Kalken im Garten

Calcium und Magnesium (die ich hier zunächst mal der Einfachheit halber als “Kalk” zusammen fasse) sind wichtige Pflanzennährstoffe. Allein schon deshalb muss ihr Gehalt im Gartenboden im Auge behalten werden. Darüber hinaus beeinflussen Calcium und Magnesium aber auch stark den Säuregrad des Bodens. Kalkhaltige Düngemittel neutralisieren Säuren und verbessern damit die Krümelstruktur des Bodens. Die Verfügbarkeit von anderen Nährstoffen steigt und die Aktivität des Bodenlebens wird angeregt.

Wieso muss der Boden überhaupt gekalkt werden?

Magnesiummangel an einer Tomatenpflanze

Magnesiummangel an einer Tomatenpflanze

Auf unseren Böden ist die langsame Versauerung ein natürlicher Vorgang. Wir leben in einer humiden Klimazone. Das bedeutet, dass die Niederschlagsmenge höher ist als die Verdunstung. Das führt wiederum dazu, dass in den meisten Monaten des Jahres Wasser aus den oberen Bodenschichten ins Grundwasser sickert. Dabei nimmt es die gelösten Nährstoffe (wie u.a Calcium und Magnesium) mit.

Dazu kommen weitere Kalk-Verluste durch die Neutralisierung von eingetragenen Säuren (saurer Regen, organische und mineralische Düngemittel, Kohlensäure aus der Aktivität des Bodenlebens und der Wurzeln). Und nicht zuletzt verliert der Boden auch Kalk durch den Entzug der geernteten Früchte des Gartens.

Abhängig von der Bodenart, der Niederschlagsmenge und der Nutzung machen diese Kalk-Verluste jährlich bis zu 70 Gramm je Quadratmeter aus.

Wann soll der Garten gekalkt werden?

Eigentlich gibt es für den Zeitpunkt der Kalk-Düngung keine besonderen Einschränkungen. Aus praktischen Erwägungen wird sie allerdings meist im zeitigen Frühjahr noch vor der ersten Bodenbearbeitung durchgeführt. Manche Pflanzen vertragen/honorieren Kalk besser als andere. Zum Beispiel kann eine Kalkung zu Kartoffeln leicht zu einem erhöhten Befall mit Schorf führen. Deshalb kann es ratsam sein sein, den Kalk für mehrere Jahre in Voraus zu besonders kalkliebenden Kulturen (z.B. Kohlarten) zu geben.

Wieviel Kalk ausbringen?

Tomatenendfäule

Blütenendfäule an Tomaten durch Calciummangel

Es ist schwierig eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage zu finden. Sie hängt von vielen Faktoren ab. Als grobe Grundregel kann vielleicht eine Gabe von 30 bis 60 Gramm pro Quadratmeter und Jahr angenommen werden.

Diese Angabe allein ist allerdings noch nicht vollständig, denn der Kalkgehalt der Düngemittel wird zum Teil als Calciumoxid (Brandkalk, CaO), zum Teil als Calciumcarbonat (Kohlensaurer Kalk, CaCO3) und manchmal auch als Calciumhydroxid (Löschkalk, Ca(OH)2), Calciumsilikat (Kieselsäure, CaSi04) oder reines Calcium (Ca) angegeben. Übrigens hat Calciumsulfat (Gips, CaSO4) keinen Einfluss auf den pH-Wert des Bodens. Gips gilt deshalb vor allem als Schwefeldünger.

Um diese Angaben vergleichen zu können, müssen sie mit den folgenden Faktoren in den gebräuchlichsten Wert (CaO) umgerechnet werden:

  • CaCO3 * 0,56 -> CaO
  • Ca(OH)2 * 0,75 -> CaO
  • CaSi04 * 0,45 -> CaO
  • CaSO4 * 0,00 -> CaO
  • Ca * 1,399 -> CaO
  • MgCO3 * 0,478 -> MgO
  • Mg * 1,658 -> MgO

Die oben genannten 30 bis 60 Gramm CaO gleichen aber nur den jährlichen Kalkverlust aus. Wenn der Boden schon unter Kalkmangel leidet, dann muss er “aufgekalkt” werden. Genaue Informationen (insbesondere auch über das Verhältnis von Calcium zu Magnesium) erhält man nur über eine detaillierte Bodenuntersuchung, aber ein Schnelltest kann zumindest erste Hinweise geben.

