Brennnesseljauche

Ich brauche Dünger, ordentlichen schnell wirkenden Dünger! Im Garten ist das kein Problem, da haben wir Kompost und Pferdemist. Aber jetzt habe ich unvorsichtigerweise zwei Kübel mit vorgezogenen Winden auf den Balkon gestellt, um damit an der Aktion Hoch hinaus teilzunehmen. Die Samen (soweit ich das einschätzen kann, sind es Prunkwinden) hatten wir vor ein paar Wochen im Briefkasten gefunden – eine Promotion-Aktion der Gartenwelt.

Winden

Winden für "Hoch hinaus"

Winden bilden in kurzer Zeit große Mengen an Biomasse. Dafür brauchen sie Nährstoffe, und zwar viel davon. Und wo bekommen sie die her, wenn man keine mineralischen Düngemittel einsetzen möchte?

Naja, im Kübel befindet sich natürlich jetzt schon ordentlich Kompost, aber um die Pflanzen zu wirklich überdurchschnittlichem Wachstum anzuregen, brauchen sie zusätzlich regelmäßig schnell verfügbare wasserlösliche Nährstoffe. Deshalb habe ich mich entschlossen, mal eine Brennnesseljauche anzusetzen. Von der hört man ja wahre Wunderdinge. Später mehr dazu, ob Brennnesseljauche überhaupt kurzfristig verfügbare Nährstoffe enthält.

Brennnesseln

Brennnesseln

Brennnesseln sollten wohl allgemein verfügbar sein. Da sich unsere Pferde standhaft weigern, frische Brennnesseln zu fressen, ist das bei uns jedenfalls kein Problem. Um Brennnesseljauche herzustellen, nimmt man sich also eine Sense und geht auf die Weide um sich einen Eimer voll Brennnesseln zu schneiden.

Ich habe wirklich etliche Anleitungen in Büchern und im Internet gelesen und ich muss sagen, wie man nun weiter verfährt ist gelinde gesagt umstritten. In der überwiegenden Zahl der Anleitungen wird der Eimer bis oben hin voll Brennnesseln gesammelt und dann mit Wasser aufgefüllt, bis die Brennnesseln bedeckt sind.

Wenn man die Brennnesseljauche zur Schädlingsbekämpfung (zum Beispiel gegen Blattläuse) einsetzen möchte, dann herrscht noch einigermaßen Einigkeit: Der Sud bleibt ein bis zwei Tage abgedeckt stehen und wird dann unverdünnt auf die betroffenen Pflanzen gespritzt.

Gären unter Luftabschluss

Gären unter Luftabschluss

Möchte man die Brennnesseljauche aber als Dünger verwenden, dann ist das Chaos groß. Fermentieren unter Luftabschluss, Fermentieren an der Luft, Gären lassen unter Luftabschluss, in die Sonne stellen, in den Schatten stellen …

Auch die Dauer der Fermentierung oder Gärung ist höchst umstritten. Sie reicht von wenigen Tagen bist zu mehreren Wochen. Nachdem ich einige völlig sinnlose Anleitungen verworfen und ein paar meiner verschollenen Kenntnisse der Mikrobiologie wiederbelebt hatte, habe ich mich letztlich dafür entschieden die Jauche unter Luftabschluss im Schatten gären zu lassen, und zwar genau so lange wie es dauert, bis die Gärung abgeschlossen ist. Bei mir hat das exaktgenau 8 Tage gedauert.

Brennnesseljauche

Fast fertig vergorene Brennnesseljauche

Wenn man aus der Landwirtschaft kommt, dann riechen durch Milchsäurebakterien sauber vergorene Pflanzenteile einfach köstlich. Ich kann mir aber vorstellen, dass man das etwas anders sieht, wenn man nicht mit diesem Geruch aufgewachsen ist. Die Berichte über fürchterlich stinkende Brennesseljauche führe ich allerdings eher darauf zurück, dass die Behälter schlecht gegen Sauerstoff geschützt waren und dass Buttersäure entstanden ist – die stinkt tatsächlich schlimm.

Super, nach gut einer Woche hat man also einen tollen schnell wirkenden Biodünger. Aber wie viel von diesem Dünger brauchen meine Winden nun? Viele Autoren raten dazu, die Jauche im Verhältnis 1 zu 20 (teilweise noch mehr) zu verdünnen und dann wöchentlich damit zu düngen.

Wenn man mit einem halbwegs grünen Daumen ausgestattet ist, dann müsste einem hier eigentlich auffallen, dass da etwas nicht stimmen kann. In meinen Eimer befanden sich ca. zwei Kilogramm Brennnesseln. Das dürften dann geschätzt weniger als 300 Gramm Trockenmasse gewesen sein. Die Blätter hatten sich nach der Gärung zwar weitgehend aufgelöst, die Stengel waren aber natürlich noch intakt. Den größten Teil der Brennnessel-Trockenmasse habe ich also nach der Gärung auf den Komposthaufen gegeben.

Die Brennnesseln hatte ich zum Vergären mit 10 Liter Brunnenwasser aufgefüllt. Diese 10 Liter waren auch nach der Gärung noch weitgehend erhalten. Jetzt soll ich diese zehn Liter Jauche im Verhältnis 1 zu 20 verdünnen? (Bei einem Autor sogar 1 zu 50). Wenn ich richtig rechne, dann sind in der verdünnten Jauche nur noch Nährstoffe in niedriger homöopathischer Dosierung vorhanden. Da man für so eine dreiste Aussage leicht verhauen werden kann, habe ich mal nach belastbaren Untersuchungsergebnissen gesucht. Leider habe ich keine zuverlässigen Quellen gefunden. Anhaltspunkte bieten vielleicht die Informationen in diesem älteren Fred auf planten.de.

