Biomassekraftwerk – gut oder nicht gut?

Eigentlich finde ich Bürgerentscheide und Bürgerbefragungen ziemlich sinnvoll. Allerdings funktioniert so etwas natürlich nur, wenn die Bürger auch genügend Hintergrundinformationen haben um eine fundierte Meinung abgeben zu können.

Demnächst wird es hier bei uns zum Beispiel eine Abstimmung über die Frage geben, ob wir in unserer Gemeinde ein Biomassekraftwerk haben wollen oder nicht. Natürlich habe ich mal im Freundeskreis herum gefragt, wie die Stimmung ist. Den meisten geht es wie mir – Kopfkratzen, Achselzucken …

Die allgemeinen Argumente sind natürlich bekannt:

Für ja spricht:

  • Unsere Gemeinde hat sich zum Ziel gesetzt ihren Energiebedarf zu 100 Prozent vor Ort aus erneuerbaren Ressourcen zu erzeugen. Wenn man sich so etwas vornimmt, dann muss man natürlich auch aktiv werden, um das Ziel zu erreichen
  • Klimaschutz und Wandel bei der Energieerzeugung werden gefördert
  • es werden neue Arbeitsplätze geschaffen
  • es ist mit Gewerbesteuereinnahmen zu rechnen
  • neue lokale Investitionsmöglichkeit für die Bürger werden geschaffen

Für nein spricht:

  • Zunahme des LKW-Verkehrs (jährlich 55000 Tonnen, also < 10 LKW/Tag)
  • der Rohstoff Holz wird knapper
  • es kann zu Emmissionsbelastung kommen

Zu den einzelnen Argumenten kann man sich im Internet recht gut informieren. Als Vorbereitung auf eine heute Abend stattfindende Informationsveranstaltung (20 Uhr, Aula der Wümmeschule) habe ich das eben noch mal gemacht.

Biogasanlage

Biogasanlage in Ottersberg

Bei mir ist allerdings von der letzten Bürgerbefragung ein etwas schaler Nachgeschmack zurück geblieben. Damals ging es um den Bau einer Biogasanlage. Im Nachhinein muss ich sagen, dass man nur sehr schwer alle Konsequenzen vorhersehen kann, die so eine Entscheidung nach sich zieht.

Ich war damals für den Bau dieser Anlage. Leider wusste ich aber nicht, dass so ziemlich jeder andere Ort in Niedersachsen auch gerade so eine Biogasanlage plant. Die Auswirkungen auf den Ackerbau in unserer Gegend sind echt heftig (Umbruch von Grünlandflächen, die kaum für den Ackerbau geeignet sind und Mais soweit das Auge reicht …).

Sollten sich also in unserer Leserschaft Leute befinden, die praktische Erfahrungen mit so einem Biomassekraftwerk in der Nachbarschaft haben, dann würde ich mich sehr über einen Erfahrungsbericht freuen. Insbesondere interessieren mich Auswirkungen, die man auf den ersten Blick nicht erkennt.

Weblinks:

21 Kommentare zu Biomassekraftwerk – gut oder nicht gut?

  • Ehler

    Die Transporter fahren auch wieder zurück! Also alles x2 Meine Sorgen gehen in die Richtung,das die Verträge so unprofessionell geschlossen werden,das wir unser Ziel für ad acta erklären können.Mir wäre außerdem lieber, wir würden uns mit 3 kleineren Kraftwerken begnügen,um bevor der der Rest aus den Wäldern gefegt wird auch mal eines abstellen können.Die Nabu hat einige Bedingungen gestellt,die ich unterstütze.Wenn diese so akzeptiert werden, habe ich keine Bauchschmerzen und bin dabei.

  • herkulars

    Welchen Vorteil hat es denn, den “Energiebedarf zu 100 Prozent vor Ort aus erneuerbaren Ressourcen zu erzeugen”, wenn die Rohstoffe dafür erst herangekarrt werden müssen (siehe LKW-Verkehr)?

    Das ist ähnlich wie das Argument, Holz sei ja ein CO2-neutraler Brennstoff. Die Rechnung geht aber nur auf, wenn man zum Fällen der Bäume keine Kettensäge oder gar Harvester verwendet und der Transport des Holzes ohne KFZ erfolgt. Und trocknen muss das Holz dann auch für mindestens 2 Jahre an der frischen Luft und nicht in der Heizkammer.

