Gärtner: Venustransit

  • Peter

    Als Sonnenfilter für die Sonnenbeobachtung von blossem Auge benutze ich eine CD, die lässt gerade soviel Licht durch das es nicht blendet. Hat sich bei der letzten Sonnenfinsternis bestens bewährt.

    • Dann hast Du Glück gehabt. Auf gar keinen Fall, niemals, nicht in Tausend Jahren würde ich mein Augenlicht mit irgendwelchen Behelfslösungen aufs Spiel setzen.

      Nach jeder Sonnenfinsternis müssen sich wieder hunderte Leute behandeln lassen, weil sie nicht wussten, dass man UV-Licht zwar nicht sehen kann, dass es nicht blendet, dass es auch nicht die Pupillen verengt, dass es aber trotzdem die Netzhaut verbrennt.

      Noch mal – UV-Licht kann sehr leicht zu irreversiblen Augenschäden führen! Und irreversibel ist kein Spaß, sondern es bedeutet, dass der Schaden nachträglich nicht mehr behoben werden kann.

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