Diebstahl in der Gartenblogosphäre

Hui, seit ein paar Tagen ist richtig was los bei den Gartenbloggern. Der zwielichtige Betreiber einer dot-net Domain liest den Inhalt verschiedener Gartenblogs aus und veröffentlicht ihn unter Missachtung des jeweiligen Copyrights auf seiner Seite. Claudia vom Wilden Gartenblog ist dem Schlingel jetzt mit einer beeindruckenden Recherchearbeit etwas auf die Pelle gerückt.

Unsere Artikel werden von dieser Scraper-Site ebenfalls kopiert, wobei die Rechtslage eigentlich klar sein sollte. Auf jeder unserer Seiten findet sich unten rechts in der Sidebar ein Hinweis auf die cc-by-sa und ein erläuternder Text, den meiner Ansicht nach auch Vollspacken problemlos verstehen sollten. Der Betreiber sollte also mit dem Quatsch lieber aufhören, bevor ich böse werde und dem Rat Hamburger Gerichte folge.

Gut, eigentlich bin ich nur mittelmäßig böse, deshalb kurz ein Überblick, was ich von dieser Art von Contentklau halte:

Worum handelt es sich bei Contentklau eigentlich?

Wenn wir einen neuen Artikel verfasst haben, dann sagt unser Blog (halb)automatisch bei verschiedenen Diensten bescheid, dass es bei uns Neuigkeiten gibt. Innerhalb weniger Minuten ist der neue Artikel bei Google zu finden und unsere Abonnenten erhalten ihn vollständig und mit den eingebetteten Bildern in ihrem Feed-Reader. Eine halbe Stunde später ist er dann als Anriss auf unserer Facebook-Seite und auf vielen anderen Aggregatoren (wie dem Gartenblog-Mischmasch) verfügbar. Alles kein Problem, wir bieten unseren Feed ja freiwillig an, weil wir möchten, dass unsere Artikel gelesen werden.

Problematischer wird es, wenn die Aggregatoren ganze Artikel und Bilder auf ihrer Seite und in ihrem Design anbieten. Ein gutes Beispiel ist eine Seite namens Petitchef. Hier zum Beispiel unsere gestrige Rhabarber-Aktion auf deren Seite. Das ist nicht so richtig schön, es gibt dort keinen Hinweis auf die cc-by-sa und entgegen der Vorgabe steht deren Seite auch nicht unter eben dieser Lizenz. Trotzdem ist das für mich kein größeres Problem. Sie fügen zwar vereinzelt eigene Links ein, aber sie weisen korrekt auf den Urheber hin und sie belassen den Text und die Links weitgehend so wie sie gedacht waren.

Übel wird es dann bei Leuten, wie dem Scraper um den es bei Claudia geht. Dort wird als Autor dreist ein gewisser Herr Gartenfreund angegeben und die Bilder werden nicht etwa selbst gehostet, sondern sie werden auch noch von Server des Opfers eingebunden. Zumindest habe ich durch die Zugriffszahlen aber eine einigermaßen klare Vorstellung davon, wie armselig das Geschäft dieses Scrapers sein muss ;-)

Wieso ist Contentklau schädlich?

Natürlich kratzt es zunächst einmal am Ego, wenn sich Fremde mit den Federn schmücken, die einem eigentlich selbst zustehen. Darüber hinaus kann Contentklau aber auch echten Schaden an der eigenen Webseite anrichten.

Suchmaschinen mögen es nicht, wenn in ihren Suchergebnissen mehrmals der gleiche Text hintereinander angezeigt wird. Also sortieren sie bei doppelten Inhalten den aus, der ihnen weniger relevant erscheint. Normalerweise wird das die Seite des Scrapers sein. Da der aber natürlich sehr viel mehr neue Inhalte erzeugt als unsere einzelnen kleinen Blogs, könnten die Suchmaschinen auf die Idee kommen, dass die Seite des Scrapers wichtiger ist als wir.

Etwa zwei Drittel unserer Besucher finden zu uns über Suchmaschinen. Auch wenn mir unsere Stammleser natürlich viel lieber sind, möchte ich doch ungerne auf die Leserschaft von den Suchmaschinen verzichten.

Kann Contentklau nützlich sein?

Ich fürchte, dass die negativen Auswirkungen überwiegen. Trotzdem kann Contentklau auch nützlich sein. Suchmaschinen lieben Seiten, die häufig von anderen Seiten verlinkt werden. Die Hauptwährung im Internet sind deshalb Links. Wenn die Scraper-Site also einen Link zum Urheber setzt, kann das durchaus vorteilhaft sein. Bei uns kommt dazu, dass wir unter manche Artikel ein paar Werbelinks zu passenden Büchern bei Amazon setzen. Ich habe nichts dagegen, dass Scraper diese Links unverändert auf ihre Seiten übernehmen (passiert öfter als man denkt ;-).

