Lebensmittelklarheit

Die deutschen Verbraucherzentralen haben heute morgen um elf Uhr in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherministerium eine neue Webseite eingerichtet. Auf lebensmittelklarheit.de soll Etikettenschwindel auf Verpackungen enttarnt werden. Dazu sollen Beschwerden von Verbrauchern gesammelt und ausgewertet werden. Bei Bedarf möchten die Verbraucherzentralen die Beschwerden dann an die Hersteller weiter geben oder sogar härtere Maßnahmen einleiten.

Ich war in der Vergangenheit nicht immer glücklich mit den publikumswirksamen Aktionen des Verbraucherministeriums, aber auf den ersten Blick hört sich das alles gar nicht mal so schlecht an. Leider ist die Seite seit 11 Uhr durchgehend nicht erreichbar, aber das sei ihnen in den ersten Stunden verziehen. Offenbar versuchen gerade viele Leute, sich dort ihrem Ärger Luft zu machen.

Was ich überhaupt nicht verstehe ist die Tatsache, dass sich die Industrie halbwegs geschlossen gegen diese Aktion stellt. Die Gerwerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert, dass eine ganze Branche und ihre Beschäftigten angegriffen werden und sie ist der Meinung, dass Kontrollen nicht willkürlich auf Grund von Beschwerden der Verbraucher erfolgen dürfen. Wie bitte? Es darf keine Kontrollen auf Grund von Beschwerden geben? Noch einmal nachdenken bitte!

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde) ist mit dem Formulieren von werbewirksamen Texten besser vertraut. Er begrüßt natürlich, wenn mehr Informationen vermittelt werden. Aber in der gesamten Pressemitteilung steckt etwa folgende Argumentastionskette:

  • Wir halten uns exaktgenau an die gesetzlichen Vorschriften
  • Wenn wir an die Grenzen des erlaubten gehen, dann ist das keineswegs eine Täuschung und es ist unfair (und verfassungswidrig) uns an den Pranger zu stellen.

Von meiner Seite dazu nur eins: Wer Kindern verspricht, dass Zuckerbomben ein gesundes Frühstück sind (weitere Beispiele gäbe es in Hülle und Fülle), der handelt vielleicht im Rahmen schwacher gesetzlicher Vorschriften. Er soll mich aber bitte mit Hinweisen auf Fairness oder gar das Grundgesetz verschonen und mir lieber mal erklären wieso er findet, dass ich meine Meinung über sein Produkt nicht “in Wort, Schrift und Bild frei äußern und verbreiten” soll. Ich verweise dazu gerne ebenfalls auf das Grundgesetz, nämlich Artikel 5 Absatz 1.

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