    • Diese Argumente relativieren sich natürlich, wenn es sich wie angekündigt tatsächlich um Holz handelt, dass sowieso geschnitten und transportiert worden wäre (Strassenschnitt, Grünabfälle etc.).

      Dann gilt natürlich weiterhin das grundsätzliche Argument (auf dass Du vermutlich auch hinaus willst): Wir müssen unseren Energieverbrauch alle radikal verringern! Alle! Radikal!

      • Uli

        Leider wird das nie der Fall sein. Große Kraftwerke können und dürfen nicht einfach alles von der Straße verbrennen. Erstens müsste dann die Rauchgasreinigung größer und teurer ausfallen, zweitens sind sie auf sehr gleichbleibende Qualität des Brennstoffs angewiesen. Sie müssen nämlich tatsächlich zu jeder Zeit berechnen können, wie heiß es im Ofen sein wird, wie viel Energie das nun bringt und wieviel wann noch dazumuss. Müllverbrennungsanlagen haben da schon größere Probleme mit und müssen dann oft Öl und andere Brennstoffe dazuverfeuern, um all diese Parameter unter Kontrolle zu halten.

  • Uli

    Hallo! Zwar kann ich nicht so viel Worte über ein Biomassekraftwerk verlieren, denn hier gibt es solche nicht. Aber vielleicht ein bisschen was anderes anbringen. Zum einen sollten Biogasanlagen nicht rein mit pflanzlichem Substrat beschickt werden. Denn die ganzen ach so tollen Bilanzen und Begründungen wurden damals für Biogas aus Gülle + etwas zusätzlichem Pflanzenmaterial erstellt. Dass heute nur noch Mais gefüttert wird ist ein Unding, dass sich Pioniere dieser Tehcnik nicht vorstellen konnten. Eigentlich sollten die Abfälle der Landwirtschaft (maisgrün und Schweine- sowie Rindermist) dort drin landen und die Felder von der Überdüngung durch Gülleentsorgung entlasten. Hat ja nun nicht geklappt.
    Die Sache mit den Kraftwerken ist dann ja auch eine etwas andere. Ich an eurer Stelle würde vielleicht mal über dezentralisierte Heizsysteme nachdenken. So ein Blockheizkraftwerk ist zwar recht groß und für eine Einzelperson auch nicht ganz billig in der Anschaffung. Dafür hat es statt einem Wirkungsgrad von 40-60% (normale Kraftwerke haben den, also Kohle, Gas etc.) locker über 80%, da das entstehende heißwasser gleich vor Ort mitgenutzt wird. Das bedeutet weniger Brennstoff, der gebraucht wird. Zudem ist ein solches Kleinkraftwerk nicht zu solch großen Maßen von gleichbleibender Brennstoffqualität abhängig. Interessanterweise ist es am Effektivsten, mit einem solchen Kraftwerk Mehrfamilienhäuser oder halbe Straßenzüge mit Strom und Heizkraft zu versorgen. Eine Firma, die im Moment solche Blockheizkraftwerke vertreibt und die Steuerung übernimmt, ist Lichtblick. Viele andere Stromversorger entziehen sich da gern der Debatte indem sie angeben die Steuerung vieler einzelner Stromeinspeiser wäre zu aufwändig…im Zeitalter der Computer. Nunja. Ich kann nur jedem empfehlen sich an der Stelle einmal schlau zu machen. Vor allem über Kraft-Wärme-Kopplung. Die Nutzung des Heißwassers, das so ein Kraftwerk produziert hebt dessen Wirkungsgrad enorm, wird aber kaum beachtet. Dafür müsste das Kraftwerk in naher Nachbarschaft zu den zu beheizenden Orten stehen und das will ja keiner .-)

  • Andre

    Ich kann euch allen nur Recht geben.
    ABER:
    In diesem Fall ist der Standort des Biomassekraftwerkes das ausschlaggebende.
    Die Konservenfabrik BUSS hat (Vertraglich!) zugesagt, die Abwärme zu Nutzen. Dadurch steigt auch der vorher erwähnte Wirkungsgrad bedeutent an.
    Zum Wärmebedarf von BUSS sollte man wissen, dass dort normaler Weise mit Erdgas (russisches? Geld für Putin?) geheizt wird, nur der Bedarf ist so hoch, dass im Winter zusätzlich Heizöl (gleiches Problem wie beim Gas) herangefahren werden muß da die Erdgasleitung nicht genügend hergibt.
    Für mich ist dieser Synergieeffect, dass ausschlagebende Argument für das Biomasseheizkraftwerk genau an dieser Stelle.

