Invasive Neophyten im Garten

Ein Neophyt ist eine Pflanze, die durch menschlichen Einfluss in ein Gebiet eingeschleppt wurde, obwohl sie dort eigentlich nicht heimisch ist. Teilweise werden die Neophyten bewusst in dem neuen Lebensraum angesiedelt, wie zum Beispiel viele unserer Nutzpflanzen. Teilweise werden sie versehentlich eingeschleppt und manchmal dringen sie sogar selbstständig ein, nachdem der Mensch einen Lebensraum nachhaltig verändert hat.

Als invasiv bezeichnet man einen Neophyten, wenn er in der neuen Heimat nicht nur überlebt, sondern sich sogar selbstständig ausbreitet – wenn er also sozusagen eine Invasion in den neuen Lebensraum beginnt.

Invasive Neophyten, von denen auch viele in unseren Gärten stehen, sind in den vergangenen Jahren zunehmend ins Gerede gekommen. Der Riesenbärenklau breitet sich in manchen Gegenden extrem aus und verdrängt einheimische Arten. Darüber hinaus hinterlässt jede Berührung heftigste Hautreaktionen. Die Pollen des Beifußblättrigen Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern überhaupt; massenweises Auftreten des Drüsigen Springkrauts (Impatiens glandulifera) löst Erosion an Hängen aus und der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) zerstört durch seine Wurzelausläufer Straßenbeläge und sogar ganze Bauten. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Neophyten-Liebhaber, die mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten bekennen, dass sie Invasive Neophyten lieben.

Um der Sache mal etwas auf den Grund zu gehen, haben wir vor ein paar Tagen eine kleine Wanderung um unser Dorf gemacht, um zu sehen ob Invasive Neophyten in unserer Gegend eine Rolle spielen.

Springkraut

Springkraut

Ganz vereinzelt haben wir ein paar Vorkommen des Drüsigen Springkrauts gefunden. Man kann aber nicht sagen, dass es bisher in der Lage wäre einheimische Arten zu verdrängen oder gar zur Erosion an Hängen beizutragen – naja, ernst zu nehmende Hänge gibt es hier natürlich sowieso nicht.

Früher hatten wir kurz Springkraut in unserem Garten. Es hatte sich wohl bei einer Pflanztauschaktion als Samen mit eingeschlichen. Da Springkraut aber sehr dazu neigt sich im gesamten Garten unkontrolliert auszubreiten, haben wir es nach kurzer Zeit zum Unkraut erklärt und wieder ausgebürgert. Die Aktion hat mehrere Jahre gedauert und schloss auch Pflanzen auf einem Nachbargrundstück mit ein. Ich rate also zur Vorsicht, wenn man den plötzlichen Wunsch verspürt Springkraut in den eigenen Garten zu holen.

Goldrute

Goldrute

Die Kanadische Goldrute (Solidago gigantea) hat sich bei uns etwas weiter verbreitet als das Springkraut. Man findet sie inzwischen in mehreren kleinen Kolonien an Wegesrändern. Trotzdem besteht wohl auch bei der Goldrute keine Gefahr, dass sie demnächst einheimische Pflanzen gefährdet.

Früher hatten wir die Goldrute auch in unserem Garten. Sie musste dann aber dem Gartenhaus weichen. Eigentlich schade, denn ich persönlich mag die pflegeleichte Goldrute sehr gerne. Außerdem eignete sie sich immer hervorragend um beim Erntefest den Festwagen der Bröger zu schmücken. Im Gegensatz zu anderen Blumen verwelkt sie nicht so schnell und sieht auch ohne Wasserzufuhr lange gut aus.

Topinambur

Topinambur als Unkraut in Mais

Na, nicht so schlimm, wir können uns den Schmuck für den Festwagen ja jetzt auch in der Feldmark schneiden. Das haben wir in diesem Jahr übrigens auch gemacht, allerdings haben wir uns bei einem anderen Neophyten bedient – dem Topinambur.

Auch Topinambur (Helianthus tuberosus) kann sich in der freien Natur ausbreiten. In unserer Gegend kommt er gelegentlich an Feldrändern oder wie auf dem Bild als Unkraut in Mais vor.

Wir bauen in unserem Garten regelmäßig Topinambur an. Allerdings handelt es sich dabei offenbar um eine andere Sorte. Die Knollen unserer Pflanzen finde ich (und auch unsere Pferde) sehr wohlschmeckend. Die “wilden” Knollen fand ich dagegen eher nicht so toll. Möglicherweise werden in der Natur schnell wieder Pflanzen ausselektiert, die widerstandsfähiger, dafür aber nicht so wohlschmeckend sind.

