Unkraut!

Die Vogelmiere, mein Lieblingsunkraut

Gerade habe ich wieder einmal einen eigentlich sehr interessanten Artikel gelesen, dessen Autor sich seitenlang mit Begriffen wie “spontane Begleitvegetation”, “Beikräuter” oder “Wildkräuter” um das wunderbare und uralte Wort Unkraut herum laviert.

Mal ehrlich, was soll der Quatsch? Unkraut hat eine klare eigenständige Bedeutung. Es bezeichnet Pflanzen, die an einer bestimmten Stelle nicht erwünscht sind. Obwohl die Quecke kein Kraut ist und auf Weiden sogar sehr nützlich sein kann, gilt sie im Garten als Unkraut, weil sie Nutzpflanzen unterdrückt. Sogar viele Nutzpflanzen (wie bei uns zum Beispiel der Meerrettich) werden zu Unkräutern, wenn sie dort wachsen, wo sie Schaden anrichten.

Welchen Grund sollte es geben, gerade beim Unkraut so auf der Vorsilbe un herum zu reiten? Es kommt doch auch niemand auf die Idee, dass ein Unwetter kein Wetter, oder ein Unwort kein Wort, oder eine Unmenge keine Menge ist.

Dem Unkraut geht es da offenbar so wie dem Schraubenzieher. In der Berufsschule haben sie erfolglos versucht, mir einzubläuen, dass man Schrauben nicht herauszieht, sondern heraus dreht – der Schraubenzieher folglich nicht als Schraubenzieher sondern Schraubendreher zu bezeichnen ist.

Was für ein Schwachsinn! Seit es Schrauben gibt, bezeichnet man Schraubenzieher als Schraubenzieher, weil man damit eben Schrauben anzieht. Es kommt einem vor als seien da wild gewordene Linguisten am Werk, die der Meinung sind, Zitronenfalter sollten gefälligst schleunigst beginnen Zitronen zu falten, wenn sie ihren Namen behalten wollen.

5 Kommentare zu Unkraut!

  • Frickerpeter

    Aber Heiner, mit der Bezeichnung “Unkraut” diskriminierst du Pflanzen, und die können sich nicht wehren ;) Aber zuerst sollten wir doch auch aufhören, den Begriff “Unmensch” zu verwenden. Ich schlage deshalb “spontane Begleitpopulation”, “Wildmensch” oder “Beimensch” vor. Analog statt “Untier” “spontane Begleitfauna”, usw…

    Was, das ist Unsinn?

    Äh, Du meinst doch sicher “spontaner Begleitsinn”, “Beisinn” oder “Wildsinn”… :)

    Hier in der Schweiz ist übrigens das Wort “Schraubendreher” absolut nicht in Gebrauch.

  • Hallo Heiner,
    und das üppige veredelte Obstbäumchen in der Mitte des Bildes erwähnst Du ja garnicht !

  • @Frickerpeter: auch wenn das spontaner Begleitsinn sein sollte, so ist es doch keineswegs wildter unserem Niveau ;-)

    @Heinz: Jo genau, das ist ein altes Foto von unserem allerersten okulierten Apfelbäumchen. Inzwischen ist es ordentlich heran gewachsen und hat im letzten Jahr zwei Äpfel getragen.

  • Schraubendreher? Noch nie gehört! Ist wohl eine deutsch-deutsche Variante.
    Das mit dem Unkraut ist so eine Sache. Im Gespräch mit Menschen, die nicht sehr “naturfreundlich” und “-bewusst” sind, vermeide ich den Ausdruck schon. Denn das bringt so manche doch ein wenig zum Denken und hebt in deren Augen – zumindest kurzfristig – die mir auch lieben Pflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel, Gundermann, Wegeriche etc. mal in einen anderen Status. Aber “unter uns” setze ich voraus, dass das nicht nötig ist.
    Liebe Grüße, Margit

  • Siehe zum Beispiel Wikipedia – Schraubendreher. Nach Meinung einiger Fachleute erkennt man Fachleute daran, dass man diese Bezeichnung verwendet.

    Ich habe in der Berufsschule jede sich bietende Möglichkeit genutzt, um aus den Lehrern den Satz “Schrauben zieht man nicht heraus, Schrauben dreht man…” herauszukitzeln. Obwohl ich Landwirtschaft gelernt habe, funktionierte das mehrfach pro Schultag ;-)

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