Schönen Sonntag

Ich liebe unser gemütliches Frühstück am Wochenende! Die selbst gebackenen Brötchen duften, ebenso der frisch gebrühte Kaffee. Der Backofen strahlt noch mollige Wärme aus und die Zeitung liegt bereit, um in aller Ruhe von vorne bis hinten durchgeackert zu werden.

Seit ein paar Wochen hat diese Idylle einen empfindlichen Knacks bekommen!

Sonntags las ich bisher immer gerne die Familien-Kolumne “Schönen Sonntag” von Sören Sieg auf der Titelseite des Weserkurier. Aus Gewohnheit mache ich das immer noch, aber es nervt! Seit Wochen besteht diese Kolumne nur noch aus Werbung für ein Schnellfressgericht von “Kraft Foods”. Weiß der Mann eigentlich, was er den Geschmacksnerven seiner Kinder antut, wenn er ihnen jeden Dienstag so etwas serviert?

Und muss man Werbung nicht als solche kennzeichnen? Klar muss man das! Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ist da sehr eindeutig. In Paragraph 4 (3) steht: Unlauter handelt, wer (…) den Werbecharakter von geschäftlichen Handlungen verschleiert.

More Parmesän

Symbolfoto der Parmesan-Kolumne vom 14.11. (Quelle: Weserkurier)

Ich fand ehrlich gesagt schon die erste Miracoli-Kolumne am 7. November (“Der Miracoli-Krieg”) höchst fragwürdig – es ging darum ob 17 Gramm Parmesan in so einer Packung ausreichend sind. Eine Woche später ging es darum eine Petition für mehr Parmesan an “Kraft Foods” zu richten (“Die Parmesan Petition”). Am 21. November handelte die Kolumne dann von der überwältigenden Beteiligung an der Parmesan-Petition (“Parmesan 21″). An diesem Tag bezogen sich alle (in Worten ALLE) Leserbriefe im gedruckten Weserkurier-Leserforum auf die Parmesan-Petition. Die Kolumne von 28. November habe ich nicht mehr gelesen, da hat mir schon der Titel voll und ganz gereicht (“No pasarán – more Parmesán!”).

Ich hoffe, der Weserkurier oder Sören Sieg wollen mir nicht allen Ernstes erzählen, dass es diese Häufung von Miracoli ohne einen Anreiz seitens der Firma “Kraft Foods” auf die Titelseite der größten Bremer Tageszeitung geschafft hat. Mal abgesehen davon, dass Schleichwerbung verboten ist, hat dieser Quatsch mein Vertrauen in den redaktionellen Teil des Weserkurier auf eine harte Probe gestellt. Meine Güte ist das peinlich, es gruselt mich schon vor dem kommenden Sonntag…

Ach ja, und wie viel Parmesan ist noch mal in den Miracoli-Packungen? 17 Gramm? Falsch! In den Miracoli-Packungen ist überhaupt kein Parmesan, sondern ein Käse unbekannter Herkunft mit dem “Kraft Foods”-Phantasienamen Pamesello.

Weblinks:

  • Auf der Facebook-Seite der “Parmesan 21 Bewegung” gibt es die Miracoli-Kolumnen noch einmal im Wortlaut.

11 Kommentare zu Schönen Sonntag

  • Mailin

    Ich frage mich, warum der gute Mann nicht einfach echten Parmesan dazu kauft. Dann sind die Kinder glücklich, hätten auch noch ein kleines Geschmackserlebnis und den Platz auf der Titelseite hätte man mit netteren Geschichten füllen können.

  • Ehler

    Lieber Heiner!Ich bin diesbezüglich was die Werbung angeht deiner Meinung,Aber gibt es eigentlich noch die Küchenmaschinen von Kenwood?Wenn ja.wo ist da der Unterschied!Der scheint wohl nur darin zu bestehen, weil uns der Weser-Kurier fast 4 Wochen zugetextet hat. P.s.schlage vor wir vertiefen das Thema zwischem dem 3.bis7.Glas Glühwein am Sonntag.Mit hausfraulichem Gruß.Ehler.

    • Lieber Ehler, es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Werbung und Schleichwerbung. Dieser Unterschied ist (wie oben schon geschrieben) in §4 (3) UWG geregelt. Ich denke nicht, dass Du hier irgendwo Werbung finden wirst, die nicht klar als solche erkennbar ist!

  • Ehler

    Ok,soweit gebe ich dir Recht.Habe mir das ganze noch mal durchgelesen und unter dem Aspek Schleichwerbung betrachtet.Sofern gebe ich dir Recht.Zum Glück gibt es ja noch andere Themen zwischem dem dritten und siebten Glühwein. Übrigens läuft am So.um 11:05 im Nordwest Radio eine Somoa Reportage im Radio.Sendung heist mare radio.Die Sendung geht bis 13°°

