Das Bodenleben

Eine der Erkenntnisse aus unserem Kalk-Artikel war, dass die Aktivität des Bodenlebens stark vom Säuregrad (also dem pH-Wert) des Bodens abhängt. Je höher der pH-Wert, desto wilder treibt es das Bodenleben. Leider führt ein höherer pH-Wert allein aber nicht unbedingt zu einer nachhaltigen Förderung des Bodenlebens. Grund genug sich dieses “Bodenleben” mal etwas genauer anzusehen.

Neben den Wurzeln unserer Kulturpflanzen tummeln sich im Gartenboden noch eine Menge anderer Lebewesen. Das reicht von höheren Säugetieren wie Wühlmaus und Maulwurf über Reptilien, Amphibien, Insekten usw. bis hin zu kleinsten Flechten, Algen, Pilzen und Bakterien.

Bakterien im Boden

In jedem Gramm Boden befinden sich mehrere Milliarden Bakterien, die dort für den Abbau von organischer Substanz und für alle möglichen Umsetzungen von Nährstoffen sorgen. Auf einige der bakteriellen Umsetzungen im Stickstoffkreislauf war ich schon in den Artikeln zum Kalkstickstoff oder zur Hornspäne eingegangen. Auch bei der Umwandlung von Luftstickstoff in pflanzenverfügbare Stickstoff-Formen sind Bakterien maßgeblich beteiligt.

Einige Bodenbakterien können krankmachende Pilze und Tiere infizieren und damit zum Pflanzenschutz beitragen. Auf der anderen Seite können bodenbürtige Bakterien aber auch selbst Pflanzenkrankheiten auslösen (Wurzelhalsgallen, Kartoffelschorf, Aderschwärze an Kohlarten usw.).

Pilze im Boden

Auch Pilze sind in jedem gesunden Boden in großer Zahl vorhanden. Sie sorgen dort wie die Bakterien für den Abbau organischer Substanz und deren Umwandlung in pflanzenverfügbare Formen. Bestimmte Pilzarten können aber auch lebendes Pflanzengewebe besiedeln und dadurch Krankheiten hervorrufen. Gefürchtet ist zum Beispiel der Pilz Phytophthora infestans, der für die Kraut- und Knollenfäule an Kartoffeln und die Braunfäule an Tomaten verantwortlich ist.

Eine wichtige Gruppe von Pilzen sind die Mykorrhiza-Pilze. Diese Mykorrhiza-Pilze umschließen die Wurzeln und dringen zum Teil sogar in sie ein. Die Pilze versorgen die Pflanze mit Nährstoffen. Im Gegenzug versorgt die Pflanzen ihre Mykorrhiza-Pilze mit Kohlehydraten. Es handelt sich dabei also um eine echte Symbiose. Nach neueren Untersuchungen leben mehr als 90 Prozent aller Pflanzen in solchen Lebensgemeinschaften mit Pilzen.

Tiere im Boden

Als Gärtner nimmt man Tiere im Boden schnell als lästig wahr. Maulwürfe zerstören den gepflegten Rasen, Wühlmäuse und Engerlinge knabbern an den Wurzeln der Nutzpflanzen herum und wegen der Nematoden wollen die Kartoffeln nicht richtig wachsen. Natürlich ist das tierische Bodenleben aber sehr viel umfangreicher. Da gibt es einzellige Amöben und Wimperntierchen, Borstenwürmer, Springschwänze, Milben, Asseln, Tausendfüßler, Spinnen oder Ameisen. Gemeinsam sorgen die Tiere für die grobe Zerkleinerung der abgestorbenen organische Substanz.

Eine ganz besondere Stellung unter den Bodentieren nehmen die Regenwürmer ein. Sie fressen die vorher durch andere Bodentiere zerkleinerten organischen Stoffe und verbinden sie in ihrem Verdauungstrakt mit Tonteilchen zu den äußerst nützlichen Ton-Humus-Komplexen. Die kleinen Kotkrümel des Regenwurms sind in der Lage Wasser und Nährstoffe zu speichern und damit gegen Auswaschung zu sichern. Andererseits bleibt das gebundene Wasser und die Nährstoffe aber für Pflanzen verfügbar. Das Vorhandensein von vielen Regenwürmern gilt deshalb als Indikator für einen gesunden Gartenboden.

Das Bodenleben fördern

Um das Bodenleben zu fördern soll ein für den Standort optimaler Säuregrad angestrebt werden. Darüber hinaus muss das Bodenleben aber auch gefüttert werden. Das kann durch regelmäßige Gründüngung, durch Mulchen und durch das Ausbringen von Kompost erreicht werden. Als mineralische Düngung des Bodenlebens kommen Gesteinsmehl oder Tonmehl in Frage.

Schlecht durchlüfteter verschlämmter oder verdichteter Boden schädigt das Bodenleben. Außerdem mögen es die Lebewesen im Boden nicht, wenn der Boden “offen” der prallen Sonne und der mechanischen Kraft der Regentropfen ausgesetzt ist. Unbestellter Boden sollte also schnell mit Mulch abgedeckt oder mit einer Zwischenfrucht geschützt werden.

Wir machen es zum Beispiel so, dass wir die Beete im Herbst einige Zentimeter dick mit frischem Pferdemist abdecken. Dadurch sind sie über den Winter nicht so sehr der Witterung ausgesetzt. Im Frühjahr räumen wir den Mulch grob ab und arbeiten die Reste mit der Fräse in den Boden ein. Wenn es stimmt, dass sich ein gesunder Boden durch viele Regenwürmer auszeichnet, dann scheint diese Methode unseren Bodenlebewesen gut zu behagen.

Mulchen im Winter Mulch abräumen Fräsen im Frühjahr

Bodenbewohner künstlich ansiedeln

Etliche Hersteller bieten wortreich Präparate an, die irgendwelche hilfreichen Bodenlebewesen wie Azotobacter, Mycorrhiza oder “Effektive Mikroorganismen” enthalten. Eine nachhaltige Veränderung der Zusammensetzung des Bodenlebens ist mit deren Anwendung aber meist nicht verbunden. Zumindest nicht, wenn nicht gleichzeitig auch die Lebensbedingungen für die verabreichten Organismen verbessert werden. Kurzfristige Effekte auf begrenzten Arealen sind aber durchaus möglich. Die Nematoden, die wir im vergangenen Jahr gegen Trauermücken eingesetzt hatten, haben schon in kurzer Zeit ihre Arbeit verrichtet.

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