Überfall

Wie nicht anders zu erwarten ist der Überfall in Deutschland genau geregelt, nämlich in Paragraph 911 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Dort steht schon seit mehr als hundert Jahren:

Früchte, die von einem Baum oder einem Strauche auf ein Nachbargrundstück hinüberfallen, gelten als Früchte dieses Grundstücks. Diese Vorschrift findet keine Anwendung, wenn das Nachbargrundstück dem öffentlichen Gebrauch dient.

Die Sache scheint also erst einmal ziemlich klar zu sein. Fallen Früchte aus Nachbars Garten auf mein Grundstück, dann gehören sie mir. Fallen meine Früchte auf ein Nachbargrundstück, dann kommt es darauf an, was das für ein Nachbargrundstück ist. Fallen die Früchte auf eine öffentliche Straße, dann gehören sie trotzdem mir. Fallen sie auf ein fremdes Privatgrundstück, dann gehören sie dem, dem sie gehören würden, wenn sie dort gewachsen wären (Eigentümer, Pächter etc.).

Super, und wieso hört man immer wieder von Streitereien unter Nachbarn zu diesem Thema? Wir hatten so etwas noch nicht, aber wenn man die Kommentare zu § 911 BGB liest, dann merkt man, dass es Situationen gibt, die man kaum vorhersehen kann. Ich habe zwar keine Ahnung von Rechtsfragen, aber hier ein paar Beispiele, die ich in verschiedenen Kommentaren gefunden habe:

  • Solange die Früchte von meinem Baum noch nicht auf den Boden gefallen sind gehören sie noch mir. Dann darf ich doch rüber gehen und meine Früchte ernten? Nein, das darf ich nur mit Einwilligung des Nachbarn.
  • Der Nachbar muss mir diese Einwilligung aber doch wohl geben? Nein, muss er nicht.
  • Und wie soll ich dann meine Früchte ernten? Ich besorge mir einen langen Obstbrecher und ernte sie von meinem Grundstück aus, das ist offenbar erlaubt.
  • Darf der Nachbar meinen Baum (oder die Äste) schütteln, damit die Früchte herunter fallen? Nein, darf er nicht.
  • Was ist, wenn ich den Baum schüttle und es fallen Früchte auf das Grundstück des Nachbarn? Dann gehören sie ihm.
  • Was ist, wenn die Grenze abschüssig ist und es rollen Früchte zum Nachbarn hinüber? Dann gehören sie ebenfalls ihm.
  • Und wenn sie erst auf mein Garagendach fallen und dann zum Nachbarn hinüber rollen? Menno, jetzt reicht’s aber hin!

Wenn man dann auch noch die Urteile mit einbezieht, die Aufgrund von § 911 BGB gefällt wurden, wird es noch viel komplizierter. Darauf verzichte ich jetzt aber lieber mal. Eigentlich wollte ich auch noch etwas zu § 910 BGB (Überhang) wissen, aber mir schwirrt jetzt schon der Kopf von dem rechtlichen Hin und Her.

Ach ja, es ging hier um das deutsche BGB. In Österreich und der Schweiz sieht die Sache zum Teil deutlich anders aus!

Siehe auch:

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3 Kommentare zu Überfall

  • Es scheint ja wirklich alles genaustens geregelt zu sein. Ich finde es manchmal einfach absurd, wie sehr sich Nachbarn wegen einer Lappalie in die Haare kriegen. Es gehört meiner Meinung nach zu einem guten Nachbarschaftsverhältnis, dem Nebenmann zu erlauben, seine Früchte zu ernten und dafür auf das Grundstück zu gehen. Wer sich bei solchen Dingen querstellt, hat im Leben wohl nichts besseres zu tun.

  • Hallo Heiner,

    Tja, die Früchte und die lieben Nachbarn. Ein eigenes Kapitel ;)
    Schau Dir mal an. Auch eine Art von “Obstverwertung”. *g*

    Beste Grüße
    Henry

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