Mitochondrien

Es kommt nicht besonders häufig vor, dass bei Rivva (meinem bevorzugten News-Aggregator) mal ein Thema aus der Biologie weit vorne landet. Heute Morgen hat das ein Artikel geschafft, bei dem es um Mitochondrien geht.

Die Geschichte ist schnell erzählt – bisher nimmt man an, dass sich auch auf anderen Planeten außerhalb der Erde leicht Leben entwickelt haben könnte. Dass sich aus diesen sehr einfachen Lebensformen später auch komplexe Zellen und dann sogar intelligentes Leben entwickeln könnte, wird als mehr oder weniger selbstverständlich angenommen. Nick Lane vom University College London und Bill Martin von der Universität Düsseldorf bezweifeln das nun. Sie halten es nicht für möglich, dass komplexe Zellen ohne Mitochondrien überleben können. Dass auch anderswo Zellen andere Zellen aufgenommen haben, um mit ihnen eine Symbiose einzugehen, halten sie offenbar für einen einmaligen Vorgang, der nur auf der Erde stattgefunden hat.

Ahja, interessant, aber was waren noch mal Mitochondrien? Mitochondrien sind kleine bohnenförmige Gebilde, die in den Zellen von fast allen Eukaryoten (Pilze, Pflanzen, Tiere) massenhaft vorkommen. Sie erledigen in den Zellen lebenswichtige Aufgaben. Unter anderem sind sie für die Bereitstellung der riesigen Energiemengen zuständig, die so eine Zelle zum Überleben braucht. Das könnte der Grund dafür sein, dass kein einziger meiner Biologielehrer in der Lage war, das Wort Mitochondrien zu sagen, ohne “die Kraftwerke der Zelle” anzufügen.

Das wirklich interessante an den Mitochondrien ist aber, dass sie von einer eigenen Doppelmembran umgeben sind, dass sie eigenes Erbgut besitzen und dass sie sich sogar unabhängig von der Mutterzelle vermehren. Mitochondrien sind sozusagen eigene kleine Lebewesen, die in Symbiose mit unseren Zellen leben. Man geht deshalb davon aus, dass die Mitochondrien aus parasitären Bakterien (z.B. Rickettsien) entstanden sind, die irgendwann keine Lust mehr hatten andere Zellen krank zu machen und sich lieber mit ihnen zusammen getan haben um die Welt zu erobern.

Obwohl dieses Techtelmechtel zwischen Eukaryoten-Zelle und Mitochondrien in der Vergangenheit zweifellos ziemlich erfolgreich war, hätte ich als Mann doch noch einen kleinen Kritikpunkt. Die menschliche weibliche Eizelle enthält einige hunderttausend Mitochondrien, während das männliche Spermium knapp hundert Mitochondrien enthält. Dazu kommt auch noch, dass die männlichen Mitochondrien in der befruchteten Eizelle meist als unerwünscht angesehen und schnell abgebaut werden. Ist das denn gerecht? Das hat zur Konsequenz, dass Geschwister (fast) immer die gleiche Mitochondrien-DNA besitzen und zwar die der Mutter. Mutterlinien lassen sich mit Hilfe der Mitochondrien-DNA über Jahrtausende zurück verfolgen, Vaterlinien verschwinden schon nach wenigen Generationen im Nebel der Geschichte.

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