Um es auf den Punkt zu bringen – wenn ich die Winden wirklich nur einmal pro Woche mit ein paar Liter der stark verdünnten Brennesseljauche dünge, dann werden sie mir in den Kübeln verhungern. Die bilden sicherlich in guten Zeiten 300 Gramm Trockenmasse pro Tag.

Weblinks:

9 Kommentare zu Brennnesseljauche

  • Ulrich

    Wie funtioniert Gärung unter Luftabschluß? Entsteht dabei nicht Kohlendioxyd, das entweichen muß? Also wie beim Wein mit Gärröhrchen?

    • Genau, Gärung findet immer unter Luftabschluss statt. Sobald Außenluft vorhanden ist, gewinnen immer die sauerstoffliebenden Mikroorganismen und es kommt zur Oxidation mit Sauerstoff statt zur Gärung.

      Und jupps, dabei entsteht Kohlendioxid. Man sieht das an dem Schaum auf dem Bild mit der fast fertigen Jauche. In den Bläschen befindet sich aufgestiegenes Kohlendioxid. Da in den Brennesseln aber nicht wirklich viel Zucker gespeichert ist, verläuft die Gärung auch nicht so wild wie z.B. bei Wein. Ich denke so ein Aufsatz wie bei der Weinherstellung ist eher Luxus, ich will das Ergebnis ja nicht trinken, da kommt es nicht so drauf an, ob auch ein paar Fuselöl-Moleküle entstehen. ;-)

  • Hallo,

    wie das ganze mikrobiologisch funktioniert, weiß ich nicht. Ich kann hier nur meine Erfahrungen mit Brennesseljauche schildern:
    Einen Eimer mit frischen Brennesseln vollstopfen, mit Wasser bis zum Rand aufgießen, Deckel drauf. Nicht wegen Luftabschluss, sondern damit kein Kleingetier reinfällt. Je nach Temperatur ein bis zwei Wochen stehen lassen, bis sich die Brenneselblätter komplett aufgelöst haben, und die Stängel matschig sind. Es bildet sich Schaum obendrauf und stinkt wirklich bestialisch. Die Jauche verdünne ich 1:10 und gieße damit nährstoffhungrige Pflanzen. Das funktioniert prima, beleidigt allerdings die Nase (und ggf. die Nachbarn). Am besten kurz vorm Regen ausbringen, dann hält sich der Gestank nicht so lange.

    Grüße, KatjaK

  • Jo, über den Geruch kann man sicher streiten ;-) Wer den Geruch guter Silage oder den von selbst gemachtem Sauerkraut kennt, kann sich vielleicht vorstellen, wie die Jauche bei uns roch. Ich persönlich finde das sogar recht angenehm, aber ich bin eben auch auf einem Bauernhof aufgewachsen.

  • Hallo,

    ich finde den Geruch auch nicht so dramatisch. Zusätzlich zur Brennnesseljauche machen wir Beinwell- und Ackerschachtelhalmjauche. Soll besonders für Tomaten sehr gut sein. Wir haben heuer auch klein gehäckselte Brennnessel einfach mit in die Erde zu den Tomaten gegeben – hatten wir mal irgendwo als Tipp gelesen. Mal schauen, ob’s was bringt, aber schaden wird’s wohl kaum.

    Gruß,
    Steffen

  • Meine letzte Brennesseljauche hat ca. 2-3 Wochen offen und ziemlich sonnig gestanden. Ich vermute mal, dass da auch Buttersäure entstanden ist, denn sie roch doch recht unangenehm und nicht wie selbst gemachtes Sauerkraut. Ich weiß nicht, ob es auf die Art der Gärung ankommt, so oder so sollten die Nährstoffe im Wasser gelöst sein. Zusammen mit einigen tausend Mückenlarven als zusätzlichem Dünger habe ich die Brühe dann pur auf ein frisch angelegtes Beet ausgebracht.

    Leider wird sich eine Wirkung bei diesen Bedingungen nicht beobachten lassen, da der Vergleich fehlt. An anderer Stelle habe ich aber gelesen, dass die Düngewirkung einige Tage nach dem Gießen schon wieder nachlässt. Häufiges gießen wird insofern nützlich sein.
    Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, dass man eine Pflanze auf diesem Wege gefährlich überdüngen kann.

  • onlinebroker

    Also wenn man den Geruch noch mag, dann hat man es nicht richtig gemacht. Wenn ich die in der Wohnung ansetze, riecht es eigentlich ganz nett. Aber auf dem Balkon in der Sonne faellt man fast in Ohnmacht wenn man nur zum Umruehren hingeht..
    Woanders habe ich gelesen, dass nach 48 Stunden der Naehrstoffgehalt schon wieder abnimmt.
    Der Naehrstoffgehalt ist wohl generell sehr niedrig, aber das ganze Gemisch soll wohl sehr gut fuer die ganzen Organismen im Boden sein,selbst wenn es erstmal den Pflanzen nicht hilft, ist es vielleicht ganz gut ein paar Mal im Jahr.

    • Jo, das mit dem wieder abnehmenden Nährstoffgehalt habe ich auch gelesen. Ich denke, das liegt daran, dass die Milchsäurebakterien die Nährstoffe (vor allem den Stickstoff) aus der Brühe fischen und in ihre Zellen einbauen. Vermutlich werden diese Nährstoffe aber nach dem Ausbringen der Brühe schnell wieder verfügbar.

      Aber wie Du auch schon sagst – egal wie man es dreht und wendet – insgesamt sind in der Brühe einfach gar nicht besonders viele Nährstoffe drin.

  • Bei Pflanzenbrühen streue ich gleich nach dem Ansetzen etwas Urgesteinsmehl auf die Flüssigkeit und rieche somit nichts.

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