Von Lenggries nach Garmisch-Partenkirchen

Schlimm! Wenn man ein paar Tage Urlaub gemacht hat, dann findet man überall im Garten in großen Lettern die Aufschrift “Du musst dringend …“. Wir müssen dringend Unkraut jäten. Wir müssen die Kartoffeln ernten und wir müssen neue Erdbeeren pflanzen. Wir müssen noch ein paar Apfelsämlinge veredeln – ach was, wir müssen überhaupt nix! Heute ist es viel zu warm (37°C), also berichte ich lieber von unserem Urlaub.

In der letzten Woche waren wir in Bayern. Wir sind von Lenggries nach Garmisch-Partenkirchen gewandert und das war echt super! Ich hatte ja schon ein paar Bilder von unterwegs gezeigt, hier noch mal eine etwas ausführlichere Beschreibung unserer Tour:

Das Brauneck Gipfelhaus

Das Brauneck Gipfelhaus

Am ersten Tag ging es per Bahn von Otterstedt nach Lenggries. Da wir uns nicht gleich am ersten Tag mit einem Aufstieg von 830 Höhenmetern überanstrengen wollten, ging es gleich anschließend per Seilbahn hoch aufs Brauneck. Unsere erste Nacht in den Bergen verbrachten wir im Brauneck Gipfelhaus, einer Hütte des Deutschen Alpenvereins – übrigens dem einzigen Verein, in dem wir beide gemeinsam Mitglied sind.

Schon der Empfang in der Brauneck Hütte war ein ausgesprochen familiäres Erlebnis:

Hallo, wir hatten angerufen …

Ah, Heiner und Mailin, schön, dass ihr da seid, ich bin Waltraud …

Für die Lage nahe Lenggries und die leichte Erreichbarkeit (sowohl zu Fuß als auch per Seilbahn) war das Brauneck Gipfelhaus eigentlich nicht besonders stark besucht, sodass sich eine nette Atmosphäre ergab. Und die Gastgeber sind wie gesagt ganz ausgesprochen nette Zeitgenossen.

Am nächsten Tag ging es in einer vierstündigen Wanderung auf der Via Alpina in Richtung Benediktenwand zur Tutzinger Hütte. Die Via Alpina (Weg 451 oder E2) ist hier (wie fast überall) sehr gut beschildert, so dass keine Gefahr bestand, dass wir Muschelschubser schon gleich am ersten Tag verloren gehen.

Lavinenschaden an der Tutzinger Hütte

Lawinenschaden an der Tutzinger Hütte

Der erste Blick auf die Tutzinger Hütte war dann allerdings eine ziemliche Überraschung – sie brannte lichterloh. Zum Glück fiel uns nach dem ersten Schreck ein, dass die Hütte im letzten Winter durch eine Lawine stark beschädigt wurde. Ein Nebengebäude (die über 300 Jahre alte Hausstatt-Alm )mit 40 Schlafplätzen war so stark zerstört, dass es abgerissen werden muss. Offenbar liefen da unten gerade die ersten Aufräumarbeiten.

Die Tutzinger Hütte ist von mehreren Seiten her erreichbar und sie liegt an einer für Wanderer und Mountainbiker strategisch sehr attraktiven Stelle, nämlich genau am Benediktenwand-Rundweg.

Durch die relativ vielen Besucher, die Abrissarbeiten an dem zerstörten Hüttengebäude und einem ARD-Fernsehteam, dass die Arbeiten unablässig verfolgte, blieb die familiäre Stimmung in der Tutzinger Hütte leider etwas auf der Strecke. Uns war das aber nicht so wichtig, weil wir uns von unserem ersten Wandertag erholen wollten und daher früh ins Bett fielen.

Tutzinger Huette und Benediktenwand Fernsehteam

Leider sind wir in Sachen Fernsehprogramm nicht ganz sattelfest. Sollte jemand mitbekommen, wann der Beitrag über die Tutzinger Hütte läuft, bitten wir um eine kleine Nachricht. Es ist ja nicht unwahrscheinlich, dass wir da auch irgendwo im Hintergrund herum sitzen.

Am nächsten Tag ging es in einem achtstündigen Marsch von der Tutzinger Hütte in Richtung Urfeld am Walchensee. Dabei verließen wir die Via Alpina für einen Umweg durch die Rappin-Schlucht. Für diesen Umweg sollte man unbedingt schwindelfrei sein, was bei mir persönlich übrigens nicht ganz hundertprozentig gegeben ist.

Nach dem Abstieg zum recht touristischen Örtchen Urfeld übernachteten wir im “Karwendelblick” direkt am Walchensee. Dieses Haus wurde von Georg von Vollmar erbaut. Vor uns wohnten dort schon Leute wie Rosa  Luxemburg, August Bebel oder Karl Liebknecht. Im Jahre 1892 wurde dort die bayrische SPD gegründet.

