Fremde Möhren ernten


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Das da oben ist die Satellitenaufnahme von unserem Heimatort. Rund um den See herum wohnen vorwiegend zugezogene Bürger, die häufig wenig Bezug zur Landwirtschaft haben. Nordwestlich davon liegt der alte Ort, in dem auch wir wohnen.

Wieso erzähle ich das? Ich habe etwas Erfahrungen mit dem kommerziellen Anbau von Gemüse. Im Zusammenhang damit habe ich leider auch einige Erfahrung mit dem gelegentlich sehr schrägen Eigentumsbegriff von Leuten, die der Landwirtschaft nicht so nahe stehen. Wenn ich dann auch noch sowas lese könnte ich glatt ausrasten!

Ich will hier gar nicht davon anfangen wie bescheuert ich es finde, Früchte vom Feld zu klauen, ohne die geringste Ahnung zu haben wann und womit diese Früchte zuletzt gespritzt wurden. Oder wie ich es finde, dabei auch noch die Kinder mitzunehmen, um ihnen gleich mal zu zeigen, dass es nicht so schlimm ist, Bauern zu beklauen – Bauern haben doch genug davon. Hey, Supermärkte oder Banken haben auch genug davon…

Jedem einigermaßen klar denkenden Menschen muss doch klar sein, dass der Bauer den allergrößten Teil des Wertes seiner Ernte längst ausgegeben hat um diese Ernte zu erzeugen. Wenn man etwas davon klaut, dann klaut man es von dem kleinen Rest, der seinen Gewinn ausmacht.

Aber das Schlimmste sind die Schäden, die von solchen Aktionen ausgehen. Möhren werden zum Beispiel mit einer großen Maschine geerntet, die zunächst den Boden lockert und die Rübe dann am Kraut aus dem Boden zieht. Ich schätze mal, dass mit jedem geklauten Kilo Möhren ein weiterer halber Zentner im Boden bleibt, weil die Pflanzen beschädigt wurden.

15 Kommentare zu Fremde Möhren ernten

  • Divine

    aber schon in der Bibel steht, daß ein kleiner Teil für die Armen sein soll! So geizig sollte man nicht sein, daß man denen nicht mal ein paar Reste gönnt! Es sieht ja gerade so aus, als würden ganze Felder leergeräumt ;-)

    • Huch, steht da wirklich, dass man sich den kleinen Teil selbst nehmen soll? Wenn das so ist, komme ich natürlich gerne demnächst mal in Deinem Garten vorbei und nehme mir einen kleinen Teil ;-)

  • Mailin

    Moin

    Divine, im Supermarkt reißt ja auch keiner eine Packung Möhren auf und nimmt sich eine raus. Ich denke, es spricht nichts dagegen, einfach beim Bauern zu klingeln und zu fragen und schon ist alles O.K.

  • Ich glabue Heiner, du hast mein Posting nicht ganz korrekt gedeutet. Ich habe, was ich damit sagen wollte, noch einmal verdeutlicht.

    http://neulichimgarten.de/blog/dies-und-das/nachtrag-zu-ich-bin-ein-krimineller-und-habe-es-nicht-einmal-gewusst/

    Es ging mir einzig und alleine um das Wissen und die Entwicklung unserer Kinder.

    Gruss RR

    • Hallo Ralf, ich glaube eigentlich nicht, dass ich Dein Posting falsch verstanden habe. Du schreibst, dass Du Dir nicht verbieten lässt Möhren aus der Erde zu ziehen oder Maiskolben aus den Pflanzen zu brechen oder Zuckerrüben zu klauen. Darauf habe ich mich hauptsächlich bezogen.

      Ich glaube Dir natürlich, dass ihr dabei vorsichtig vorgeht um nichts zu zerstören. Leider führt diese Grundeinstellung aber trotzdem dazu, dass die Kinder keine Hemmungen haben später mit ihrer ganzen Geburtstagsgesellschaft mitsamt mehrerer Hunde durch die Gemüsefelder zu rauschen, weil sie denken, das sei normal. (Habe ich selbst mehrfach erlebt!) Und glaube mir, dabei geht sehr viel kaputt.

