Weltwirtschaftskrise

Immer wieder richtig erquicklich, unser Dienstagabend-Stammtisch nach dem Volleyball. Ein gemütliches Bierchen bei Ehler im Garten, ein wenig Klatsch und Tratsch, vielleicht noch ein weiteres Bierchen… Gibt’s sonst noch was Neues? Ach ja, Weltwirtschaftskrise, 50 Milliarden, 700 Milliarden, Kurzarbeit bei etlichen Autobauern, Island ist pleite, 1929, Massenarbeitslosigkeit, oje, reich’ noch mal ein Bier rüber. Rundum ein richtig netter Abend.

Kartoffelernte

Kartoffelernte

Am Ende waren wir uns einig, dass wir schon nicht verhungern werden. Immerhin haben wir ein paar talentierte Bauern und Gärtner in unseren Reihen. Als ich mir dann zuhause noch kurz den Wikipedia-Artikel zur Weltwirtschaftskrise durchlas, wurde es mir aber doch etwas murmelig in der Magengegend. Einige Abschnitte, wie zum Beispiel der über die damalige Bankenkrise oder die Hinweise auf die Deflation von Vermögenswerten (heute zum Beispiel Wohneigentum in den USA), erinnern schon fatal an die aktuelle Situation. Nur mal so interessehalber, wie viel von der Pferdeweide müssen wir eigentlich umbrechen, wenn wir uns aus unserem Garten selbst versorgen wollten?

Wenn ich John Seymour vor dreißig Jahren richtig verstanden habe, dann braucht man 5 Morgen für eine Familie. Davon zog er noch einen Morgen für Haus und Hof ab, bleiben vier Morgen, was einem Hektar entspricht. Tut mir ja Leid, John, aber ich habe nicht vor am Hungertuch zu nagen und im Winter zu frieren. Wenn man auf dem Bild seines Fünf-Morgen-Hofes einfach mal ausrechnet, wie groß die Pferdekoppeln sind, dann merkt man schon, dass da etwas nicht stimmen kann, sie haben eine Größe von jeweils etwa 125 Quadratmetern. Auch die Energieversorgung dürfte bei John mehr als kläglich sein. Wenn ich sehr freundlich rechne, dann sind auf dem Bild ca. 500 Quadratmeter Wald zu erkennen. Ein durchschnittlicher Wald liefert in unserer Gegend so ca. 10 Festmeter Holz pro Jahr. John kann also von einem jährlichen Holzertrag von einem halben Festmeter ausgehen. Freundlich gerechnet ergibt das ein Equivalent von 100 Liter Heizöl.

Nein, so funktioniert das nicht. Nehmen wir mal an, dass man wie frühere Generationen von selbstversorgenden Kleinbauern 1-2 Kühe, ein paar Schafe, ein paar Schweine sowie einige Hühner und Enten halten möchte. Nehmen wir weiter an, dass man sich neben der normalen Versorgung mit Lebensmitteln gelegentlich noch etwas Luxus gönnen möchte (z.B. ein paar Ar einer ordentlichen Braugerste) dann halte ich eine Größe von mindestens 20 Morgen (5 ha) eher für realistisch. Leider ist unsere Pferdeweide nicht mal annähernd so groß. Es müssen also andere Ideen her, um die Krise zu überstehen.

Weblinks:

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7 Kommentare zu Weltwirtschaftskrise

  • Für die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln braucht man weniger als eine Hektare (je nach Klima und Bodenfruchtbarkeit), wenn man fleischlos bleibt und eine gewisse Eintönigkeit ertragen kann. Für die Eiweissversorgung könnte man ja auch Insekten nutzen …

    Aber auch wenn die eigene Landfläche nicht für die Komplettselbstversorgung ausreichen mag, irgendetwas kann man wenigstens selber produzieren. Denken wir mal an all die Städter …

    Eine interessante Zahl finde ich die 10 Ster Holz pro Hektare(?) Wald pro Jahr. Ist das eigene Erfahrung oder kennst Du die Quelle?

    Eine Idee, wenn inter/nationale Transportsysteme nicht mehr funktionieren, ist lokale, gemeinschaftsunterstützte Landwirtschaft – auch Community Supported Agriculture CSA) – zum Beispiel hier. Allerdings ist die Frage, ob das auch ohne Treibstoff für Maschinen funktioniert …

  • > Ist das eigene Erfahrung oder kennst Du die Quelle?

