Sachsenhain

Ich war Pole, und ich musste keine Gewissensbisse haben, weil ich mich vom Sachsenhain angezogen fühlte.
(Artur Becker in Mein Sachsenhain)

Ich bin Deutscher und meine Gefühle bezüglich des Sachsenhains sind entsprechend widersprüchlich.

Der Sachsenhain ist eine großflächige Denkmalanlage in Verden (Aller), die in den Jahren 1934 bis 1936 im Auftrag von Heinrich Himmler angelegt wurde. Die Entwürfe für die eigentliche Gestaltung des Sachsenhains werden dem Garten- und Landschaftsarchitekten Wilhelm Hübotter zugeschrieben.

Die Nazis wollten mit dem Sachsenhain eine Gedenkstätte für die Sachsen schaffen, die keine Lust hatten, sich von Karl dem Großen zum Christentum bekehren zu lassen. Der Legende nach wurden dort, wo die Aller in die Weser mündet durch den Frankenkönig 4500 Sachsen auf ziemlich niederträchtige Weise hingerichtet. Ob bei diesem Blutgericht zu Verden nun wirklich 4500 oder nur ein paar Dutzend Sachsen geköpft wurden, finde ich nach über tausend Jahren ehrlich gesagt nicht mehr so wichtig. Ich bin nur heilfroh, dass dabei keiner meiner direkten Vorfahren ums Leben kam, bevor er Nachwuchs gezeugt hatte.

Besonderes geschichtliches Feingefühl kann man den Erbauern des Sachsenhains nicht gerade bescheinigen. Der gut zwei Kilometer lange Rundweg, der den fünfzehn Hektar großen Innenbereich umschließt  wird von 4500 großen Steinen gesäumt, die an die getöteten Sachsen erinnern sollen. Einen nicht geringen Teil dieser Steine sollen sich die Nazis durch die Plünderung von jungsteinzeitlichen Megalithgräbern besorgt haben. Die betroffenen Gräber wurden dabei natürlich unwiederbringlich zerstört.

Trotz der offensichtlichen Widersprüche verstehe ich nicht ganz, wieso Verden ein solches Geheimnis um den Sachsenhain macht, denn es ist ohne Frage eine bemerkenswerte Anlage. Es mag daran liegen, dass er von einer kriminellen Bande erdacht wurde. Es kann auch daran liegen, dass die Kirchen ein Problem damit haben, dass einer ihrer Lieblinge nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern umging. Jedenfalls gibt es an den Straßen kaum Hinweisschilder und auf der Webseite der Stadt ist der Sachsenhain nicht unter den Sehenswürdigkeiten zu finden, sondern unter “ferner liefen“.

Am Freitag waren wir zufällig in Verden und haben dann auch gleich mal wieder einen Rundgang um den Sachsenhain gemacht. Hier ein paar Fotos:

Sachsenhain Rundweg Sachsenhain Kanzel

Steinbeißer Küsschen

Direkt am Rundweg befindet sich eine weitere Verdener Sehenswürdigkeit – die Storchenpflegestation. Eigentlich werden dort kranke, verletzte oder anderweitig pflegebedürftige Störche (z. B. verwaiste Jungvögel) gesund gepflegt, damit sie im Spätsommer zusammen mit ihren Kollegen gen Süden in die Winterquartiere fliegen können. Das scheint nicht unbedingt immer reibungslos zu funktionieren, denn auch jetzt im zeitigen Frühjahr ist dort ganz schön was los:

Storchennest Störche

Siehe auch:

Weblinks:

3 Kommentare zu Sachsenhain

  • Was für eine Anlage, da müssen seltsame Kräfte (wertfrei!) am Werk sein: Baum gebiert Stein, Bäume küssen sich…
    Dass die Steine von Megalithgräbern geplündert wurden, tut ja in der Seele weh! Mit der Würdigung der Geschichte kann es da ja nicht wirklich weit her gewesen sein. Und der Umgang mit der jüngeren Geschichte ist anscheinend heute noch tabu.
    Bei uns hier im Ort soll demnächst ein Projekt anlaufen, das sich mit der NS-Zeit beschäftigt. Die wird bei Vorträgen zur Geschichte unseres kleinen Städtchens immer tunlichst ausgelassen. Immer noch!
    Liebe Grüße, Margit

  • Gerade habe ich mich gefragt, wo dieser Küssende Stein hier sein soll, ich wohne bei Verden. Witzigerweise habe ich von den Sachsensteinen NOCH NIE was gehört. Obwohl ich soche Plätze sehr interessant finde und nach ihnen ausschau halte, wann immer möglich. Schade das die Erbauer leider auch viel zerstört haben, was mich viel mehr interessiert hätte…

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