Umgraben oder nicht umgraben?

Claudia schneidet im Wilden Gartenblog ein heiß umstrittenes Thema an – Umgraben oder nicht Umgraben.

Saatbettbereitung mit der FräseIch persönlich habe ein völlig entspanntes Verhältnis zum Umgraben. Wenn es unbedingt sein muss, dann wird umgegraben und sonst wird eben nicht umgegraben. Da wir unsere Gemüsebeete im Frühjahr flach fräsen, war es in den letzten Jahren allerdings nur noch selten nötig irgendwo ein Stück tiefer umzugraben.

Leider sind die Diskussionen zum Umgraben in Gartenforen manchmal nicht ganz so entspannt. Aus irgendeinem unbekannten Grund scheint die Umgraben-Frage ideologisch besetzt zu sein. Dem Umgraben haftet der Geruch einer rückständigen Anbaumethode an.

Eigentlich finde ich das ziemlich unverständlich. In der konventionellen Landwirtschaft ist die “nicht wendende Bodenbearbeitung” nämlich fast immer mit einem erheblich höheren Aufwand an Pflanzenschutzmitteln (insbesondere Herbiziden) verbunden. Das Umgraben bzw. Pflügen hat durchaus auch seine positiven Seiten:

  • Verdichtungen werden gebrochen, der Boden wird gelockert
  • Der Gasaustausch mit der Oberfläche ist besser gewährleistet. Der Sauerstoffgehalt in der Bodenluft ist erheblich höher. Die Wurzeln und die Bodenlebewesen können besser atmen. Anaerobe Lebewesen werden zurückgedrängt. Das alles gilt ganz besonders in feuchten Jahren oder für sehr schwere Böden.
  • Lockerer Boden erwärmt sich im Frühjahr schneller. Die Mineralisierung von Nährstoffen (Stickstoff) setzt früher ein.
  • Und ganz besonders – der Unkrautbesatz, insbesondere der Besatz mit auflaufenden Samen der Vorfrucht und mit ausdauernden Arten wie zum Beispiel der Quecke sinkt (zum Teil drastisch).

Natürlich hat die “konservierende Bodenbearbeitung” ohne Umgraben auch einige wichtige Vorteile gegenüber dem Umgraben:

  • erheblich geringerer Energieverbrauch, erheblich geringere Arbeitsbelastung, weniger Rückenschäden ;-)
  • die Erträge sind langfristig in etwa identisch, werden aber mit wesentlich geringerem Aufwand erreicht.
  • weniger Bodenerosion durch Wind und Wasser

Dem Argument, dass (sachgerechtes und nicht zu tiefes) Umgraben eine nachhaltige Beeinträchtigung des Bodenlebens nach sich zieht, kann ich dagegen überhaupt nicht folgen. Zumindest ist bei uns im Garten deutlich zu sehen, dass auf Beeten, die wir wenig und nur flach bearbeiten, weniger Regenwürmer unterwegs sind und dass Pflanzenreste dort langsamer verrotten. Es ist ganz offensichtlich, dass sich das Bodenleben nach der Bodenbearbeitung schnell wieder erholt und die Kollegen auf den nicht bearbeiteten Beeten sogar nach kurzer Zeit überholt.

4 Kommentare zu Umgraben oder nicht umgraben?

  • Ich grabe nicht um. Wir haben zwar hier nicht annähernd so viel Platz für die Gemüsebeete wie ihr, aber dennoch: Es wäre ganz schön anstrengend, das jedes Jahr zu machen. Aufgewachsen bin ich in einem Haus mit riesigem Gemüsegarten, der jedes Jahr umgegraben wurde, ganz “klassisch”. Dort gab – und gibt – es auch sehr hohe Erträge. Aber mich hat schon als Kind die Schufterei abgeschreckt, so habe ich recht bald angefangen, mir darüber Gedanken zu machen, ob es nicht auch anders ginge. Und siehe da: Es geht anders, wenn man den Boden nur richtig hegt und pflegt (darüber habe ich in diesem Jahr in meinem Blog in der Reihe “Plädoyer für den Gemüsegarten: Über das Füttern des Bodens” mal was geschrieben), dann liefert er auch ohne Umgraben zufriedenstellende Erträge, zumindest bis jetzt. Über mangelnden Regenwurm”besatz” kann ich mich auch nicht beklagen.
    Also ideologisch besetzt ist meine Herangehensweise überhaupt nicht. Einfach nur ressourcenschonend. Viele schreckt das jährliche Umgraben ab, ich kann’s verstehen. Wer einmal gesehen hat, dass es auch anders geht, legt dann oft doch ein Gemüsebeet an oder zwei oder drei.
    Warum sich hierüber manche die Köpfe fast einschlagen, ist mir unveständlich: Soll doch jeder wie er will!
    Liebe Grüße, Margit

  • Nein, Dir würde ich die ideologische herangehensweise auch nicht unterstellen ,-)

    Wie ich schon schrieb – bei uns gibt es auch nur noch selten die Notwendigkeit den Spaten zum Umgraben in die Hand zu nehmen. Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn irgendwo die Quecken überhand nehmen. Möhren neigen dazu beinig zu werden, wenn man nicht tief lockert und auch Kartoffeln honorieren eine tiefe Lockerung. Das geht dann aber genauso gut mit dem Sauzahn.

  • Ich habe mit dem Umgraben keinerlei Probleme. Wenn da nicht doch etwas dran waere, dann haetten die Menschen es schon viel frueher als unnuezt oder schaedlich aufgehoert. Da faellt mir noch eine andere Methode ein, die vielleicht beiden Auffassungen ueber die richtige Bodenbearbeitung Rechnung traegt. Das waere eine Grabegabel wie hier

    http://www.biokeller.de/shop.php/sid/bec292816687ad22afb47091ae620c65/cl/details/cnid/05a40fd3f47dbfe97.05271747/anid/a3341e00f973da495.16561057/Doppel-Grabegabel-Ohmden/

    zu sehen. Ich koennte mir vorstellen, damit kaeme man gut zurecht. Wenn sie nur nicht so teuer waere, ich haette mir laengst eine zugelegt. Vielleicht hat ja jemand damit schon laenger Erfahrungen gesammelt und kann berichten.

    Gruss RR

  • Umgraben kann ganz schön in den Rücken gehen. Weil ich mir diese Frühjahr den Rücken kaputt gemacht habe, habe ich mir eine amerikanische Schaufel in der Landi gekauft.
    Mit der geht es ohne zu bücken, braucht weniger Kraft weil der Stiel lang ist und die Arbeit geht um einiges schneller von der Hand.
    Abgesehen davon geht das Umgraben von Jahr zu Jahr besser. Je besser der Boden ist oder wird, umso leichter geht das umgraben.

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.