    10 Festmeter/Hektar ist eine von diesen Faustzahlen, die man als Bauer in unserer waldreichen Geest im Hinterkopf hat. Habe aber sicherheitshalber noch mal gesucht. Beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium ist die Rede von durchschnittlich 10,6 Festmetern pro Jahr. Von denen werden aber nur 5,5 Festmeter tatsächlich genutzt. Ich denke in Krisenzeiten würde der Nutzungsgrad auf nahezu 100% steigen ;-) Der Titel des Artikels passt übrigens zum Thema Deines Blogs: Nachhaltigkeit – Verantwortung für die Zukunft

    BTW: Ster ist nicht gleich Festmeter. Hier bei uns nennt man Ster einfach Raummeter und meint damit einen Kubikmeter geschichtetes Meterholz. Mit Festmeter bezeichnet man dagegen einen massiven Kubikmeter Holz ohne Zwischenräume. Eine weitere meiner Faustzahlen besagt, dass ein Raummeter etwa 0,7 Festmeter entspricht.

  • Danke für die Erhellung. Der Unterschied zwischen Festmeter und Ster war mir nicht klar …

  • Mike

    So schlimm wird es wohl auch nicht. Jeder sollte versuchen, Panik zu vermeiden. In der Krise wird vieles auch billiger und es herrscht eher ein Überangebot an Waren. Deshalb ist es glaube ich nicht ganz so wichtig, sich auf ein Szenario vorzubereiten, wo jeder im eigenen Garten Getreide und Gemüse anbaut.

    Weitere Infos zur historischen Weltwirtschaftskrise gibts hier: weltwirtschafstkrise.net

  • Ganz genau, jeder sollte versuchen, Panik zu vermeiden!
    Die einzige vernünftige Möglichkeit, in turbulenten Zeiten Panik zu vermeiden ist es doch, mögliche Szenarien rechtzeitig zu erkennen und deren Auswirkungen auf die eigene Existenz in Ruhe zu analysieren.

  • Stefan Wehmeier

    THEOLOGISCHE DEBATTEN DES MITTELALTERS

    “Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.”

    Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008)

    Die Religion, die schon immer die Aufgabe hatte, die Fehler der Makroökonomie aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes auszublenden, war solange notwendig und sinnvoll, wie niemand diese Fehler zu beheben wusste, die zwangsläufig zu systemischer Ungerechtigkeit und damit zu Massenarmut und Krieg führen. Ohne die selektive geistige Blindheit, die uns “wahnsinnig genug” für die Benutzung von Zinsgeld machte, und die noch heute die Menschheit in Herrscher (Zinsprofiteure) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, wäre unsere Zivilisation nie entstanden.

    Erst der Prophet Jesus von Nazareth erkannte, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erzielen kann. Doch mit dem Cargo-Kult des Katholizismus mutierte die seit Jesus eigentlich überflüssige Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode: weitere 1600 Jahre Massenarmut und Krieg, seit der Vernichtung der Gnosis (Kenntnis) im vierten Jahrhundert.

    Die “heilige katholische Kirche” degradierte das Genie zum moralisierenden Wanderprediger und projizierte das von Jesus vorhergesagte “Königreich des Vaters” (Freiwirtschaft, Vater der Kultur = Kreditangebot), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches “Himmelreich” der Toten, nur um selbst eine “Moral” verkaufen zu können, die in der idealen Makroökonomie so sinnlos ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.

    Der religiöse Wahnsinn beließ die Menschheit in der systemischen Ungerechtigkeit des Privatkapitalismus (Erbsünde) und ließ so dem ersten Weltkrieg noch einen zweiten folgen, obwohl der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916, unabhängig von der Heiligen Schrift und erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage, genau das wieder beschrieb, was der geniale Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte als Wahrheit erkannt hatte: absolute Gerechtigkeit durch absolute Marktgerechtigkeit.

    Heute (2009) sind wir an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte: Wir stehen unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), der totalen Selbstvernichtung, denn der Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab! Doch ein Atomkrieg ist gar nicht erforderlich, um unsere ganze “moderne Zivilisation” auszulöschen; es reicht schon aus, wenn wir weiterhin an den “lieben Gott” (künstlicher Archetyp: Jahwe = Investor) glauben und Zinsgeld (Geld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) verwenden.

    Ich wünsche dem einstigen Land der Dichter und Denker Viel Erfolg bei der Auferstehung noch vor dem jüngsten Tag (1. Januar 2010).

  • Hi Stefan, exaktgenau den gleichen Kommentar von Dir habe ich auch in einem anderen Blog gefunden. Ehrlich gesagt habe ich nach einmaligem Lesen noch nicht genau entschlüsselt, worauf Du hinaus willst. Jetzt bin ich offenbar zu müde dafür. Sollte ich morgen früh besser verstehen, worum es geht, lasse ich natürlich meinen Spamverdacht fallen und füge den Link zu Deiner Seite wieder ein.

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