Antibiotika in der Geflügelmast

Vielleicht habt ihr gehört, dass in der Geflügelmast manchmal nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Da werden heftigst Antibiotika eingesetzt und logischerweise bilden sich dann auch alle möglichen antibiotika-resitstenten Keime.

Dass man zehntausende Hühner nicht auf engstem Raum zusammen pferchen kann, ohne ihnen regelmäßig massive Anibiotika-Dröhnungen zu verpassen, ist spätestens seit den 70ern des vergangenen Jahrhunderts bekannt. Deshalb erstaunt mich der aufgeregte Aktionismus unserer Landwirtschaftsministerin schon ein wenig.

Sie wundert sich, dass in knapp einhundert Prozent des konventionell aufgezogenen Mastgefügels Antibiotika gefunden wird und dass in der Hälfte davon sogar antibiotika-resistente Keime zu finden sind? Haben ihr ihre Experten nicht gesagt, dass das normal ist, wenn sie eine Verordnung wie die DIMDI-AMV erlässt?

Bei der DIMDI-AMV geht es um die Erfassung der Abgabemengen von Tierarzneimitteln. Es wird also letztlich erfasst, welcher Tierarzt welche Mengen von Tierarzneimitteln verschrieben hat. Leider enthält diese Verordnung exaktgenau diesen Satz:

Im Fall des Satzes 2 Nummer 2 erfasst bei Arzneimitteln, die ausschließlich für Geflügel zugelassen sind, die Bereitstellung zum Abruf nicht die Aufschlüsselung nach den Ziffern der Postleitzahl der Anschrift des jeweiligen Tierarztes.

Sicherheitshalber steht schon beim Link auf die Verordnung, dass der Text nicht barrierefrei ist, denn ich kenne zwar die Worte, der Sinn erschließt sich mir auch nach mehrmaligem lesen nur äußerst zäh. Grammatik-Freunde haben sicher auch ihren Spaß am Rest dieser Verordnung.

Der Satz bedeutet übrigens, dass alle Daten über die Abgabemengen von Tierarzneimitteln weitergegeben werden …

… mit Ausnahme der nur für Geflügel zugelassenen Arzneimittel.

Wow, so eine Lobby wie unsere Geflügelmäster und Geflügelmästertierärzte hätte ich auch gerne!

2 Kommentare zu Antibiotika in der Geflügelmast

  • Ulrich

    der Verbraucher mit seiner “Geiz ist geil” – Mentalität ist daran nicht ganz unschuldig. Ich schließe mich da auch nicht aus. So muss ich halt mit den Folgen leben

    • > der Verbraucher mit seiner “Geiz ist geil” – Mentalität ist daran nicht ganz unschuldig

      Ganz sicher! Trotzdem fragt man sich, wieso die zuständigen Stellen bei der Gesundheitsvorsorge gerade den Bereich ausklammern, in dem dieses Antibiotika-Problem bekanntermaßen am allerschlimmsten ist. Für mich riecht (nein stinkt) das nach massiver Einflussnahme durch Hähnchen-Lobbyisten. Man muss sich das mal vorstellen, bis vor Kurzem war hier in Niedersachsen die Ehefrau eines der größten Mastküken-Produzenten Landwirtschaftsministerin.

      > Ich schließe mich da auch nicht aus.

      Bei anderen Lebensmitteln schließe ich mich da auch nicht unbedingt immer aus. Fleisch von konventionell gemästeten Hähnchen essen wir aber schon seit einer Ewigkeit nicht mehr. Das liegt vermutlich daran, dass wir noch relativ dicht mit der konventionellen Landwirtschaft verbandelt sind. Und natürlich auch daran, dass ich solche Mastställe schon häufiger von innen gesehen habe.

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