Radiologischer Notstand?

Vermutlich bin ich nicht der Einzige, der sich über das Hin und Her der EU-Kommission bei den Grenzwerten für japanische Lebensmittel gewundert hat. Da mich mal interessierte, wie es zu so einem Chaos kommen kann, habe ich mir den Ablauf der Ereignisse mal etwas genauer angesehen.

  • Im Dezember 1987 – also kurz nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl – einigte man sich in der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) auf eine Schubladen-Verordnung, die in Kraft treten sollte, wenn es zu einem nuklearen Unfall oder einer anderen radiologischen Notstandssituation kommen sollte. In dieser Verordnung (Euratom Nr. 3954/87) wurden unter anderem Höchstwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln und Futtermitteln festgelegt.

Bis hierher kann ich dem Gang der Ereignisse problemlos folgen. Ich würde auch sofort verseuchte Lebensmittel zu mir nehmen, wenn ich ansonsten verdursten oder verhungern müsste.

  • Nach dem Reaktorunglück in Fukushima setzte die EU-Kommission noch im März die oben genannte Verordnung für Lebensmittel aus etlichen japanischen Präfekturen in Kraft (Siehe die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 297/2011 in Artikel 2 Absatz 3)

Dieses ist jetzt der Punkt, an dem ich nicht mehr mit komme. Was hat sich der Präsident der EU-Kommission gedacht, als er diese Durchführungsverordnung unterschrieben hat? Dachte er, hier in Europa sei der radiologische Notstand ausgebrochen?

Und wieso wurde die Öffentlichkeit nicht wenigstens in einer Presseerklärung über so einen weitreichenden Schritt informiert? José Manuel Barroso erwartet hoffentlich nicht von mir, dass ich jede EU-Verordnung, die er unterzeichnet, im Original lese. Sollte er das doch erwarten, dann erwarte ich in seinen Verordnungen kein blödsinniges Gestammel, sondern Sätze die ich verstehe. Ich zitiere mal den entscheidenden Satz der Durchführungsverordnung 297/2011:

… falls das Erzeugnis aus den Präfekturen Fukushima, Gunma, Ibaraki, Tochigi, Miyagi, Yamagata, Niigata, Nagano, Yama­ nashi, Saitama, Tokio oder Chiba stammt, weist es keine Gehalte an den Radionukliden Iod-131, Caesium-134 und Caesium-137 auf, welche die Höchstwerte überschreiten, die in der Verordnung (Euratom) Nr. 3954/87 des Rates vom 22. Dezember 1987, der Verordnung (Euratom) Nr. 944/89 der Kommission vom 12. April 1989 und der Verordnung (Euratom) Nr. 770/90 der Kommission vom 29. März 1990 festgelegt sind.

Hä? Was ist los? Ach so, die Grenzwerte für japanische Lebensmittel sollen 600 Becquerel auf 1250 Becquerel mehr als verdoppelt werden. Ist doch sonnenklar…

1 Kommentar zu Radiologischer Notstand?

  • Tja, das ist alles kaum mehr nachvollziehbar. Wer weiß schon welche Grenzwerte zu welchen Nebenwirkungen führen? Diese Grenzwerte sind bloß Augenwischerei und Pseudo-Beruhigung. Und wenn es nicht mehr passt, werden sie halt angehoben. Hauptsache die Wirtschaft bleibt am Laufen, egal wie krank man davon wird.
    Aber verückt machen hilft ja auch nicht. Ich denke es kommt darauf an selber Verantwortung zu übernehmen und z.B. zu einem Ökostromanbieter wechseln. Und eigenes Gemüse und Kräuter anzubauen ist sowieso viel gesünder als die hochgezüchtete Schnellernte aus dem Supermarkt.

    Sonnige Grüße vom SunBlogger :-)

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