Erste Bodenbearbeitung im Frühjahr

Saatbettbereitung mit der FräseBei diesem Bild unserer Frühjahrs-Bodenbearbeitung wird sich vermutlich die Stirn des einen oder anderen Hobbygärtners in Falten legen.  Deshalb möchte ich mal kurz erklären warum wir die Bodenbearbeitung im Frühjahr so machen, wie wir sie machen.

Unser Garten liegt auf einem relativ leichten Geest-Rücken. Bei der Reichsbodenschätzung wurde er mit ca. 40 Bodenpunkten bewertet  (Näheres siehe hier). Deshalb bearbeiten wir den Boden im Herbst nicht, sondern mulchen ihn unmittelbar nach der letzten Ernte mit frischem sehr strohreichen Pferdemist. Im Frühjahr harken wir die Mulchdecke dann großzügig ab und Fräsen den Boden danach etwa 10 Zentimeter tief.

Ziele unserer Bodenbearbeitung im Frühjahr

Mit der Bodenbearbeitung im Frühjahr möchten wir einige unterschiedliche Ziele erreichen:

  • Bodenlockerung: Pflanzenwurzeln entwickeln sich in einem gelockerten Boden wesentlich besser. Außerdem führt ein lockerer Boden zu einer erheblichen Verbesserung der Mineralisierung der organischen Substanz.
  • Bodenerwärmung: Ein lockerer Boden enthält mehr Luft als ein nicht gelockerter Boden. Da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, erwärmt sich der gelockerte Boden deshalb sehr viel schneller.
  • Einarbeiten von Kompost und Ernterückständen: Eingearbeiteter Kompost mineralisiert besser und fördert das Bodenleben. Abgesehen davon würden der Kompost und Ernterückstände die Saatbettbereitung erheblich stören.
  • Unkrautbekämpfung: Bei der Bodenbearbeitung im Frühjahr werden schon erste auflaufende Samenunkräuter erfasst. Die vegetativen Vermehrungsorgane einiger Wurzelunkräuter werden zwar von der Fräse zerteilt und damit vermehrt, ich hatte aber schon mal in einem Artikel zur Quecke erwähnt, dass ich das eher für eine gute Sache halte.
  • Saatbettvorbereitung: Letztlich dienen alle genannten Ziele dazu, die anschließende Herrichtung eines optimalen Saatbetts zu vereinfachen.

Verbreitete Mythen zur Bodenbearbeitung im Frühjahr

Frostgare: Angeblich wird durch eine tiefer greifende Bodenbearbeitung die Frostgare zerstört. Toll, die ganzen Berichte über die sagenhafte Wirkung des Frostes auf die Gare des Bodens. Aus meiner Sicht gibt es dazu zwei Dinge zu sagen. Frostgare hat auf leichten Sandböden keinerlei Bedeutung. Wenn man unseren leichten Boden über Winter in offener Scholle liegen lässt, dann ist die Krümelstruktur im Frühjahr vollkommen zerstört. Auf schweren Lehm- und Tonböden sieht das natürlich ganz anders aus. Außerdem sind die Winter, in denen der Boden tatsächlich noch tief durch friert, hier im Norden sehr rar geworden.

Erhaltung der natürlichen Schichtung: Häufig liest man auch von furchtbaren Folgen, die durch die Zerstörung der natürlichen Schichtung des Bodens entstehen können. Leider wird aber oft vergessen zu erwähnen, was eigentlich genau diese Folgen sind. Es gibt etliche Untersuchungen, die bestätigen, dass das Bodenleben in den oberen Schichten der Krume nach einer Durchmischung schon nach kurzer Zeit genauso verteilt ist, wie vor der Durchmischung. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass “Minimalbodenbearbeitung” eine Reihe von Nachteilen mit sich bringt: Langsamere Erwärmung des Bodens im Frühjahr, schlechteres Mineralisationsverhalten, geringeres Wurzelwachstum, Ausbreitung von Wurzelunkräutern, Anreicherung von organischer Substanz in der obersten Bodenschicht, Humus-Verarmung in den unteren Bodenschichten usw.

Zuletzt noch eine Anmerkung zum Fräsen. Wie man auf dem Foto erkennen kann laufe ich direkt hinter der Fräse her. Das hat den Nachteil, dass man den gerade gelockerten Boden gleich wieder verfestigt. Man kann den Lenkholm dieses Gerätes zwar zur Seite verstellen, sodass man auch neben dem frisch gefrästen Boden gehen kann, aber das ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend. Bei uns ist das nicht so schlimm, weil wir unseren Boden sowieso vor dem Säen noch etwas verfestigen müssen. Auf schwereren Böden sollte man das Betreten des gelockerten Bodens aber wohl lieber vermeiden.

Siehe auch:

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