Kennzeichnung von Eiern

Kennzeichnung bei Eiern

Unlesbare Kennzeichnung bei Eiern

Mit unserer Gemüsekiste bekommen wir jede Woche auch sechs Eier ins Haus gebracht. Gewöhnlich achte ich eher nicht auf die Kennzeichnung dieser Eier, aber nach den Dioxin-Funden in Bio-Eiern interessiert man sich ja doch etwas mehr für deren genaue Herkunft.

In den Ländern der Europäischen Union ist schon seit einigen Jahren verbindlich vorgeschrieben, wie Eier zu kennzeichnen sind. Neben weiteren Angaben auf der Verpackung muss bei Eiern der Güteklasse A ein Erzeugercode direkt auf dem Ei zu sehen sein. Da im Einzelhandel sowieso nur Eier der Klasse A verkauft werden, müssten unsere Gemüsekisten-Eier also eigentlich auch mit einem Erzeugercode versehen sein – sind sie aber nicht, zumindest nicht mit einem Code, den man entziffern kann.

Das scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein. Die Verbraucherzentrale NRW hat vor einigen Tagen einen größeren Test gemacht und dabei festgestellt, dass die Kennzeichnung in 39 Prozent der Fälle nicht vorhanden oder nicht lesbar war.

Kennzeichnung bei Eiern

Lesbare Kennzeichnung bei Eiern

Um überhaupt mal etwas genauer zu verstehen, was da genau auf den Eiern vermerkt ist, haben wir gestern ein paar ordentlich deklarierte Eier aus dem Supermarkt mitgebracht. Auf dem Stempel ist einigermaßen deutlich der Erzeugercode “0-NL-4378501″ zu erkennen. Aha, alles klar, es handelt sich also um holländische Bioeier aus Stall Nummer 1 vom Betrieb 437850.

Super, und was hilft mir das? Trotz intensiver Suche habe ich nirgends eine Liste gefunden, in der Erzeugercodes bestimmten Betrieben zugeordnet sind. Auch eine Liste mit den Erzeugercodes der wegen Dioxinbelastung der Eier gesperrten Betriebe war nicht zu finden. Zumindest was meine Dioxin-Sorgen angeht enthält dieser Erzeugercode also für mich keinerlei nützliche Informationen.

Hier noch mal im Einzelnen, wie man den Erzeugercode der Eier dekodiert:

Die führende Ziffer gibt die Haltungsform an. Näheres zu den verschiedenen Haltungsformen findet man zum Beispiel im Artikel Geflügelproduktion der Wikipedia.

  • 0 = Ökologische Erzeugung: Obwohl ich persönlich auch mit manchen Formen der “ökologischen Hünerhaltung” so meine Probleme habe, kann man sich bei Bioeiern wenigstens auf einigermaßen strenge Anforderungen an die artgerechte Haltung und Fütterung verlassen.
  • 2 = Bodenhaltung
  • 3 = Käfighaltung, “Kleingruppenhaltung”

Auf die Haltungsform folgt die Kennzeichnung des Herkunftslandes. Wie man aus der folgenden Tabelle entnehmen kann, stammt unser Ei aus den Niederlanden:

AT - Österreich IE - Irland
BE - Belgien LV - Lettland
CZ - Tschechische Republik LT - Littauen
CY - Zypern LU - Luxemburg
DE - Deutschland MT - Malta
DK - Dänemark NL - Niederlande
EE - Estland PL - Polen
ES - Spanien PT - Portugal
FI - Finnland SE - Schweden
FR - Frankreich SK - Slowakei
GR - Griechenland SI - Slowenien
HU - Ungarn UK - Vereinigtes Königreich

Auf das Kürzel für das Herkunftsland folgt eine sechsstellige Betriebsnummer. In Deutschland bezeichnen die ersten beiden Ziffern der Betriebsnummer das Bundesland.

01 – Schleswig-Holstein 09 – Bayern
02 – Hamburg 10 – Saarland
03 – Niedersachsen 11 – Berlin
04 – Bremen 12 – Brandenburg
05 – Nordrhein-Westfalen 13 – Mecklenburg-Vorpommern
06 – Hessen 14 – Sachsen
07 – Rheinland-Pfalz 15 – Sachsen-Anhalt
08 – Baden-Württemberg 16 – Thüringen

In den Niederlanden ist in der Betriebsnummer offenbar keine regionale Komponente enthalten. Unser Ei stammt also einfach von Betrieb 437850.

Die letzte Ziffer des Erzeugercodes bezeichnet den Stall. Unser Ei wurde demnach von einem Huhn im ersten Stall des niederländischen Öko-Betriebes 437850 gelegt. Ob dieser Betrieb mit Dioxin belastetem Bio-Futtermais aus der Ukraine verfüttert hat, bleibt für mich leider ein Geheimnis. Ich hoffe, dass die verantwortlichen Behörden wenigstens unserem Supermarkt mitgeteilt haben, welche Eier sie verkaufen dürfen und welche nicht.

Weblinks:

12 Kommentare zu Kennzeichnung von Eiern

  • Hallo Heiner,

    Euer Ei kommt vom Betrieb Lagerwey in Scherpenzeel (Niederlande). Das erfährst Du, wenn Du die Nummer auf der Website https://www.qualitrail.de/wsade eingibst. :)

    Dies ändert natürlich nichts an der Problematik der nicht vorhandenen Nummer und den Betrügereien rund um BIO und ähnliches, gerade wenn es um tierische Produkte geht.

  • Das ist exaktgenau der Dienst, nach der ich gesucht hatte. Danke für den Hinweis, ich werde den Link oben noch anfügen!

