Ist unser Blog CO2-neutral?

Nein, nicht einmal im Entferntesten!

Aktionen wie die CO2 neutralen Suchmaschinen sind sicherlich eine nette Spielerei. Ich hoffe aber, dass keiner unserer Leser wirklich der Hoffnung verfallen ist, man könne seine CO2-Bilanz damit signifikant aufmöbeln. Der allerneuste Schrei in dieser Richtung ist nun die Aktion “Mein Blog ist CO2-neutral!” – und ich verlinke sie hier mal bewusst nicht. Die Initiatoren versprechen einen Baum zu pflanzen, wenn man ihr Banner (mit einem Link auf ihre Seite) für eine gewisse Zeit in sein Blog einblendet. Einmal davon abgesehen, dass mir nicht klar ist, was das für ein Baum ist, wo er stehen wird und für wie lange seine Existenz gesichert ist – kann ein Baum die CO2-Bilanz eines Blogs wirklich neutralisieren?

Eine kleine Beispielsrechnung: Nehmen wir an, wir pflanzen eine Fichte. Eine 100-jährige Fichte hat der Atmosphäre im Laufe ihres Lebens im Idealfall zwei Tonnen CO2 entzogen. Im Durchschnitt sind das dann also 20 Kilogramm CO2 im Jahr. Nimmt man einen freundlichen Mittelwert für konventionell (aus fossilen Energieträgern) erzeugtem Strom von 0,5 Kilogramm je Kilowattstunde (detaillierte Studie des Öko-Instituts, PDF), dann dürfte der Server gerade einmal für zehn Tage im Jahr laufen um CO2-neutral zu arbeiten.

7 Kommentare zu Ist unser Blog CO2-neutral?

  • jK

    *lol*

    Danke Heiner für diesen Beitrag…

    LG
    jK

  • Ich habe die Aktion vor ein paar Stunden auf meinem Blog verlinkt, weil ich sie aus Marketing-Sicht interessant und sympathisch finde. Außerdem ist jeder Baum der gepflanzt wird eine Bereicherung. Aber ich bin ganz bei Dir: Wo wird der Baum letzten Endes gepflanzt? Und was ist das für ein Baum? Man muß solche Aktionen natürlich auch kritisch betrachten, letztenendes geht es ums Marketing. Vielleicht bekommen wir ja noch die Antwort, wo ein neuer Blogger-Wald entstanden ist :-)

  • Klar, ich hoffe, der Artikel ist nicht zu negativ rüber gekommen, war gar nicht so gemeint. Ich wollte eigentlich nur selbst mal schnell nachrechnen, wie viel so ein einzelner Baum eigentlich bringt.

    Aus Marketing-Sicht ist das sicher eine Bomben-Aktion. Ich bin zum Beispiel durch Rivva darauf aufmerksam geworden. Um da hin zu kommen, muss man die Blogosphäre schon etwas in Wallung bringen – ist ihnen gelungen ;-)

  • Hallo Heiner,

    gerne kannst Du Dich auf unserem “I Plant A Tree”-Profil vergewissern, dass wir wirklich dabei sind die Bäume zu pflanzen.

    Weitere Informationen wirst Du ab nächster Woche auch auf der “Mach’s grün Seite unter “CO2-neutral” finden.

    Unsere Rechnung, wie ein Baum einen normalen Blog von CO2-Emissionen neutralisiert, findest Du hier .

    In jedem Fall: ist es nicht besser überhaupt einen Baum zu pflanzen als gar keinen? ;)

  • Klar, es ist besser überhaupt einen Baum zu pflanzen. Deshalb lehne ich eure Aktion auch keineswegs rundheraus ab! Man muss aber natürlich trotzdem darauf hinweisen, dass es sich um einen Link-Bait, also eine Promotion-Aktion handelt – was ich übrigens ebenfalls keineswegs ablehne. Grundsätzlich begrüße ich sogar jede Aktion, die die Leser für den CO2-Verbrauch unseres täglichen Lebens sensibilisiert.

    Trotzdem, nehmen wir an, ich wolle mit einem Banner auf unserem Blog seine CO2-Bilanz verbessern. Dann hätte ich die Möglichkeit euer Banner einzubinden, oder ich könnte an gleicher Stelle eine Werbung einblenden. Ich bin sicher, dass die Werbung genug Geld abwerfen würde, um monatlich mehrere Bäumen zu pflanzen.

    Zum Ausgleich von CO2-Immissionen durch das Pflanzen von Bäumen gibt es noch einen wichtigen Punkt anzumerken. Große alte Wälder entziehen dem Kreislauf kein CO2! Es wird immer etwa genau so viel CO2 in die Atmosphäre abgegeben (z.B. durch das Vergehen von altem Holz) wie an CO2 für den Aufbau von frischem Holz aus der Atmosphäre aufgenommen wird. Es wird also nur CO2 aus dem Kreislauf entfernt, wenn ein zusätzlicher Baum gepflanzt wird. Wenn an der Stelle vorher schon ein Baum geschlagen wurde, dann kann der neu gepflanzte Baum nur die Menge an CO2 neutralisieren, die der alte Baum in der Folgezeit (durch vergammeln, verbrennen etc.) freisetzen wird. Letztlich lässt sich die weitere CO2-Anreicherung der Atmosphäre also nur verringern, wenn man entweder weniger Energie verbraucht, oder wenn die Energie durch regenerative Verfahren (Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie) erzeugt wird.

  • Ich fand Deinen Beitrag überhaupt nicht negativ und finde es gut, wenn man die Sachen kritisch betrachtet. Und Deine weiteren Ausführungen vom 17.6. sind sehrwohl auch plausibel :-)

    Wäre ja sonst mit dem CO2-Abbau zu einfach ;-)

  • daniel

    ich sehe dieses projekt auch etwas kritisch und habe mich auch gegen verlinkung entschieden. bäume pflanze ich selbst und viel besser wäre es, wenn mein hoster auf ökostrom umsteigen würde….

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