Beim Schnelltest wird mit Hilfe des Farbumschlags auf einem Teststreifen der pH-Wert des Bodens ermittelt. Ein zu hoher oder zu niedriger pH-Wert kann äußerst negative Auswirkungen auf den Boden und den Ertrag haben.

So führt ein sehr hoher pH-Wert (alkalischer Boden) zur Festlegung von Eisen, Mangan und Bor was dann zu Mangelerscheinungen bei den Pflanzen führt. Ab einem pH-Wert oberhalb von 9 kommt es sogar zu einer direkten Schädigung der Pflanzen durch den Überschuss an Hydroxidionen (OH-).

Bei einem zu niedrigen pH-Wert (sauer Boden) kommt es durch die erhöhte Löslichkeit von Calcium, Magnesium, Kalium und Phosphor zur Verarmung des Bodens durch Auswaschung. Auf der anderen Seite wird das Molybdän festgelegt, sodass es den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung steht. Außerdem steigt im sauren Milieu die Löslichkeit von Aluminium bis hin zu giftigen Konzentrationen.

Allgemein kann gesagt werden, dass für sehr schwere Böden ein neutraler pH-Wert von 6,5 bis 7 als optimal gilt, weil hier die bodenverbessernde und lockernde Wirkung des Kalks im Vordergrund steht. Bei sehr leichten Sandböden soll das Bodenleben nicht zu stark angeregt werden, damit der sowieso schon geringe Humusgehalt nicht unnötig schnell abgebaut wird. Hier gilt ein pH-Wert von 5,4 bis 5,8 als optimal. Da reine Moorböden kein Aluminium enthalten dürfen sie sogar noch niedrigere pH-Werte bis hinunter auf pH 4 annehmen.

Formen von Kalk-Düngemitteln

Calcium-Düngemittel enthalten meist Brandkalk (CaO) oder Kohlensauren Kalk (MgCO3) oder ein Gemisch aus beiden (Mischkalk). Gelegentlich liegt das Calcium auch in anderen Formen vor, zum Beispiel als Calciumhydroxid (Ca(OH)2) oder als Calciumsilikat (CaSi04). Entsprechendes gilt für Magnesium-Düngemittel (bzw. den Magnesium-Anteil in Kalkdüngern).

Die Silikate und Carbonate lösen sich nur bei niedrigen pH-Werten. Auf schweren Böden mit pH-Werten über 6,2 sind deshalb nur die wasserlöslichen Oxide wie Branntkalk (oder Mischkalk) und die Hydroxide gut verfügbar. Auf leichteren Böden sind dagegen die langsam wirkenden Silikate und Carbonate von Vorteil.

Siehe auch:

Weblinks:

4 Kommentare zu Kalken im Garten

  • Gerade weil deine Beiträge immer sehr fundiert sind, würde ich hier gerne noch drei Dinge ergänzen:

    1) “Kalk macht reiche Väter und arme Söhne”. Um diesen Leitspruch kommt man bei dem Thema nicht herum. Kalk trägt zum Humusabbau bei und mobilisiert bestimmte Nährstoffe im Boden. Das führt bei regelmässiger übermässiger Kalkung zu einer Auslaugung und Verarmung des Bodens.
    In Schrebergärten sieht man immer noch alte Herren breitwürfig jede Menge Kalk ausstreuen. Manchmal sogar mehrmals im Jahr. Das ist nicht Sinn der Sache und kann gesunde Böden zerstören. Ich würde hier auf jeden Fall vorher eine PH-Wert Messung empfehlen oder zumindest ein deutlich zurückhaltenderes Kalken.

    2) Der vorhandene Boden sollte stark in der Gleichung berücksichtigt werden. Besonders die Böden, die zum versauern neigen (leichte Sandböden), können den Kalk nicht halten und den PH-Wert nicht puffern. Wenn ich hier also kalke, geht der PH-Wert kurz stark nach oben um dann nach dem nächsten Regen wieder abzusinken. Es muss also vor allem die Pufferfähigkeit des Bodens gefördert werden (z.B. durch Humusaufbau oder Einbringen von Ton).
    Andereseits sind sehr schwere lehmige Böden meist auch nicht sonderlich sauer und können den Kalk sehr gut halten. Ich muss hier also vorsichtiger und seltener ausbringen!
    Zusätzlich hat das “Grundgestein” natürlich noch einen Einfluß. Also auf jeden Fall mit dem Boden beschäftigen.