    Ich finde es trotzdem etwas ärgerlich, dass man so einen Dienst auf der Seite unserer Ministerin für für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vergeblich sucht (ich hab dort zumindest nix gefunden).

  • Ganz ehrlich, ich achte da eigentlich nie drauf ob diese Nummern nun auf dem Ei sind oder nicht und ich würde mir auch ehrlich gesagt nie die Mühe machen ein Ei zurück zu verfolgen. Ich glaube das wird erst wirklich dann wichtig, wenn man sich Gesundheitlich schon etwas zugezogen hat und die Behörden dann verfolgen wollen, wo diese Eier nun eigentlich her kommen.

  • Naja, ich schaue ehrlich gesagt auch eher selten drauf.

    Andererseits wurde dieser Eier-Code ja nicht aus schier Schandudel eingeführt. Er wurde eingeführt, weil in der Hühner-Branche früher zum Teil übelste Wildwest-Methoden an der Tagesordnung waren. (“Wildwest” ist hier eine freundliche Umschreibung von “kriminell” oder “mafiaähnlich”) Ich hoffe, dass sich da inzwischen etwas geändert hat.

  • Ich persönlich brauche diese Eiernummern auch nicht, unsere Eier werden den Hühnern unterm Hintern weg stibitzt. Das ist der Vorteil wenn man auf dem Lande wohnt.
    Aber trotzdem finde ich diesen Beitrag höchst interessant und wissenswert. Allein die Möglichkeit der Feststellbarkeit der Herkunft seiner Eier wird den Einen oder Anderen zu mehr Qualitätsbewußtsein bei der Eierproduktion ermahnen.

  • Volker

    Ei Ei jetzt hat es dich auch erwischt.

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich seit der Horrormeldung nie auf die Herstellung, geschweige auf den Erzeugercode rauf gesehen habe.
    Ich habe in der letzten Woche Eier gekauft. 30 Stück.
    Ich habe auch nicht genau hingeschaut.
    Auf der Link-Seite https://www.qualitrail.de/wsade habe ich vergeblich den Erzeuger gesucht.
    Zur Antwort habe ich das bekommen;
    Uns liegen keine Angaben zu diesem Ei vor. Der Produzent dieses Eies ist uns nicht bekannt und nimmt nicht an unseren Herkunftssicherungs- und Kontrollsystemen KAT (für Eier aus alternativen Tierhaltungsformen) oder GGE (für Eier aus Käfighaltung) teil. Bitte fragen Sie Ihren Eierhändler.

    Da ich davon ausgehen muss, dass alle Eier welche in unserem Handel gelangen, geprüft und die Erlaubnis haben müssen, um die Eier in den Verkauf zu bringen.

    Ich werde wohl morgen zu dem Laden fahren und den Einkäufer zur rede stellen, warum er Eier verkauft die nicht in Deutschland verkauft werden dürfen.

    Ich glaube, dass es einigen scheiß egeal ist, was wir essen und dazu gehöhren nicht nur die Eier.

    Es ist traurig, dass wiedermal der Profit in Vordergrund steht und den Händlern egal ist, was mit den Menschen nach der Einnahme passiert.

    • Nur um das kurz klar zu stellen – mein Artikel wurde am 12. Mai 2010 geschrieben. Leider habe ich vergessen welcher Minister mir heute Abend im Radio versichert hat, dass der aktuelle Fall der erste in den letzten Jahren ist…

      Und um auch das gleich klar zu stellen – soweit ich bisher gelesen habe, sind Bioeier von dem neuerlichen Dioxin-Fund in Eiern nicht betroffen.

    • Ich habe noch mal das Tool auf https://www.qualitrail.de/wsade ausprobiert. Zumindest für den im Artikel genannten Code und für die Eier aus unserem Kühlschrank funktioniert es noch und man bekommt zum Teil sogar kleine Fotos von den Betrieben.

      Die Eingabe ist etwas umständlich, weil man erst oben die Kennzahl für die Haltungsart eingeben muss, dann muss man einen Ländercode auswählen und zuletzt muss man in der zweiten Zeile die Betriebsnummer eingeben.

  • Elli

    Hier gibts ne aktuelle Liste mit den Eiernummern: http://www.vzhh.de/ernaehrung/101761/dioxinskandal.aspx

    Viele Grüße, Elli

    • Also ich weiß ja nicht, aber das können unmöglich alle betroffenen Eierproduzenten sein. Soweit ich gehört habe, sind tausende Betriebe betroffen.

      Gerade habe ich von einem Schweinemastberieb hier in einem Nachbarort gehört, der gesperrt wurde. Die bekommen dann einen nüchternen Brief mit der Mitteilung das der Hof gesperrt ist, ohne irgendwelche weitergehenden Informationen. Für die betroffenen Bauern ist das eine unglaubliche Katastrophe und kann ohne Weiteres das Ende bedeuten. Ganz schlimm das Ganze!

  • Dioxin in Eiern

    Ich geb Heiner recht. Es sind nicht alle Eierproduzenten betroffen und auch nicht alle Tierprodukte. Dioxin ist fast überall drin, aber die Frage ist immer, ob das grenzüberschreitend ist. Schlimm ist nur, wie der Einzelhandel sorglos damit umgeht und wie mit Produzenten umgegangen wird. Oft bleiben sogar die Betroffenen im Unklaren…

  • Richard

    Das mit den Kennzeichen auf den Eiern wusste ich ja noch gar nicht. Werde mir eure Tabell gleich einmal ausdrucken und beim nächsten darauf achten…

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