Astronomie für Gärtner: Instrumente zur Sonnenbeobachtung

Morgen früh wird der Venustransit vor der Sonne stattfinden, von dem ich schon vor einiger Zeit berichtet hatte. Ich habe wirklich großes Interesse daran, dass sich unsere Leser dieses Blog auch weiterhin ohne Augenschäden ansehen können. Deshalb werde ich noch einmal ein paar Worte zu geeigneten und ungeeigneten Instrumenten verlieren, mit denen man so einen Venustransit oder auch eine Sonnenfinsternis oder die ständig wechselnden Sonnenflecken sicher beobachten kann.

Sonnenfinsternis 2005

Sonnenfinsternis 2005

Nicht geeignet ist jegliche Art von Behelfslösung! Dazu gehören zum Beispiel Sonnenbrillen oder mit Ruß geschwärzte Gläser oder CDs oder Schweißbrillen oder was einem sonst noch so alles in den Sinn kommt. Bei all diesen Lösungen besteht eine große Gefahr, dass nicht sichtbare Infrarot- und besonders Ultraviolettstrahlung bis an die Netzhaut vordringt und dort bleibende Schäden hinterlässt. Und ob man es nun glaubt oder nicht – Infrarot- und Ultraviolettstrahlung ist für das menschliche Auge tatsächlich unsichtbar!

Wenn man ein Teleskop einsetzt, dann sind auch Okularsonnenfilter (also Sonnenfilter “unten” am Okular) völlig ungeeignet. Wer noch so etwas besitzt, sollte es umgehend entsorgen! Es ist schon häufiger vorgekommen, dass Okularsonnenfilter durch die große Hitze plötzlich gesprungen sind. Dem Beobachter bleibt dann keine Zeit mehr, seine Lieder zu schließen.

Das Sucherfernrohr am Teleskop muss unbedingt abgebaut oder abgeklebt werden, weil man aus Gewohnheit versehentlich hinein sehen könnte. Gelegentlich haben Sucherfernrohre auch schon unschöne verbrannte Stellen auf der Stirn eines Beobachters verursacht.

Und was ist geeignet?

Ausrüstung für die Sonnenfinsternis 2005

Bastelstunde vor der Sonnenfinsternis 2005

Für die direkte Beobachtung der Sonne benötigt man eine Brille, oder ein Fernglas oder ein Teleskop, dass mit einem speziellen Sonnenfilter ausgestattet ist. Geeignete Filter bestehen entweder aus beschichtetem Glas oder sie bestehen aus einer mit Aluminium beschichteten Folie. Diese Sonnenfilter müssen den allergrößten Teil des einfallenden Lichts (weit mehr als 99 Prozent) sicher absorbieren oder reflektieren. Ich persönlich nutze dafür seit langem eine Folie von Baader Planetarium (Amazon Link), aus der ich mir Filter für Brillen, Filter für mein Sonnen-Fernglas, einen Filter für ein Sonnen-Teleskop und einen Filter für das Teleobjektiv hergestellt habe.

Die Sonnenfilter vor den Geräten müssen absolut sicher sitzen! Es muss ausgeschlossen werden, dass sie versehentlich vom Wind oder von Mitbeobachtern herunter gerissen werden. Also lieber etwas mehr als etwas zu wenig Klebeband einsetzen!

Eine weitere Möglichkeit für die Sonnenbeobachtung mit dem Teleskop ist ein sogenannter Herschelkeil in Verbindung mit einem Graufilter. Beim Herschelkeil handelt es sich um ein Glasprisma, an dessen Oberfläche nur ein geringer Teil des Lichts in das Okular reflektiert wird. Der größte Teil wird durch das Prisma nach außen geleitet.

Auch die indirekte Methode, bei der die Sonnenscheibe durch ein Teleskop oder Fernglas auf eine Leinwand projiziert wird, ist gut zur Sonnenbeobachtung geeignet. Allerdings muss man auch bei dieser Projektionsmethode aufpassen, dass man nicht direkt in die Sonne schaut (z.B. beim Ausrichten des Projektorteleskops)

Der Vollständigkeit halber noch zwei weitere Instrumente zur direkten Sonnenbeobachtung, die aber für uns Garten-Astronomen eher nicht in Betracht kommen:Teleskope mit H-aplpha Filter lassen nur einen ganz kleinen Teil (<0,1nm) des gesamten Spektralbereichs (nämlich den Bereich mit einer Wellenlänge von 656,28 nm) durch. Diese Wellenlänge entspricht der hellsten Spektrallinie des ionisierten Wasserstoffs. Mit so einem Teleskop lassen sich irre Aufnahmen von der Sonne machen; so ein Filter ist aber auch irre teuer.  Dann gibt es noch den sogenannten Protuberanzenansatz. Das ist ein Kegel, mit dem die Sonnenscheibe im Inneren des Teleskops abgedeckt wird. Logischerweise kann man mit so einem Protuberanzenansatz keinen Venustransit verfolgen, aber dafür wird in Verbindung mit einem H-alpha Filter die Korona der Sonne sichtbar. Normalerweise sind die Korona und die Ausbrüche (Protuberanzen) am Rand der Sonne ja nicht zu sehen, weil sie von der hellen Sonnenscheibe überstrahlt wird.

So, nun wünsche ich uns allen schönes Wetter für den Venustransit morgen früh! Hier noch kurz die Eckdaten für Bremen:

  • 1. Kontakt und 2. Kontakt vor Sonnenaufgang
  • Sonnenaufgang: 5:01 Uhr
  • 3. Kontakt: 6:37:23 Uhr
  • 4. Kontakt: 6:54:52 Uhr

Weblinks:

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