Jakobskreuzkraut

Jakobskreuzkraut

Bis vor wenigen Jahren gab es in unserer Gegend definitiv kein Jakobskreuzkraut (Jakobsgreiskraut, Senecio jacobaea). Trotzdem soll es angeblich kein Neophyt sein. Mir ist es egal, denn das Zeugs ist sehr giftig für die Pferde und es hat sich hier in den letzten paar Jahren explosionsartig ausgebreitet. Auf der Pferdeweide reißen wir es deshalb aus, sobald wir es sehen.

Der bekannteste und gefürchtetste Invasive Neophyt ist wohl der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum), über den ich im Frühjahr schon einmal berichtet hatte. Er tritt in unserer Gegend an dem dort beschriebenen Standort sehr geballt auf und hat auf ca. 100 Quadratmetern alle anderen Pflanzen vollständig verdrängt. Ganz vereinzelte weitere Vorkommen (zum Beispiel an einem Bachlauf) werden offenbar systematisch bekämpft, zumindest hat sich der Riesenbärenklau dort nirgends in nennenswertem Umfang ansiedeln können.

Weblinks:

3 Kommentare zu Invasive Neophyten im Garten

  • Sehr guter Beitrag und interessante Links.
    Verschiedene Neophyten lassen sich sehr elegant mit Messer & Gabel regulieren.
    Das Springkraut beispielsweise indem alle Blüten zu Gelee und alle Samen zu Marzipan verarbeitet werden.
    Herzliche Grüße aus der Knöterich Manufaktur
    Peter Becker

  • Hmm, interessante Idee!
    Da ich geborener Skeptiker bin, habe ich natürlich erst mal versucht unabhängige Informationen zu finden (was etwas schwierig war, weil Du die Suchergebnisse zu diesem Thema in allen getesteten Suchmaschinen deutlich dominierst ;-)

    • Die Wikipedia schreibt: Alle Arten der Springkrautpflanzen sind in frischen Zustand leicht giftig. In der Volksmedizin hat diese Pflanze keinen besonderen Stellenwert. In manchen Regionen verwendet man diese Pflanzenart in hoher Dosierung als Brechmittel, in geringer Dosierung als harntreibenden Tee. Die Wikipedia bezieht sich dabei auf Die Kräuter in meinem Garten von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger
    • Imker lieben das Springkraut. Früher haben sie ordentlich zur Verbreitung beigetragen, heute wird das aber differenzierter gesehen.
    • In der Homöopatie und Bachblütentherapie ist Springkraut eine wichtige Pflanze. Dort ist sie als Impatiens bekannt.
    • Ganz vereinzelt findet man sogar Rezepte. Zum Beispiel schreibt Katharina in einem Kommentar hier: Aber warum denn gleich in den Müllsack, wenn man doch aus den Blüten eine leckere Marmelade kochen kann: 300g Blüten und einem 3/4 Liter Flüssigkeit (halb Wasser, halb Apfelsaft) mit 500g Gelierzucker 1:2 zubereiten.
      Auch Peter (auf den ich hier antworte) kann mit einem Rezept dienen (unten in diesem PDF-Dokument)

    Ob es möglich ist Springkraut durch aufessen nachhaltig zu regulieren, möchte ich mal bezweifeln, aber es hat den Anschein, dass man es tatsächlich essen kann. Ich hoffe es kommt jetzt niemand auf die Idee Springkraut im Garten anzubauen, um Gelee daraus zu machen. Beim Sammeln in freier Natur gelten natürlich auch hier die Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen, die Mailin in den letzten beiden Absätzen ihres Bärlauch-Rezeptes kurz angesprochen hatte.

  • Hallo Heiner,

    Erstmal Danke für`s Posten.
    Hier ist die aktuelle Version der Springkraut Info:http://www.newtritionink.de/shop/pdf/indischesspringkrautinfo.pdf (Leider hast du eine Ältere gefunden.)
    Sicherlich mögen Skeptiker und Kritiker bezweifeln das man das Springkraut so kontrollieren kann, aber Neophytenexperten auf der ganzen Welt haben nichts besseres anzubieten und wer die örtliche Biodiversität in seinen Naturschutzgebieten retten will, kann z.B. rotgelistete Pflanzengesellschaften dadurch schützen; alle Impatien Blüten im Umkreis zu verarbeitet.
    Die mögliche Produktpalette deren Profite dieses Naturschutzprojekt mitfinanzieren und die Resulte sind absolut überzeugend.

    Gruß

    Peter

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