Darf ich im Garten Hanf anbauen?

Wenn wir uns einen Salat machen, dann kommen nicht selten auch Keimsprossen hinein. Einmal davon abgesehen, dass Keimsprossen lecker schmecken und auch noch gesund sein sollen, macht es Spaß die Sprossen selbst aus Samen zu ziehen. Aber was ist, wenn man sich aus dem Bioladen (legale) Hanfsamen mitgebracht hat? Darf ich die nur ins Müsli geben oder darf ich sie auch für einen Salat zum Keimen bringen?

Hanfsprossen

Hanfsprossen

Naja, wie auf dem Foto zu sehen ist, habe ich mir diese Frage offenbar etwas spät gestellt. Eigentlich ist der Anbau von Hanf nämlich mit wenigen klar definierten Ausnahmen verboten. Ich weiß nicht genau, ob man das Sprossenziehen schon als “Anbau” bezeichnen muss, zumindest ist in keiner der Verordnungen eine Ausnahme für Keimsprossen erwähnt. Dabei sind die Hanfsprossen ziemlich interessant. Die Samenschalen bleiben schön knusprig, dadurch geben sie dem Salat “biss”. Das ist ja auch der Grund, weshalb Hanfsamen gerne in Müsli-Mischungen oder beim Backen eingesetzt werden.

Ob Hanfsprossen erlaubt sind, kann ich also letztlich nicht sagen. Die nächste Frage lautet, ob ich einige der Samen im Garten aussäen darf. Immerhin enthalten sie praktisch kein THC. Ich habe mal etwas herum gesucht und bin beim Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung fündig geworden. Mal sehen:

  • Der Anbau von Hanf zum Zwecke des Verkaufs als Zierpflanze ist grundsätzlich verboten. Naja, im Verkauf von Zierpflanzen sind wir sowieso nicht tätig.
  • Der Anbau von Hanf ist nur Unternehmen der Landwirtschaft ab einer bestimmten Größe erlaubt. Unternehmen der Forstwirtschaft, des Garten- und Weinbaus, der Fischzucht, der Teichwirtschaft, der Imkerei, der Binnenfischerei und der Wanderschäferei dürfen Hanf nicht anbauen.
    Hmm, könnte schwierig (aber nicht völlig unmöglich) sein, diese Forderung zu erfüllen.
  • Der Anbau von Hanfsorten, die nicht im gemeinsamen Sortenkatalog (PDF) für landwirtschaftliche Pflanzenarten enthalten sind, ist verboten. Tja, auf der Packung aus dem Bioladen gibt es keine Sortenangabe und schon gar kein Saatgut-Zertifikat. Es ist wohl auch nicht davon auszugehen, dass es sich überhaupt um zertifiziertes Saatgut handelt.

Damit erübrigt sich dann auch die Tatsache, dass jeder Anbau von Nutzhanf bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (in dreifacher Ausfertigung) gemeldet werden muss und dass die Etiketten (Zertifikate) der verwendeten Sorten gleich mitgeliefert werden müssen. Schade, ich darf die Samen also nicht im Garten aussäen.

Und was passiert wenn mir beim Schlendern durch den Garten versehentlich ein paar der Samen aus der Tasche fallen? Dann greift § 32 Absatz 2 Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Oha! ” Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbusse bis zu fünfundzwanzigtausend Euro geahndet werden.” OK, dann werde ich wohl lieber gleich mal die Taschen meiner Gartenhose auf Löcher überprüfen.

Übrigens ist das grundsätzliche Anbauverbot für Hanf durchaus umstritten. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts galt Hanf bei uns als ein wichtiger nachwachsender Rohstoff. In der Folgezeit wurde er dann aber zunehmend von Kunstfasern verdrängt. Auch gegen das Anbauverbot von THC-haltigem Hanf für den Eigenbedarf der Konsumenten werden Argumente ins Feld geführt, die nicht so einfach von der Hand zu weisen sind.

Weblinks:

17 Kommentare zu Darf ich im Garten Hanf anbauen?

  • Jetzt will doch ein spanisches Dort zum Hanfdorf werden. Weil die so arm sind und viele arbeitslose haben, will der Bürgermeister doch alle umliegenden Äcker zu Hanfplantagen umfunktionieren.

    Ich halte das ehrlich gesagt für einen Scherz.

  • Hanf vielleicht nicht, aber es gibt ja noch andere interessante Hanfgewächse, die sogar hektarweise kultiviert werden – mit so schön klingende Sorten-Namen wie beispielsweise “Saphir”, “Smaragd”, “Perle”, Pacific Jade”, … . Ich rede von Humulus Lupus. ;)
    Wohl bekomm’s!