  • Mailin

    RR, man kann seinen Kinden die Natur, wie z.B. Ähren und Getreide, auch erklären, ohne die Pflanzen abzureißen. Ganz wichtig für unsere Kinder ist Wertschätzung und Wertevermittlung. Dazu gehört auch, nichts mitzunehmen, was einem nicht gehört. Meine Eltern haben mit uns Kindern früher oft auf den Feldern nachgesammelt, aber wir haben beim Bauern vorher IMMER gefragt. Wenn sich jeder ungefragt beim Bauern vom Feld bedient, können wir uns auch ungefragt in sämtlichen Gärten der Nachbarschaft bedienen. Ich komme gerne mal bei dir vorbei und schneide mir einen schönen Strauß Blumen ;-) Bitte sag mir, was so schlimm daran ist, den Bauern zu fragen.

    lg Mailin

  • Hallo Mailin

    Weil es einfach laecherlich ist, wegen zwei Aehren den Bauern zu fragen. Weil es einfach laecherlich ist, eine Ruebe nicht mitzunehmen die sonst nur vom naechsten Traktor zermalmt wuerde usw. Ihr seid aber herzlich eingeladen, euch in unserem Garten zu bedienen. Wir schluerfen dann einen leckeren Holunderlikoer (gesammelt am Waldrand bestimmt von einem Grundstueck welches irgend jemandem gehoert :) ) und diskutieren die Sache zu Ende.

    Bis es so weit ist, sende ich dir schon mal wenigstens ein Bild von unseren Blumen.

    http://bobelo.de/blumenausunseremgarten.jpg

    Schoenen Gruss RR

  • “Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft.

    Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört«.”

    Jean-Jacques Rousseau

    Besondere Betonung auf dem letzten Satz:
    “Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört.”

    • Hmm, ich habe immer etwas Schwierigkeiten damit, die Erkenntnisse von Philosophen in die Praxis umzusetzen. Vielleicht kannst Du mir da ja helfen. Ich gebe mal ein Beispiel vor:

      Wenn man in der Nähe unseres oben genannten Sees Möhren anbaut, dann muss man davon ausgehen, dass auf den äußeren 10/15 Metern des Feldes einen Verlust von freundlich geschätzt 25 Prozent durch platt getretene Pflanzen zu erwarten ist.

      Hat Rousseau wirklich gemeint, die Früchte gehören allen und dürfen deshalb von allen nach Herzenslust zerstört werden? Hat er wirklich gemeint, man soll hemmungslos halbreifen Mais ernten um ihn anschließend wegzuschmeißen, weil man nicht wusste, dass Futtermais nicht süß ist?

      Ich glaube, da tust du ihm Unrecht, denn soweit ich mich erinnere hatte Rousseau eine sehr dezidierte Meinung zur Verschwendung. Er hielt sie für “blödsinnig und damit schon dreifach verdammt“.

      • Das hat Rousseau natürlich nicht gemeint, wie du schon selbst schreibst. Daher verstehe ich auch nicht, warum du mir das so unterschieben willst.

        Von dieser Art der Verschwendung habe ich nie geredet. Von dieser Art von Verschwenung hat auch rrhase niemals geschrieben. Ganz im Gegenteil, redet er davon, die Verschwendung der Bauern zu verhindern, wenn sie Rüben einfach liegen lassen.

        Aber wenn wir schon bei dem Thema sind, können wir ja mal drüber reden, wie 99% aller deutschen Bauern den Boden nachhaltig mit Gift und Kunstdünger zerstören. Mit riesigen Monokulturen unser gesamtes Ökosystem schädigen. Und uns damit allen auf dauer die Lebensgrundlage nehmen.

        Wenn ihr wirklich 25% Verlust habt (das ist ein viertel, falls wir in Mathe aufgepasst haben), dann habt ihr ein Touristenproblem. Bei der Menge gibt es zwei einfache Lösungen:
        a) Zaun ziehen (lohnt sich wenn deine Angaben stimmen schon)
        b) Die offensichtlich neugierigen und Natursuchenden Touristen einbeziehen. Ein “Touristenfeld” eröffnen, auf dem sie mitarbeiten dürfen und sollen. Sie mit Festen und Arbeitseinsätzen in das Bauernleben einbeziehen.

        Frei nach dem Motto: Verkaufe einem Menschen eine Rübe und du machst ihn satt für einen Tag. Bring ihm bei wie viel Arbeit und Liebe (hoffentlich) in der Rübe steckt und du gibst ihm Respekt vor seiner Nahrung für den Rest seines Lebens.

        Was als einziges nicht hilft ist, die Menschen zu kriminalisieren und dann rumzujammern das alle Welt so schlecht zu den Bauern ist.

        Ganz abgesehen davon halte ich deine Zahlen für extrem übertrieben. Ich wohne sogar in einem explizitem Touristenort und hier sind die Felder direkt am Stadtrand. Selbst ein Sonnenblumenfeld direkt neben dem Marktkauf hat praktisch keine sichtbaren Verluste und wenn dann nur maximal 2Meter zum Rand. Die Menschen kaufen lieber die Sonnenblumen im Marktkauf, als sich die Finger schmutzig zu machen und sie vom Feld zu holen.

        • Naja, Du wirfst diesen Satz in die Runde:

          > Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört.