    3) Die meisten typischen Kulturpflanzen (Gemüse!) bevorzugen einen leicht bis deutlich sauren Boden. Da wohl niemand von uns einen Garten in einem Torfmoor hat, ist der natürliche PH-Wert in der Regel nicht zu sauer für die Pflanzen. Es muss also wirklich NUR die Auswaschung ersetzt werden. Wenn ich zu viel kalke geht der PH-Wert zu weit hoch und mein Gemüse fühlt sich nicht mehr wohl. Auch hier zeigt sich also, dass Kalk immer vorsichtig und mit bedacht eingesetzt werden sollte.

    Du schreibst oben von 60g CaO pro Quadratmeter. Ich würde hier jedem Gärtner vorschlagen, mal auf einer geflasterten Fläche einen Quadratmeter einzuzeichnen und dann 60 Gramm Kalk gleichmässig auf diesem Quadratmeter zu verteilen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie viel (bzw. wenig) man ausbringen muss. Das dürften ungefähr 6 Esslöffel sein, auf eine Fläche von einem Meter mal einem Meter…
    Oder noch ein anderer Anhaltswert: Ein typischer 25Kilo Sack Kalk reicht damit für 417 Quadratmeter. Wenn ich also 100qm Gemüsegarten habe, reicht der Sack für 4 Jahre!

    • Dazu hab ich natürlich jeweils auch etwas zu sagen ;-)

      Zu 1; Der Spruch “Kalk macht reiche Väter und arme Söhne” stammt aus einer Zeit, als es noch keine zuverlässigen Bodenuntersuchungen gab. Wenn man “nach Gefühl” kalkt, dann hat er sicherlich seine Bereichtigung, wenn man nach Bodenuntersuchung kalkt, dann ist er meiner Ansicht nach überhohlt.

      zu 2: Volle Zustimmung und wieder der Hinweis auf die Bodenuntersuchung. Die gibt eine Düngeempfehlung, die an die Bodenart angepasst ist. Die reine pH-Wert Analyse reicht übrigens gerade bei sehr leichten Böden nicht, weil es dort nicht selten zu Mg-Mangel kommt.

      zu 3: Klar, fast alle Pflanzen bevorzugen ein saures Milieu, weil die Nährstoffe da besser verfügbar sind. Bei sehr schweren Böden kann man darauf aber keine Rücksicht nehmen. Ein schwerer Tonboden ist bei pH 6 schlicht nicht zu bearbeiten. Da geht’s beim Kalken nicht um die Pflanzen, da gehts um den Boden.

  • Biene

    Auch wir kalken nun bzw. haben es Teilweise schon getan.
    Ein 25kg Sack reicht für unsere Anbaufläche von rund 150m² meiner Meinung nach völlig aus.
    Weniger ist oft mehr – gleicheres Gilt für die Dündung mit Mist.
    Wir haben letzen und vorletzten Winter reichlich Pferdemist aufgebracht und werden damit jetzt erstmal 2 Jahre eine Pause einlegen.
    Für die Bodenverbesserung haben wir vor einigen Tagen etwas ganz anderes getan. Wir haben durch massiven Rückschnitt div. Gehölze reichlich Licht in unseren Garten gebracht, was die bestrahlung durch die Sonne imSonner auf rund der Hälfte der Anaufläche fast verdoppeln dürfte. Und da das Wetter bei uns bis auf die üblichen 2-4 Wochen Hitzewelle im Sommer nicht so prickelnd ist, dürfte das dem sehr moosigem, fast schleimigem Boden dort sehr gut bekommen. :-)

  • Ich nutze das frühe Frühjahr zum Kalken des Gartens – ja nicht nur die Gemüsebeete sondern auch der Baumbereich und die Sträucher.
    Dazu mische ich Gartenkalk 30% mit Basaltgesteinsmehl 70% ca. im Schubkarren und dann gehts los.
    Aussparen tu ich nur die Pflanzen, die Kalk weniger mögen wie den Rhododendron und die Azaleen

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