Vuvuzela – eine Tröte spaltet die Welt

Manchmal stehe ich Modeerscheinungen etwas skeptisch gegenüber. Und bei Fußball verstehe ich schon mal gar keinen Spaß! Andererseits versuche ich, auch dem abgedrehtesten Trend erst mal seine Chance zu geben. Und natürlich achte ich die Tradition anderer Gesellschaften.

Gut, Modeerscheinungen hin, Traditionen her, ich finde es höchst nervig, täglich drei mal neunzig Minuten mitten in einem Bienenstock zu verbringen. Da ich die Spiele der WM aber nebenbei während der Arbeit verfolge, kann ich den Ton des Fernsehers auch nicht ganz abschalten. Deshalb habe ich mich eben mal etwas umgehört, was es mit dieser südafrikanischen Vuvuzela-Tradition eigentlich auf sich hat und ob man da wirklich uneingeschränkt tolerant sein muss.

Kudu Horn

Kudu Horn (Foto: Olve Utne, siehe Bildnachweis)

Offenbar gibt es in Südafrika tatsächlich die Tradition, zu bestimmten Anlässen, wie dem Beginn von wichtigen Ereignissen, in ein Horn zu blasen, das aus dem Geweih einer Kudo-Antilope gemacht wird.

Von einer Tradition des 90-minutigen Dauertutens in der Lautstärke eines startenden Düsenjets ist in der südafrikanischen Geschichte aber erst seit dem Jahr 2001 die Rede. Damals begann die südafrikanische Firma Masincedane Sport damit, massenweise Plastik-Vuvuzelas unter die Leute zu bringen.

Im Gegensatz zur hiesigen Berichterstattung scheint die Vuvuzela in Südafrika durchaus umstritten zu sein. Schon 2005 bezeichnete der prominente südafrikanische Sportjournalist Jon Qwelane die Vuvuzela als ein “instrument from hell, das ihn bewogen hatte, nicht mehr ins Stadion zu gehen. Auch der Experte für traditionelle Musik Espi-Sanchis ist nicht begeistert: “On television all you can hear is those rhythms mixing into a grey drone of the B-flat and that’s what millions of people will be hearing during this World Cup. That is really what hurt me as a musician … that is not Africa“.

Die Diskussionen, die zur Zeit unter einem interessanten Bericht in der Zeitung Mail & Guardian laufen, ergeben ebenfalls ein durchwachsenes Bild. Um noch kurz zum eigentlichen Thema dieses Blogs zurück zu kehren, hier ein Zitat aus eben dieser Diskussion von Davy Boy:

Want to make big noise, fail to achieve anything but to create a nuisance? Join SA Politics or buy a vuvuzela today. I bought one and it makes an excelent piss lilly in the garden.

Was mit dem Begriff “piss lilly” gemeint ist, kann man übrigens im südafrikanischen “Glossary of Military Terminology and Slang” nachlesen.

Bildnachweis:

Das Foto des Kudu-Hors wurde von Olve Utne aufgenommen und von ihm unter einer Creative Commons Lizenz in der englischsprachigen Wikipedia veröffentlicht. Es zeigt ein Kudo-Horn, das von jemenitischen Juden als Schofar genutzt wurde.

Weblinks:

3 Kommentare zu Vuvuzela – eine Tröte spaltet die Welt

  • Ja, das kann echt nervig sein, mit den Vuvuzela´s.

    Es wird ja schon immer in Fußballstadion lärm mit den verschiedensten Geräten gemacht. Die einen nehmen Trommeln, andere verwenden Signalhörner mit angeschlosser Luftdose.

    Aber die Vuvuzela´s sind wohl auch ein wenig die nervigsten

  • Irgendwie sehe ich das auch so wie dieser Espi-Sanchis. Dieses monotone Dauergetröte entspricht überhaupt nicht meiner (wohl etwas folkloristischen) Vorstellung von afrikanischer Lebensart. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich da mit der Zeit irgendwelche interessanten rhythmischen Spielarten entwickeln. So monoton wie jetzt finde ich es jedenfalls höchst nervig.

  • The vuvuzelas are infuriating, I was on the United States match and the noise that comes from this horns is disturbing. Maybe they should not prohibit them, but at least make it sound a little lower and yes, they do sound like elephants on the stadium.

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