Flächenkompostierung / Mulchen im Winter

Was genau ist eigentlich Flächenkompostierung? Und wie unterscheidet sich Flächenkompostierung vom Mulchen? Die Meinungen dazu gehen offenbar weit auseinander (zum Beispiel im Forum von garten-pur). Mir persönlich sind solche Spitzfindigkeiten eigentlich egal, ich definiere die Begriffe hier einfach mal so:

  • Beim Mulchen geht es mehr um die Vorteile für den Boden und das Bodenleben.
  • Bei der Flächenkompostierung geht es mehr um die Zersetzung von totem Pflanzenmaterial und die Rückführung der freigesetzten Nährstoffe in den Boden.

Gut. Nach dieser Definition nennt sich das, was wir im Herbst nach und nach mit allen freien Flächen machen Mulchen. Es geht uns dabei nämlich nicht so sehr um die Düngung des Bodens, sondern um seinen Schutz.

Mulchschicht auf einem Winterbeet

Mulchschicht auf einem Winterbeet

Etwa ab Ende September beginnen wir, den täglich anfallenden Mist unserer beiden Pferde nicht mehr auf den Komposthaufen zu bringen, sondern wir bringen ihn frisch auf Flächen, die nicht mehr genutzt werden sollen. Im Gegensatz zu einem offenen Boden bringt das Mulchen nämlich eine Menge Vorteile:

  • Der Boden wird vor der direkten Einstrahlung der Sonne geschützt. Bei offenem Boden trocknet die Sonne die Krümel aus, sie zerfallen und verschlämmen beim nächsten Regen oder sie werden vorher vom Wind weggetragen (Winderosion).
  • Der Boden wird vor Austrocknung geschützt. Auch wenn der offene Boden auf unserem leichten Standort schon völlig trocken und grau ist, findet man unter dem Mulch immer noch einen wunderbar dunklen feuchten Boden. Der Mulch schützt ihn vor zu schneller Austrocknung.
  • Die Kraft der Regentropfen wird gebrochen. Versuch nur dir vorzustellen, was mit einem Krümel deines wunderbar garen Bodens passiert, wenn er von einem Regentropfen aus mehreren hundert Meter Höhe getroffen wird. Im Laufe des Winters werden die Krümel eines offenen Bodens sogar von tausenden Regentropfen getroffen. Sie fallen auseinander und verschlämmen zu einer luftundurchlässigen Kruste.
  • Das Bodenleben wird gefördert. Von jeweils vier Karren frischem Pferdemist bleibt im Frühjahr nur etwa eine Karre übrig. Gut, jetzt im Frühjahr liegt der übrig gebliebene Kompost dichter, aber auch die Tiere, Pilze und Bakterien haben sich ihren Teil geholt. Unter dem Mulch tummeln sich unzählige Regenwürmer. die unermüdlich Material in die unteren Bodenschichten transportieren.
    Dazu kommt noch, dass der Mulch den Boden etwas gegen den Frost isoliert. Untersuchungen haben ergeben, dass der Boden unter Mulch mehrere Grad wärmer ist, als bei offenem Boden. Dadurch hat das Bodenleben im Herbst länger Zeit seiner hilfreichen Beschäftigung nachzugehen.
  • Unkraut wird unterdrückt. Samenunkräuter haben unter einer etwas dickeren Mulchschicht sowieso wenig Chancen sich zu entwickeln, aber auch die Wurzelunkäuter (bei uns vor allem die Quecke und zum Teil auch der Meerrettich) werden durch den Mulch gut zurück gehalten und lassen sich im Frühjahr leichter bekämpfen.
Der Wintermulch muss abgeräumt werden

Der Wintermulch muss im Frühjahr abgeräumt werden

Irgendwo habe ich gelesen, dass mit dem Mulchen auch eine Arbeitsersparnis verbunden sein soll. Ganz kann ich das leider nicht bestätigen, denn der Wintermulch muss im Frühjahr entfernt und auf den Komposthaufen gebracht werden. Wir wollen unseren Garten in den nächsten Tagen fräsen, also gab es hier gestern einiges zu tun. Der wunderbar gare Boden unter dem Mulch entschädigt aber für den Mehraufwand. Ein paar weitere Nachteile, die sich aus dem Mulchen ergeben, sollen natürlich auch nicht verschwiegen werden:

  • Der Mulch selbst kann Unkrautsamen enthalten. Unsere Pferde stehen im Stall auf Gerstenstroh. Vereinzelte Gerstenpflanzen sind in unserem Garten also keine Seltenheiten. Gerste ist nun nicht wirklich schwer zu bekämpfen, aber Mulch kann durchaus auch andere Unkrautsamen enthalten. Bei uns sind das zum Beispiel oft Grassamen (u.a. Queckensamen) aus dem Heu, das die Pferde überall im Stall verteilen. Wenn man Material aus dem eigenen Garten zum Mulchen verwendet, dann sollte man darauf achten, dass keine kranken oder samentragenden Pflanzen und auch keine Wurzelunkräuter dabei sind.
  • Schnecken lieben gemulchten Boden. Eigentlich sorgt ein intaktes Bodenleben dafür, dass Schädlinge und Krankheitserreger eher unterdrückt werden. Schnecken sehen das leider anders. Sie lieben es, wenn sie sich unter einer Mulchschicht verstecken können. Insbesondere im Herbst und Frühjahr findet man unter Mulch oft große Mengen an Schneckeneiern. Zu dieser Zeit liebe ich die Krähenvögel. Sobald man etwas von dem Mulch bewegt, macht sich eine Schar Krähen über das Beet her um Insekten und Schneckeneier zu suchen.
    Auch einige andere Schädlinge wie Drahtwurm, Maulwurfsgrille, oder Engerlinge dürften vom Mulch profitieren.

Gut, mit den Schnecken müssen wir auf andere Art fertig werden. Alles in Allem hat das Mulchen der Beete für uns jedenfalls wesentlich mehr Vorteile als Nachteile.

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1 Kommentar zu Flächenkompostierung / Mulchen im Winter

  • Habt ihr es gut, dass ihr den Mist von eigenen Pferden zum Mulchen (und düngen) nehmen könnt. Das ist ja optimal. Wir versuchen das gleiche mit Gründüngung, Kompost und eventuell etwas Rasenschnitt oder z.B. Bennesselschnitt, Beinwellschnitt etc. zu erreichen. Immer mit der Gefahr sich (noch mehr) Unkräuter in den Gemüsegarten zu holen. VG Brigitta

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