    • Gerade hatten wir das Thema auch beim Apre-Volleyball. Die meisten werden wohl (wie auch ich) mit ja stimmen. Trotzdem muss man einfach mal hervorheben, dass hier nicht die Gemeinde handelnde Person ist, sondern private Firmen. Und private Firmen neigen nun mal dazu, dass ihr vornehmliches Anliegen die Gewinnmaximierung ist.

      Hast Du diesen Vertrag mit Buss gesehen? Wenn das so toll funktioniert, wieso gibt es nicht längst einen Buss-Fernwärmevertrag mit der Biogasanlage (die ja auch genau nebenan liegt) Glaubst Du, dass da wirklich nur Straßenschnitt und “Osterfeuer-Holz” verfeuert wird. Müssen wir sogar damit rechnen, dass hier demnächst Wälder (und Äcker) zu Erlen-Plantagen werden, die alle drei Jahre platt gemacht werden? Naja usw. Fragen über Fragen…

      • Andre

        Gesehen habe ich den Vertrag nicht, aber gerade auf dieses Wärmekonzept wurde doch immer wieder hingewiesen (zB in der Infobroschüre). Außerdem gibt es einige Otterstedter die bei BUSS arbeiten, so gibt es manchmal Informationen aus erster Hand.

        Zum Thema Biogasanlage: Dort wird Geflügelmist vergoren und theoretisch dürften auch Schlachtabfälle in die Anlage (die Abkürzung für BENAS sagt doch alles). Hab nur mal gehört das der Lebensmittelproduzent BUSS da keine direkte Rohrleitung hin haben möchte, mal abgesehen vom Image der Biogasanlage.

        Zu deinen Erlenplantagen kann ich nur sagen, dass gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Biomasse aus Kurzumtriebsplantagen für die Verbrennung in Kraftwerken nicht gefördert wird.

        Und zu guter letzt sehe ich es eher als Vorteil, dass es sich um eine private Firma handelt.
        Siehe: Hamburger Operhaus, Berliner Flughafen und auch S21.
        Da kann man doch unsere A1 als positives Beispiel hervorheben. (schneller Fertig und Funktionstüchtig!! als geplant)
        “Manchmal” ist Gewinnmaximierung effizienter als Geltungsdrang von Politikern.

  • Ein weiterer Einwand gegen Ulis Argumente ist die schlichte Tatsache, dass Blockheizkraftwerke gewöhnlich mit fossilen Energieträgern befeuert werden. Die Effizienz steigt zwar, aber trotzdem bleiben sie grundsätzlich CO2-Schleudern.

    Auch die ökonomische Seite von Blockheizkraftwerken sehe ich eher kritisch. Das Erdöl ist in absehbarer Zeit alle. Dann steht die Verbrennung von fossilen Energieträgern plötzlich in direkter Konkurrenz zur chemischen Industrie. Das wird teuer ;-)

    • Uli

      Das ist so nicht ganz richtig. Ja, viele Blockheizkraftwerke werden mit Gas befeuert. Da aber Biogas eine sehr ähnliche Zusammensetzung hat wie auch Erdgas (und vor allem Energieleistung), ist man nicht aufgeschmissen wenn Putin den Hahn zudreht.
      Zum anderen gibt es durchaus Modelle, die auch Holzpellets und Strohpellets verbrennen. Die Ölvariante muss dann schon eine sehr alte sein, denn so etwas ist heute eher sehr rar geworden. Wer übrigens eine dem Forstnerofen (Holzbefeuerter Ofen) ähnliche und sehr robuste Variante nimmt kann dann selbst entscheiden was er darin verfeuern mag. Diese sind dann kaum noch auf speziell aufgemachten Brennstoff angewiesen. Dass Privatmensch allerdings keine Rauchgasreinigung auf dem Dach stehen hat, das stimmt natürlich trotzdem.

      Das mit den privaten Betreibern stimmt nur zu sehr. da hilft es leider nur, die Verträge genau zu studieren (wenn man da rankommt). Sie sollten schon vor dem Bau sehr genau wissen, was da verfeuert wird, das ist schließlich teil der Gewinnbetrachtung. Auch sollte der Vertrag langfristig gültig sein.

