Monsanto spendet Saatgut an Haiti

Ich wurde von einem guten alten Facebook-Freund darauf hingewiesen, dass ich unbedingt mal etwas zu Monsantos Saatgutspende an Haiti schreiben und auf diesen Artikel bei Radio Utopie verweisen muss. OK, ist hiermit geschehen.

Die Titel der Blogposts zu diesem Thema klingen höchst alamierend (“Haiti wird von Monsanto biologisch komplett in Wüste verwandelt“, “Monsanto will Haiti kontaminieren“, “Monsanto’s tödliche Geschenke an Haitis Bauern“). Leider wiederholen die Artikel aber alle nur die Vermutung, dass Monsanto über die Hintertür einer Spende gentechnisch verändertes Maissaatgut (GVO) nach Haiti bringen will (bzw. gebracht hat).

Soweit ich die tatsächliche Nachrichtenlage einschätzen kann, ist davon aber gar nicht die Rede. Zumindest weist Monsanto darauf hin, dass sie neben dem Mais auch Saatgut für Kohl, Karotten, Auberginen, Melonen, Zwiebeln, Tomaten, Spinat und Wassermelonen liefern wollen. Außerdem weisen sie mehrfach und sehr ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um gentechnisch verändertes Saatgut handelt (siehe zum Beispiel im Monsanto-Blog). Nur um das noch mal klar zu stellen, Hybridzucht hat nichts, aber auch gar nichts mit Gentechnik zu tun. Es gibt gute Gründe F1-Saatgut abzulehnen, aber es ist völliger Stuss es in den selben Topf zu legen wie transgene Organismen.

So weit, so gut. Dieses Blog wäre nicht dieses Blog, wenn es nicht doch noch etwas rummäkeln würde:

  • Mais ist ein Fremdbefruchter und Maispollen legen große Entfernungen zurück. In einem Land wie den USA, in dem 2009 etwa 85 Prozent des angebauten Mais gentechnisch verändert war, ist es offenbar kaum noch möglich Mais-Saatgut herzustellen, dass nicht gentechnisch verunreinigt ist. Zumindest legen dass die wiederholten Funde in Mais-Saatgut nahe. Wollen wir hoffen, dass die Behörden in Haiti bereit und in der Lage sind, das gelieferte Saatgut auf solche Verunreinigungen zu untersuchen.
  • Hilfslieferungen von landwirtschaftlichen Produkten sind immer höchst problematisch. Normalerweise läuft das so ab: Ein entwickeltes Land schickt seine landwirtschaftliche Überproduktion als “Entwickliungshilfe” in ein unterentwickeltes Land. Dort wird die Hilfslieferung an die leidende Bevölkerung verteilt. Als nächstes bricht der Preis für diese Produkte auf den lokalen Märkten ein. Einheimische Bauern können ihre Produkte nicht mehr kostendeckend vermarkten und sie hören auf für die Märkte zu produzieren – langfristig verschlimmert sich die Not.
  • Mir ist nicht recht klar, ob der Mangel an Saatgut in Haiti überhaupt ein Problem ist (ich kann das aber natürlich nicht einschätzen). Zumindest sollte diese Hilfsaktion von einem Programm begleitet werden, dass die Saatgutproduktion der althergebrachten Sorten fördert, damit im kommenden Jahr wieder genügend Saatgut dieser Sorten zur Verfügung steht.
  • Und natürlich sollte den Bauern deutlich gesagt werden, dass es nicht möglich ist, von den gespendeten F1-Sorten eigenes Saatgut zu ernten. Interessanter Weise erklärt der oben verlinkte Artikel im Monsanto-Blog anschaulich mit einer hübschen Grafik, wie F1-Saatgut produziert wird, leider versäumt er aber zu erwähnen, was passiert, wenn man von diesen Pflanzen geerntetes F2-Saatgut im Folgejahr wieder aussäht.

Siehe auch:

2 Kommentare zu Monsanto spendet Saatgut für Haiti

  • Elephant's Eye

    That was interesting. Does the F2 seed revert to a less useful variety? Diana

  • Yes, it will! Modern hybrid breeding is quite a complicated process. But let’s assume the F1 generation was derived from one very high-yield (but fragile) breed and one very resistant (but low-yield) breed. The F1 generation is high-yield and resistant. But the F2 generation will split into 25 percent high-yield, 25 percent resistant and 50 percent high-yield and resistant.

    Needless to say, this is a rather simplified description, in practice the F2 generation will split up into much more different daughters with different characteristics. You’ll find more info on this topic in the Wikipedia article Mendelian inheritance.

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