Karwendelblick

Morgentlicher Blick von Urfeld über den Walchensee auf das weit dahinter liegende Karwendelgebirge

Vom Walchensee ging es am nächsten Morgen weiter bis zur Weilheimer Hütte am Krottenkopf. Netto ergibt das einen Anstieg von weit über 1100 Höhenmetern, brutto waren es gefühlt mehrere Höhenkilometer und es soll mir keiner mit dem Argument kommen, dass Aufstiege doch viel einfacher sind als Abstiege.

Zum Glück hat mir Lara Croft unterwegs mehrmals neuen Mut zugesprochen:

Lara Croft auf dem Weg zur Tutzinger Hütte

Lara Croft auf dem Weg zur Weilheimer Hütte

Die Weilheimer Hütte entschädigt voll und ganz für den anstrengenden Aufstieg (siehe auch die Bilder vom Bloomday). Ich fand ja die Stimmung am Brauneck schon klasse, hier in der Weilheimer Hütte wurde das noch einmal getoppt. Die paar anderen Gäste waren sehr nett, der Hüttenwart (und Fotograf) gibt sich alle erdenkliche Mühe seinen Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen und auch die Hütte selbst ist direkt am Krottenkopf sehr schön gelegen.

Die Weilheimer Hütte

Die Weilheimer Hütte

Von der Weilheimer Hütte aus kann der höchste Berg im Estergebirge – der Krottenkopf – relativ leicht in einer halben Stunde erklommen werden. Dieses Foto zeigt die Weilheimer Hütte, die übrigens die höchstgelegene Hütte in den bayrischen Voralpen ist,  vom Anstieg zum Krottenkopf aus gesehen.

Am folgenden Tag ging es von der Weilheimer Hütte auf knapp 2000 Meter Höhe hinab nach Garmisch-Partenkirchen auf etwa 700 Meter Höhe und anschließend auf der anderen Seite wieder hinauf zum Graseck oberhalb der Partnachklamm.  Auf dem Balkon des Forsthauses Graseck, in dem wir vor zwei Jahren schon einmal übernachtet hatten, ließen wir unseren diesjährigen Alpenurlaub dann zwei Tage lang langsam und mit Blick auf das gegenüber liegende Wettersteingebirge ausklingen.

Das Wettersteingebirge

Das Wettersteingebirge

Naja, selbstverständlich haben wir noch einmal ausgiebig die Partnachklamm erkundet und Mailin konnte mich nur mit Mühe davon abhalten eine neun-Stunden Tagestour zum Alpengarten auf dem Schachen zu machen. Die Partnachklamm ist übrigens ein touristisches Schauspiel der Sonderklasse. Das sollten sich Fischköppe auf keinen Fall entgehen lassen, wenn sie sich zufällig in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen aufhalten. Die Klamm ist leicht zu erreichen und sie ist schlichtweg der Hammer! Leider wissen das inzwischen auch viele andere Leute, weshalb sie später am Tag etwas überfüllt ist.

5 Kommentare zu Von Lenggries nach Garmisch-Partenkirchen

  • stefan

    Super toller Garten-Blog und auch die anderen Beiträge zur Politik, Umweltschutz und der Urlaubsbericht gefällt mir. Bin gerade auch aus Garmisch zurück, zwar keine Hüttenwanderung, wir haben die Berge rund um Garmisch bewandert: Wank, Kramer, Alpspitz (o.k. nur bis Osterfelderkopf). Von der Partnachklamm aber auch der Höllentalklamm waren wir auch begeistert.

    Hoffe ich komme jetzt öfter dazu, diesen Blog zu lesen und mich um meinen Garten zu kümmern. Muß wohl dringend die Bodenqualität verbessern. Melde mich dazu vielleicht demnächst noch mal. Schöne Grüße, Stefan

  • Elke

    Danke für euren tollen Bericht.
    Eure Route liegt ja fast direkt vor unsrer Haustür, aber grad deshalb und weil man durch so eine Routenbeschreibung wiedermal Lust auf die Heimat bekommt, hatte ich viel Spass beim lesen.
    Liebe Grüsse an Mailin
    Elke

  • Hi Elke, Mailin berichtete, dass in eurem Forum der Wunsch auf kam, dass wir Links in neuen Fenstern öffnen. Da das ein ziemlich grundlegendes Problem ist, habe ich in unserem Forum dazu mal etwas genauer Stellung genommen. Wie dort schon gesagt, ich halte das nicht für so eine gute Idee, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

  • Ihr habt vollkommen Recht, dass Ihr in Urlaub gefahren seid. Ich hatte bei 37 Grad im Garten gearbeitet und das war wirklich kein Vergnügen. Vielen Dank für Euren schönen Urlaubsbilder und den Reisetipp, denn in den Bergen war es bestimmt schöner und auch kühler als bei uns in der Rheinebene. Alles Gute ;-)

  • ellen

    Ich war schon so oft in der Ecke – jetzt merke ich, was ich alles versäumt habe. Beim nächsten Mal…

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