  • Genau! Aus Humulus lupus wird dann ja auch die traditionelle Droge dieser Gegend hergestellt. So einen haben wir übrigens tatsächlich in unserem Garten. Scheint eine “halbwilde” und ziemlich robuste Sorte zu sein. Die tummelt sich hier schon länger als ich (und das ist ganz schön lange ;-)

  • Ehler

    Moin Heiner!!! Jetzt paß gut auf und gib fein acht, spätestens ab jetzt wirst auch du überwacht.Der Drogenfahnder.

  • Im Garten von Nachbarn meiner Eltern werden jeden Winter Vögel gefüttert. Dabei fallen regelmäßig auch mal Samen herunter und vor zwei Jahren konnte man danach eine fast 2 m hohe Hanfpflanze bei ihnen im Garten bewundern. Die lebte dort eine ganze Weile, bis die Nachbarn sich irgendwann wunderten, warum Jugendliche dort immer heimlich Blätter abschnitten und mit einem Grinsen auf dem Gesicht davonrannten. Dann war die Pflanze ganz schnell weg.
    Ich finde das Anbauverbot besonders THC-freien Hanfs ein wenig übertrieben, besonders wenn die Jugendlichen so unwissend sind und sich ohnehin nur die Blätter abschneiden… ;)

  • Hi,

    schon schade dass Hanf nichts angebaut werden darf, ist ja eine sehr nutzbringende Pflanze…jetzt nicht nur zum Berauschen. Und schön aussehen tut sich ja auch!

    Grüße

  • Anonymous

    Also die Sprossen sind, soweit ich weiß schon unter Anbau zu zählen. Seis drum – wenn eine Hausdurchsuchung bei dir gemacht wird kannste ja schnell das Beweismaterial futtern ;)
    Ansonsten hat bei uns in der Gartenkolonie ein Jahr lang eine schöne Hanfpflanze gestanden und keinem ist die aufgefallen außer uns. Die stand direkt am Wegesrand auf einem Komposthaufen eines Volierenbesitzers.
    Hanf wächst recht unkompliziert – einfach Sprossen in die Erde und warten. Hanf will Sonne und Wasser und wenn man Hanf an einer Stelle anbaut, an der keiner einen Einblick hat und am besten noch vor der weiblichen Blüte entfernt (weil die dann schon bei Jugendlichen Interesse wecken könnte) dann ist das eine schöne Zierpflanze. Hat man keine langen Haare und wirkt sonst nicht neben sich stehend, wird wohl im Falle einer aufgefallenen Zuwiederhandlung auch nicht all zu viel passieren (z.B. ist es vielleicht auch gut gleich daneben einen Komposthaufen zu haben um sich im Falle des Falles dumm zu stellen).

    Das Anbauverbot beruht wohl darauf, dass man, wenn man schlau ist, auch wieder THC reiche Pflanzen “rückzüchten” kann. Es kann auch sein, dass die THC armen Sorten Hybride sind und bei der F1 dann schon wieder ein merklich höherer THC Anteil vorhanden sein könnte.

    • Ich vermute, dass das Anbauverbot auch damit zu hat, dass früher in der Mitte so eines Hanf-Feldes gerne mal einige Pflanzen einer anderen Sorte standen ;-)

      Das mit den Jugendlichen, die nachts zum Ernten kommen, sollte man übrigens tatsächlich nicht unterschätzen. Hier in der Gegend sind schon wieder Leute unterwegs, die nachts in fremden Gärten Triebe von Hortensien schneiden.

    • Nein, nicht der Komposthaufen – der steht auch viel zu schattig – besser ist das das Vogelfutterhäuschen. Da wächst bei uns Hanf immer wieder wild.
      Ärgerlicher finde ich da schon, daß ich häufig wild ausgesäten Papaver Sativum (Schlafmohn) entfernen muss, der hat wenigstens wunderschöne Blüten!