  • Sören Sieg

    Liebe Freunde und Gourmet-Taliban,
    hier spricht der von Kraft Foods bezahlte Schleichwerber und Kolumnist! Ich kann nur sagen: 1. mögen meine Kinder und ich Miracoli. In Eurer Sicht ist schon das ein Verbrechen – okay, daran kann ich nix ändern! Meine Frau sieht das auch so wie Ihr, ich kenne diese Sicht der Dinge also schon. 2. Ist definitiv viel zu wenig geriebener Hartkäse (Synonym im Deutschen: Parmesan) in den Packungen, was unseren Familienfrieden immer wieder auf eine harte Probe stellt. Das war Thema meiner ersten Kolumne. In der zweiten ging es darum, dass die Firma Kraft den Beschwerdebrief meiner Kinder mit einem müden Formbrief beantwortet hat und wir deshalb zum Parmesanprotest aufriefen. Und in der dritten ging es darum, dass ich binnen 24 Stunden über 80 Leserbriefe dazu bekam. 70 davon hatten die Kolumne keineswegs als Schleichwerbung empfunden, sondern teilten unseren Ärger über die Firma Kraft! Der das Ganze ziemlich unangenehm war, wie die hektischen Anrufe einer Kraft-PR-Frau zeigten. Die vierte Kolumne erschien nur noch im Netz, in der gedruckten ging es um etwas ganz anderes!!!!
    Ich persönlich empfinde 3,4 Gramm Pamesello pro Person in der Miracoli-Packung als Kundenveräppelung und habe mich deswegen schon an die Verbraucherzentrale gewandt. Wenn Ihr das alles als Schleichwerbung betrachtet, dann ist auch die fortlaufende Afghanistan-Berichterstattung der taz eine Schleichwerbung für den Krieg! Es tut mir Leid, dass es mir nicht gelungen ist, bei der Kritik an der Miracoli-Packung den Namen Miracoli nicht zu erwähnen. Ansonsten: ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch. Aber diese 5-Stunden-Gerichte mag leider nur meiner Frau!
    Liebe Grüße
    Sören Sieg

    • Hallo Sören, es würde mir natürlich Leid tun, wenn ich mit meinem Schleichwerbung-Verdacht daneben liegen würde – ganz überzeugt bin ich angesichts der massiven Miracoli-Präsenz in der Zeitung ehrlich gesagt nicht. Egal wie es sich verhält, Deiner Kolumne tut es meiner Ansicht nach jedenfalls nicht besonders gut.

      Wie schon geschrieben hatte ich die Kolumne am vergangenen Wochenende nicht mehr gelesen. Ich habe das gerade nachgeholt. Sorry, ich hatte übersehen dass es da zwei Versionen gab. Allerdings enthält auch die Version in der Hardware-Ausgabe des Weserkurier durchaus ihre eindeutigen Hinweise sowohl auf Miracoli als auch auf die Online-Miracoli-Kolumne ;-)

      Nur noch kurz zu Deinem Schleichwerbung-Beispiel: Werbung unterscheidet sich von Berichterstattung durch die Tatsache, dass Anreize im Spiel sind, um den Inhalt zu beeinflussen. Ich persönlich habe absolut nix gegen Werbung! Schleichwerbung unterscheidet sich von Werbung durch die Tatsache, dass die Anreize nicht offen gelegt werden – dagegen habe ich durchaus etwas.

    • Sehr geehrter Herr Sieg,

      schon die erste Zeile ihres Kommentars disqualifiziert sie in meinen Augen hoffnungslos. “Gourmet-Taliban” – “Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.” Sagte Max Liebermann in einem völlig anderen Zusammenhang. Es gibt Analogien, an die kann man kurz denken, sollte sie dann aber einfach besser für sich behalten.

      Zu den letzten Zeilen…
      Zwischen 10 Minuten für ein Fertignudelgericht der Firma Kraft und 5-Stunden-Gerichten liegen auch noch gaaaanz viel Abstufungen – oder ist das auch nur ein wenig gelungenes Stilmittel, wie schon die erste Zeile? Na wie gut, daß ich mich hier nicht über den Weserkurier ärgern muss (dafür gibts hier andere Blätter).

      Auf die “Zwischenzeilen” des Kommentars einzugehen ist meiner Überzeugung in dem Zusammenhang volkommen überflüssig.

      Ich wünsche ihnen und ihrer Familie weiterhin einen guten Appetit mit Analog-Parmesan – ich esse solange echten Parmesan,

      Jan Meißner

  • Die kontextsensitive Werbung hier für fettige brechreizerregende Burger ist in dem Kontext dieses Beitrags mit seinen Kommentaren übrigens ziemlich amüsant! :-)

    • Jupps, die “kontextsensitive Werbung” verliert nicht selten den Bezug zum Kontext ;-)

      Ich arbeite dran, aber ich kann gar nicht so schnell Blödsinn ausschließen, wie neuer Blödsinn dazu kommt…

  • Ehler

    Lieber Sören!Ich denke das Thema sollte nicht über den Tellerrand schwappen Das gibt hässliche Saucenflecke auf dem Hemd.Die Flecken,die auf den Hemden der Menschen im Land der Taliban entstehen sehen anders aus.In sofern finde ich den Begriff Gourmet Taliban nicht besonders Originell.Ansonsten finde ich das Thema sehr spannend,und besonders dieses Forum.m.f.g.

  • Nicht dass das jetzt etwas mit diesem konkreten Thema zu tun hätte, aber beim Weserkurier gibt es offenbar ein grundsätzliches Schleichwerbungs-Problem: Vorwurf: Weser-Kurier täuschte Presserat

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