  • Ehler

    Wenn das BMHKW 55000 Tonnen an Brennmaterial im Jahr benötigt,der Landkreis Verden selbst aber nur max.3500 Tonnen/Jahr zur Verfügung stellen kann verstehe ich das mit den 150 Km Umkreis nicht.Bis in den südlichsten Winkel des L.K. sind es ca 60 Kilometer.Was für Tricksereien wird man sich jetzt einfallen lassen,um unglaublich weite Transportwege zu rechtfertigen. Und trotzdem bleibe ich dabei und stimme für das Projekt, denn wozu sind Verträge da.

    • Naja, 150 km Umkreis, das reicht bis zur Küste und weit hinter Bremen und weit hinter Hamburg und auch weit hinter Hannover. Da wird schon so einiges zusammen kommen.

      Keine Ahnung, ob die Befürchtung berechtigt ist, dass da auch einige größere Seehäfen dabei sind, über die Holz importiert werden könnte ;-)

  • Ach Ehler ich vergaß, dass ich ja noch ein paar Links mit Meinugen und Kommentaren zum BMHKW schicken wollte (einige als PDF):

    SPD Ortsverei9n Ottersberg

    Grüne Ottersberg

    FGBO (Freie Grüne Bürger Ottersberg)

    ikeo e.V. (Initiative für eine klimafreundliche Energieversorgung Ottersberg)

    Supermarius

    Nebenbei bemerkt wunderte mich die “Aktuelles”-Seite der Ottersberger CDU schon etwas. Über das BMHKW gibt’s da nix, aber sie verlinken drei Artikel aus Spiegel/Fokus, in denen es sämtlich um die SPD geht ;-) Andre hat hier aber ja klar gemacht, dass die CDU auch für das Kraftwerk ist.

    Und wenn ich sowieso schon am lästern bin, dann auch noch der Hinweis, dass ich es etwas ärgerlich finde, dass weder vom BUND noch vom NABU irgend ein eindeutiges Statement zu diesem Thema zu finden ist. Hinterher zu meckern ist natürlich wesentlich komfortabler als vorher eine eindeutige Meinung zu äußern.

    Wenn ich richtig gezählt habe, sind die FGBO als einzige gegen das BMHKW.

  • Die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale gibt es dort.
    Hier nur das Ergebnis für den ganzen Flecken:


    Bürgerbefragung:
    * JA – 47,8 %
    * NEIN – 52,2 %


    Landtagswahl:
    * CDU – 32,5 %
    * SPD – 26,8 %
    * GRÜNE – 23,2 %
    * FDP – 8,6 %
    * PIRATEN – 3,7 %
    * DIE LINKE – 3,6 %
    * alle anderen jeweils weit unter 1 Prozent

  • mike

    moin moin
    Das war wohl eher eine Abstimmung über die Informationspolitik
    unser Regierenden.
    Anhand der Einzelergebnisse der Wahllokale,kann man(Benas sei Dank)auch gleich eine Karte der vorherrschenden Windrichtungen
    und einen Plan der Verkehrswege unserer Gemeinde erstellen.
    Ich zumindest bin sehr gespannt,ob diese Befragung in gleicher
    Weise in den Entscheidungsprozess eingebunden wird,wie die Letzte.

  • Ehler

    Da Mike muß ich dir Recht geben.Je woher der Wind weht,senkt der Bürger seinen Daumen oder hebt ihn.Ich hoffe die Gemeinde erweist sich nun als fairer Verlierer, denn der Ottersberger ist von seinem Naturell her schon unbequem,kritisch,selbstbewußt und schwer zu regieren.Da bedarf es schon viel mehr Aufklärung.

  • mike

    moin moin
    Was für ein schöner Tag.Ich komme nach hause,die Sonne scheint,es ist Wochenende und ein lauer Duft liegt in der Luft.Nein, das ist nicht der Frühling.Dieser hat einen ,mit morbidem Charme, behafteten Unterton.Ach ja,heute morgen war ja schon eine Änderung der Windrichtung vorrausgesagt worden.
    Die deutsche Sprache ist toll.Ein Buchstabe kann viel bewirken.
    “gelebte Demokratie” “erlebte Demokratie” und vielleicht auch mal
    wieder-”belebte Demokratie”?…….. Gibt es hier noch irgendjemanden,der die Wahlbeteiligung(Wahlenthaltung)der Bürger nicht versteht.Der ottersberger Bürger…..siehe Beitrag Ehler…..aber was nützt es Ihm.Träume sind schön…siehe Anfang.

  • mike

    moin moin
    Habt ihr heute morgen auch den Dreizeiler über den Rückzug der Investoren gelesen?
    Sollte es das gewesen sein………..

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.