Verpixelt

Gestern hat Google weitere deutsche Städte in Google Streetview aufgenommen, unter anderem war auch Bremen dabei. Und natürlich waren in der ersten Straße, die ich mir dort angesehen habe, mehrere Häuser verpixelt.

Ich persönlich staune immer noch über unseren ausgeprägten Hang zur Privatsphäre – und das in einem Land, das seiner Regierung gerade (weitgehend widerspruchslos und im Widerspruch zur eigenen Verfassung) erlauben wollte, jegliche Telekommunikationsverbindungen für mindestens ein halbes Jahr zu speichern. Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr staune ich…

Egal. Was mich jetzt allerdings wirklich in Rage bringt, ist folgende Aussage des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar:

“Es kann nicht sein, dass dritte Personen die Entscheidung von Hausbesitzern gegen eine Darstellung ihrer Wohnsituation bewusst ignorieren und über den Fotodienst Panoramio Ansichten von verpixelten Häusern anfertigen…”

Entschuldigung, aber geht’s noch? Soll ich das so verstehen, dass Caspar jetzt die Panoramafreiheit außer Kraft setzen will, wenn ein Hausbesitzer bei Google einen Verpixelungsantrag gestellt hat?

Wir veröffentlichen hier relativ viele Fotos. Erwartet der Hamburger Datenschutzbeauftragte jetzt etwa, dass ich jedes Mal nachsehe, ob im Hintergrund irgendwo ein Haus zu sehen ist, dass bei Google Maps verpixelt ist? Ich habe annodunnemals ein paar Fotos nach Panoramino hoch geladen. Auf mehreren sind Häuser und auf allen ist Privatbesitz zu sehen. Möchte Herr Caspar, dass solche Fotos jetzt etwa auch noch (wie jetzt schon Fotos von Weihnachtsmärkten) verboten werden?

Weblinks:

3 Kommentare zu Verpixelt

  • tnitsche

    Mich ärgert in diesem Zusammenhang etwas, dass man anscheinend als Vermieter keinen Einfluss hat bei Verpixelung, die offensichtlich von Mietern beantragt wurde. Wir haben ein kleines Mietshaus und ich hätte nichts dagegen, dass im Falle von Neuvermietung potentielle Interessenten vorher einen Blick auf das Objekt werfen können – das spart im Zweifelsfall Zeit und Geld. Na ja, und als ich gestern in Street View unser Haus gesucht habe, war da auch nur der Pixelbrei zu sehen. Schade!

    • In diesem Fall kommt noch dazu, dass die Datenschutzbeauftragten durchgesetzt haben, dass auch die Originalaufnahmen verpixelt werden müssen. Es gibt also keine Möglichkeit die Verpixelung rückgängig machen zu lassen.

      Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, ich kann nachvollziehen, dass es Gründe geben kann, die eigene Wohnsituation nicht öffentlich zu machen.

      Allerdings darf das nicht dazu führen, dass die Panoramafreiheit noch weiter ausgehöhlt wird. Denn dann wäre es nämlich nur noch ein kleiner Schritt, bis man für die Veröffentlichung eines Neuschwanstein-Fotos Lizenzgebühren an den Freistaat Bayern anführen müsste.

  • …parallel dazu bekommen wir einen Personalausweis, den man über Funk auslesen kann. Da hat der oben zitierte Johannes Caspar übrigens kein Problem mit, darauf weist er in der Pressemitteilung über den neuen Ausweis noch nicht mal hin:
    http://www.datenschutz.de/news/detail/?nid=4582

    Ich möchte den RFID-Chip auf dem neuen Ausweis gerne verpixeln lassen, wo kann ich das tun?

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