Wie findet man Contentklau?

Wenn man nicht zufällig drauf stößt, dann ist es gar nicht so einfach festzustellen, ob eigene Inhalte geklaut wurden. Zum Glück gibt es aber inzwischen doch ein paar Dienste, die die Suche erleichtern.

Logischerweise kann man speziell nach bestimmten Wortkombinationen suchen, die in den eigenen Texten vorkommen. Noch besser ist es einen Alert für bestimmte Phrasen zu setzen. Ich werde zum Beispiel von Google Alert informiert, wenn irgendwo im Internet “Wir sind im Garten” oder “hobby-garten-blog” oder “Heiner Otterstedt” oder verschiedene andere Begriffe auftauchen. Manchmal kann das sehr aufschlussreich sein.

Von Diensten wie Copyscape für Texte oder Tineye für Bilder, die nach Duplikaten der eigenen Seite suchen, war ich bei meinen letzten Tests eher nicht so begeistert.

Es gibt Plugins für WordPress (unserer Blogsoftware), die einen eindeutigen “Fingerabdruck” an jeden Artikel im Feed hängen. Allerdings sieht das irgendwie unschön aus, deshalb verzichten wir lieber drauf.

Wie kann man sich gegen Contentklau wehren?

Manchmal möchte man die dreisteren der Contentdiebe ja mal zu Hause besuchen oder zumindest das längst vergessene Hacker-Wissen etwas auffrischen, aber bleiben wir bei den legalen Gegenmaßnahmen.

Es ist schwierig! Mailin rät mir in solchen Fällen immer, zumindest eine gepfefferte Mail zu schreiben, aber ich fürchte diese Leute pellen sich ein Ei darauf.

In einem Fall hat bei mir ein sehr aufgebrachter Anruf morgens um halb sieben zu einem schnellen Erfolg geführt, ich bin aber nicht sicher, ob das reproduzierbar ist. Da ging es um 302-Highjacking und der “Beschuldigte” war sich gar keiner Schuld bewusst.

Manchmal sollen Hinweise an den Provider helfen – unser Provider würde uns vermutlich umgehend und zurecht die langjährige Freundschaft kündigen. Wie das anderswo aussieht ist ungewiss.

Da Scraper auf das schnelle Geld über Suchmaschinen (bevorzugt Google) setzen, ist eine gute wenn auch etwas aufwendige Waffe ein DMCA-Antrag. Google reagiert auf begründete Anträge offenbar relativ schnell. Ich habe das allerdings nie selbst ausprobiert, die Information beruht also auf Hörensagen.

Abmahnungen? Sie würden möglicherweise bei hierzulande ansässigen Scrapern funktionieren, aber man braucht einen fähigen Rechtsanwalt und die Lust sich solchen Auseinandersetzungen zu stellen.

Wie man heraus bekommt, wer überhaupt hinter einer Scraper-Seite steht, hat Claudia ja schon bestens beschrieben – die Stichworte lauten denic und die verschiedenen whois-Dienste.

Weblinks:

1 Kommentar zu Diebstahl in der Gartenblogosphäre

  • Passt zum Thema: Ich erhielt gerade eine Mail von Johanna. Sie hat unser Blog entdeckt und weil wir so dolle Blogger sind, möchte sie, dass wir bei der Beta-Version von Paperblog mitmachen. Paperblog wird dann alle unsere Artikel auch dort auf ihrer Seite veröffentlichen. Super, oder ;-)

    Weil wir dieses Thema hier gerade aktuell ist, habe ich mir mal deren AGB etwas näher angesehen – echt interessant:

    2.2 Die Rechteübertragung umfasst insbesondere das nicht ausschließliche, weltweite, zeitlich unbeschränkte Recht, die Inhalte vollständig oder teilweise, zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen sowie das Bearbeitungsrecht, insbesondere für Übersetzungen und Kürzungen der Inhalte. Dies gilt für alle technischen Formate und für sämtliche Datenträger und Übertragungswege.

    oder

    2.6 Gemäß Artikel L 121–4 des französischen Gesetzes zum Geistigen Eigentum kann der Blogger der PaperBlog das Recht entziehen, seine Inhalte zukünftig zu nutzen. Der Rückruf der Rechte wird einen (1) Monat nach Bekunden dieses Wunsches seitens des Bloggers wirksam und kann zur Folge haben, dass die PaperBlog Schadensersatz vom Blogger für den ihr durch den Rückruf des Inhalts entstandenen Schaden einfordert.

    und natürlich

    5. Diese Vereinbarung unterliegt französischem Recht. Die Parteien vereinbaren die ausschließliche Zuständigkeit der Pariser Gerichte für Streitigkeiten aus dieser Vereinbarung.

    Nö, hab’ uns dort lieber nicht angemeldet ;-)

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