  • Was Sache ist, schrieb Nervenruh nach seinem Besuch im Hanflabyrinth Bayern. Schau da: http://nervenruh.blogspot.de/2006/09/hanf.html

  • Peter Ringger

    Hanfanbau ist offiziell natürlich auch in der Schweiz verboten, so die Theorie. Die Praxis sieht bei uns so aus: Unsere neuen Nachbarn hatten letzten Sommer etwa zehn schöne, ca. 2,5 m hohe weibliche Hanfpflanzen in grossen Töpfen auf Ihrer Veranda stehen. Der Vorbesitzer unseres neuen Hauses ist Polizist, und ich habe ihn bei der ersten Hausbesichtigung natürlich gefragt, ob er da nichts unternehmen will. Der antwortete ganz entspannt: “Ach nein, ich habe wichtigeres zu tun”. Gleich gegenüber von Nachbars Garten befinden sich die Büros der Gemeindeverwaltung, auch die hatten einen direkten Blick auf die Pflänzchen. Passiert ist nichts. Im Herbst haben sie dann noch ein Gewächshaus für die Hanfpflanzen gebaut, mal sehen wie es dieses Jahr weitergeht. Gleich hinter Nachbars Gartenzaun befindet sich übrigens auch der einzige Kinderspielplatz der Gemeinde, der zum Kindergarten über der Gemeindeverwaltung gehört und auch von den Schülern der beiden angrenzenden Schulhäuser benutzt wird. Der Spielplatz ist natürlich auch ein beliebter Treffpunkt von jungen Müttern. Soweit ich das mitbekommen habe, wurde aber bis jetzt vom Hanf nichts geklaut. Fremder Besitz wird hier im Dorf noch respektiert, auch wenn er offiziell illegal ist, aber irgendwie scheint dies niemanden zu interessieren. Mich übrigens auch nicht :)

  • Jupps, das werden riesige und wunderschöne Pflanzen. Diese Sonnenblumen waren sicher 2,5 Meter hoch.

    Trotzdem kann ich nur dringend davon abraten, so etwas selbst im eigenen Garten zu versuchen (zumindest hier in Deutschland). Bei so einer Pflanze ist man schnell in Bereichen, wo nicht mehr “Eigenbedarf” sondern “Handel” angenommen wird. Und das ist dann gar nicht mehr lustig!

  • Vor einiger Zeit gab es in der Sendung Quarks & Co. eine Erklärung dafür, warum der Hanfanbau verboten ist. Danach hatte nach der Aufhebung des Alkoholverbots in den USA die zuständige Kontrollbehörde nichts mehr zu tun. Außerdem war der Konsum von Cannabis in den USA eine Tradition. Aus Hanf, das ist ja auch bekannt, kann man Medikamente, qualitativ sehr gute Kleidung,
    Papier und vieles mehr herstellen. Aber, so heißt es bei http://www.quarks.de, in den 1930er Jahren machten konservative Politiker wie Harry Anslinger Front gegen Cannabis. Auf der einen Seite träumten diese Politiker von einer Gesellschaft ohne Drogen und behaupteten, Cannabis mache gewalttätig, führe zu unkontrollierbarem sexuellen Verlangen und verändere die Persönlichkeit. Genau dieselben Eigenschaften waren zuvor dem Alkohol zugeschrieben worden. Obwohl damals wissenschaftliche Studien das Gegenteil behaupteten, hatte Anslinger Erfolg. Unterstützung – auch finanziell – erhielt er z. B. von der Baumwoll-Lobby. Die wollten nämlich ihre Baumwolle weltweit anbauen. Ist ihnen ja dann auch gelungen. In den meisten Ländern der Erde ist der Anbau von Hanf seit Anslingers Zeit verboten.
    Viele Grüße Christina

  • Wolfgang

    Nutzhanfsamen oder auch Vogelfuttersamen sind frei zu erwerben. Man darf Sie jedoch nicht ansetzen oder zu anderen Zwecken als zue Fütterung verwenden. Naja essen darf man Sie selbst auch, aber das wars dann auch schon ;) (LEIDER) Ist schon komisch. Genau so komisch ist, dass man Longpapers und Grinder oder Wasserpfeifen in Shops wie diesen — kaufen darf, aber alles was man bräuchte um dieses Zubehör zu benutzen, ist verboten bzw. illegal. Also Kaufen erlaubt, benutzen verboten?! Ist wohl eh nur noch eine Frage der kurzen Zeit und dann darf auch jeder die von “Gott” erschaffene Pflanze nach seinem eigenen ermessen verwenden!

    Gruß Wolfgang

  • Mike

    Schon witzig, dass die Regierung uns verbietet eine Pflanze anzubauen! Ich mein, wenn sie wenigsten giftig wäre oder sonst irgendwie negativen Einfluss auf deine Gesundheit hätte, ok. Aber dies ist ja hier ganz klar nicht der Fall: Hanf ist mega Gesund und vielseitig einsetzbar… Schade, dass die Bürokratie uns da einen Strich durch die Rechnung macht…

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.