          Da versuche ich natürlich heraus zu bekommen, was Du damit sagen willst. Im aktuellen Zusammenhang schloss ich daraus, dass Du meinst, es gäbe eine Art moralisches Recht, sich die “allen gehörenden” Früchte von Feld einfach zu nehmen. Dem widerspreche ich hier schon die ganze Zeit und ich wollte darauf hinweisen, dass auch Rousseau etwas völlig anderes gemeint hat.

          Was mich so erregt ist die Tatsache, dass es offenbar für viele in Ordnung ist, sich ungefragt Früchte vom Feld anderer Leute zu nehmen, dass es aber für die selben Leute ein übles Vergehen ist, wenn andere Leute sich ungefragt etwas aus ihrem Garten oder aus ihrer Wohnung nehmen. Der passende Begriff dafür lautet “Doppelmoral”!

          Und wie Ines so schön im letzten Satz ihres Kommentars zu Ralfs Artikel schreibt – es geht nicht um den Verlust einzelner Möhren. Es geht um die “Menge der Personen und deren Ignoranz, die den Landwirten den Kamm schwellen lassen“.

  • @Permakulturblog: Schon mal gesehen, was der laufende Meter eines stabilen Zauns kostet und dann mal nachgemessen wieviel laufende Meter für ein Feld mit Fundamenten, sagen wir 1 ha quadratische Grundfläche benötigt werden? Richtig 400 Meter werden bereits in diesem optimistischen Beispiel benötigt.

    Erste Bauern versehen hier ihre Zäune übrigens bereits mit Elektrozäunen – nein nicht gegen das Wild sondern gegen die Hunde die ihnen die Felder vollkacken. Lieber ein mineralische Dünger auf dem Feld, als Krankheitserreger aus Hundescheiße in meinem Essen!

    Was die weitere Art der Bewirtschaftung angeht – nunja, es ist nun mal gesetzlich nicht verboten. Da hilft nur ganz viel Überzeugungsarbeit und die Zahl der nachhaltig wirtschaftenden Biobauern nimmt durchaus zu – aber das ist ein ganz anderes Thema und in diesem Zusammenhang völlig off-topic! Egal was man von der Art der Bewirtschaftung hält, selbst der Verstoß des Einen gegen die Aufforderung: “Macht euch die Erde untertan” was nicht heißt “versklavt sie” kann niemals ein Grund für DIEBSTAHL und Missachtung anderer Leute Arbeit durch Andere sein.

    Neben den vielen Beispielen, die ich in meinem Blog aufgezählt habe hier noch ein weiteres: Vor zwei Jahren hatten wir eine Parzelle (offenes Feld) zur Gemüseselbsternte bei einem Biobauern. Dort verschwanden alleine von unserer Parzelle (es gab knappe 50) während der Saison diverse Salate, Kohlköpfe und sämtliche Hokkaidos. Salat kann man nachpflanzen – Kürbis Ende September nicht mehr! Neben 170 € Pacht steckten da gut 200 Stunden Arbeit drin. Das sind nichts anderes als ganz gewöhnliche Diebe. Dafür gibt es keinerlei moralische Rechtfertigung. Entweder fragt man oder lässt die Finger weg von fremden Eigentum!

  • Ehler

    Das Thema lautet doch Diebstahl oder? Da brauche ich nicht in die Philosophie abzudriften.Jeder noch so kleine Eierdieb findet eine Rechtfertigung für sein Handeln.Es hat auch was von Größe,den Umweg über den Bauernhof zum Bauern zu gehen.Wir können uns aber vieleicht auch mal die Frage stellen,ob solch ein Handeln auch etwas mit Bequemlichkeit oder Null Arsch in der Hose zu tun haben könnte. In diesem Sinne:wie mein alter Tanzlehrer immer meinte:alte Schule Howard Carpendale.
    P.S. Der Garten-Blog gefällt mir.

  • Yomugasuki

    Hallo zusammen, um es vorneweg zu sagen – ich habe auch schon mal zu Anschauungszwecken ein paar Hälmchen vom Getreideacker geerntet und mir dabei bisher nichts weiter dabei gedacht. Aber die Gedanken von Heiner kann ich beim Lesen irgendwie nachvollziehen. Zwar bringt 1 Möhre ernten oder 2 Hälmchen abbrechen an sich sicherlich keinen großen Verlust, aber … wenn das jeder macht, dann bleibt es eben nicht bei dieser 1 Möhre oder den 2 Getreidehalmen. Und man muss in der Realität wohl auch damit rechnen, dass nicht jeder es gutmeinende “Dieb” auch achtsam bei der Ernte ist.
    Insofern regt mich dieser Beitrag doch eher zum Nachdenken an, als dass ich mich darüber aufrege, dass ein Landwirt sich wegen der paar Möhrchen oder Hälmchen so haben kann. Und wenn ich zukünftig vorher nachfrage, dann kann ich gleich noch einen zusätzlichen Wert vermitteln, nämlich den der Wertschätzung von fremdem Eigentum.

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