Unreflektierter Quatsch

Manchmal frage ich mich, wieso wir uns eigentlich noch den Luxus einer Tageszeitung leisten. Wenn ich irgendwelchen unreflektierten Quatsch lesen will, dann kann ich doch auch ins Internet gehen. Ich zitiere mal zwei Artikel aus dem Weserkurier von heute Morgen. Beide haben entfernt mit dem Thema dieses Blogs zu tun:

“In Weblogs wie Wikipedia können User ihr Wissen einbringen”
(Weserkurier vom 28.6.2008; Seite 3; Web 2.0 – Internet zum Mitmachen)

OK, die Redaktion hat keine Lust sich mit ihrer digitalen Konkurrenz zu beschäftigen. Wieso sollte der Autor (NH) sich da die Mühe machen seinen Bericht durch störende Sachkompetenz zu trüben? Hier kurz etwas Nachhilfe: Weblogs (oder kurz Blogs) sind Internet-Tagebücher. Im diesem Moment liest Du übrigens gerade in unserem Weblog. Sie sind meist stark durch die Meinung der Autoren bestimmt und daher eher subjektiv. Die Wikipedia dagegen versteht sich als Enzyklopädie und hat sich daher der Neutralität und Objektivität verschrieben.

“Der Boden auf dem Mars ähnelt einem normalen Gartenboden”
(Weserkurier vom 28.6.2008; Seite 7; Spargelstechen auf dem Mars)

Das soll nach Angaben des Weserkurier das Zitat eines Chemikers von der Universität Arizona sein. Weiter soll er gesagt haben “Man könnte dort gut Spargel anbauen.” Ist es für Reporter und Redakteure eigentlich inzwischen verboten selbst mal etwas zu recherchieren? Der gefundene pH-Wert von 8-9 soll für den Spargelanbau geeignet sein? In der Literatur ist für Spargel überall von pH-Werten zwischen 5,5 und 6,5 die Rede, dazwischen liegen Welten. Ach ja, dann auch noch der Satz: “Sein Team sei überrascht über den hohen Säuregehalt mit einem pH-Wert von 8-9…“. OMG! Wieder etwas Nachhilfe für die Redaktion: der pH-Wert sagt tatsächlich etwas über den Säuregehalt aus, nämlich dass pH7 neutral ist; ph5 ist sauer und ph9 ist alkalisch (basisch).

Dann soll der Marsboden auch noch einem normalen Gartenboden ähnlich sein? Hmm, “normaler” Gartenboden ist etwas, mit einem hohen Humus-Anteil und einem ausgeprägten Bodenleben (Edaphon). Beides führt zu einem hohen Stickstoffgehalt. Auf den entsprechenden Seiten der NASA ist von solchen hohen Stickstoffgehalten in den Proben des Marsbodens aber keinerlei Rede. Im Gegenteil, sie versuchen gerade überhaupt Spuren von Stickstoff zu finden.

Übrigens hatte der erste Entwurf dieses Artikels den Titel “Schwachsinn regiert die Welt” und enthielt etliche weitere Beispiele für die die Redaktion des Weserkurier wohl nicht verantwortlich gemacht werden kann. Da ging es um Fußball oder die Tatsache, dass das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) nur in drei Prozent der getesteten Erdbeeren (na, was meint ihr) keine Belastung durch Pestizide findet. Aber was soll’s, meine Liebste sagt ja immer, ich soll mich beim Zeitunglesen nicht so aufregen.

3 Kommentare zu Unreflektierter Quatsch

  • Unreflektierter Quatsch | Wir sind im Garten…

    Manchmal frage ich mich, wieso wir uns eigentlich noch den Luxus einer Tageszeitung leisten. Wenn ich irgendwelchen unreflektierten Quatsch lesen will, dann kann ich doch auch ins Internet gehen. Ich zitiere mal zwei Artikel aus dem Weserkurier von heu…

  • Ich musste mich gestern auch mit diesem Blödsinn herumschlagen. “Der Marsboden ist wie Gartenerde, Wasser ist auch da”. Das müssen holländische Tomatenbauergärten sein, denn selbst der nicht all zu fette Berliner Gartenboden wimmelt nur so vor Leben und davon hab ich nix gehört, vom Leben auf dem Mars.
    Das mit dem ph-Wert, das darfst du dem armen Autor nicht vorwerfen, schließlich ist er ja Schreiberling geworden, damit er mit Naturwissenschaften nicht mehr in Berührung kommen muss.
    Klar kann ich solcherart Blödsinn auch im Internet finden, da muss ich mich aber mehr anstrengen, oder auf die online-Ausgaben der Printmedien surfen.
    Sonnige Grüße aus Berlin
    Matt

  • Ich denk mir schon länger: Bei ganz vielen Zeitungen beginnt die digitale Kluft direkt in der Redaktion, und selbst in Qualitätsblättern findest du gar nicht so selten selbst auf der Seite für den Geek recht “vereinfachte” Darstellungen der Realität.

    Der Glaube an die Kaufkraft der “Generation Doof” scheint hier die Handlungsmaxime zu sein.

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