Gedopt durch Chili?

Die Aufregung im Lager der Pferdefreunde ist wieder einmal groß. Christian Ahlmann wurde vom internationalen Sportgerichtshof (CAS) für vier Monate gesperrt, weil er sein Pferd bei den Olympischen Spielen in Peking verbotener Weise mit Capsaicin behandelt hat. Die nationale Reiterliche Vereinigung ist sauer und fordert eine erheblich höhere Strafe. Offenbar geht sie davon aus, dass es sich nicht um eine verbotene Medikation, sondern um Doping handelte. Worum geht es da eigentlich? Capsaicin, ist das nicht das Zeugs, dass unsere Chilis scharf macht? Spiele ich besser, wenn ich mir vor unserem dienstäglichen “Volleyball für den arrivierten Herrn” noch kurz ein paar Chilischoten zu Gemüte führe?

(E)-N-(4-Hydroxy- 3-methoxybenzyl)- 8-methyl-6-nonensäureamid oder mit bürgerlichem Namen Capsaicin ist eine Substanz, die in Pflanzen der Gattung Capsicum (Paprika, Chili) gebildet wird. Bei Säugetieren löst diese Substanz schon in kleinen Dosierungen einen starken Hitze- und Schärfereiz aus. Sie wirkt dabei auf spezielle Wärme-Rezeptoren, die nur Säugetiere haben. Vögel besitzen diese Rezeptoren nicht und sind daher unempfindlich für Capsaicin. Das ist von der Natur clever eingefädelt, denn die Vögel sind im natürlichen Zusammenspiel für die Verteilung der Capsicum-Samen in der Umgebung zuständig.

Aha, aber was hat das alles mit Doping im Reitsport zu tun? Offenbar wird Capsaicin dort vielfältig werwendet. Es wird in Salben zur Durchblutungsförderung angewandt oder auf Verbände geschmiert, um zu verhindern, dass die Pferde diese anknabbern. Beides wäre kein Doping, sondern eine verbotene Medikation. Aber dann gibt es da auch noch ein weiteres Anwendungsgebiet – Capsaicin wird auf den Bereich oberhalb der Hufe aufgetragen, um diesen Bereich schmerzempfindlicher zu machen. Das ist dann nicht nur Doping, sondern auch ziemlich ekelhaft! Mit Sport hat das aber auch sowas von überhaupt nichts zu tun, das ist schlicht und einfach Tierquälerei.

3 Kommentare zu Gedopt durch Chili?

  • Sisah

    Merkwürdig, dass das Zeug bei Pferden die Schmerzempfindlichkeit erhöhen soll, damit sie dann die Hufe zum Springen höher nehmen sollen. Ich verwende capsaicinhaltige Salbe, wenn ich Rückenschmerzen habe, um mich zu desensibilisieren “Die Studie zeigt, dass die topische Anwendung von Capsaicin die chronischen Schmerzen, welche durch muskuloskeletale oder neuropathischen Leiden bedingt waren, verglichen zu Placebo signifikant reduzierte.” ( http://www.evimed.ch/cgi-bin/WebObjects/nuSite.woa/evimed/journal_club.html?rubricseq=230&tocexternalid=782)
    Nach dieser Desensibilisierung springe ich dann wieder herum wie ein junge Fohlen ;-)…manchmal jedenfalls….Doping für Hobbygärtnerinnnen?
    LG
    Sisa

    ·

  • Kein Ahnung, wie das genau funktioniert. Könnte sein dass es darauf ankommt, woraus so ein Mittel sonst noch besteht. Ich habe gestern Sweet-Chili-Sauce gemacht und bin dabei natürlich ziemlich eng mit den Chilis in Berührung gekommen. Da brennt die kleinste Schramme, aber von einer höheren Schmerzempfindlichkeit bei Berührung habe ich auch nichts gemerkt. Werde nachher mal gucken, ob ich noch näheres zu dieser Übersensibilisierung der Pferdehufe finde.

  • Es ist mal wieder schwierig wissenschaftliche Hintergrundinformation zu finden. Die Wikipedia gibt zu diesem Sachverhalt im Artikel Capsaicin zwei Zeitungsartikel als Quelle an, die selbst aber keine Quelle angeben. Bei zdf.de habe ich zumindest dieses gefunden: Der deutsche Mannschafts-Tierarzt Björn Nolting erklärt, dass das Mittel als Creme an den Vorderbeinen oberhalb des Hufes angebracht werden könne, um die Haut zu reizen, was das Anschlagen an die Stangen schmerzhafter macht.

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