Square Foot Gardening

Gestern stolperte ich wieder einmal über eines dieser Videos, in denen lang und breit erklärt wird, wie “Square Foot Gardening” funktioniert. Obwohl ich bei dieser Methode so meine Zweifel habe, möchte ich euch die halbstündige (englischsprachige) Einführung nicht vorenthalten. Immerhin spart man sich durch Square Foot Gardening nach Angaben der Autoren

  • 80 Prozent des Platzes
  • 80 Prozent der Arbeit
  • 80 Prozent des Unkrauts
  • 80 Prozent der Bewässerung
  • und 80 Prozent des Abfalls

Square Foot Gardening – irgendwie erinnert mich das an unsere lieben Freunde im nahe gelegenen Teufelsmoor. Denen sagt man hier in der Gegend nach, dass sie im Laufe der Evolution (gestern war übrigens Darwins 200. Geburtstag) besonders große Füße entwickelt haben, um im Moor besser überleben zu können. Square Foot Gardening – Gärtnern mit Quadratlatschen?

Nicht ganz. Square Foot Gardening ist eine gärtnerische Anbaumethode, die auf ein Buch von Mel Bartholomew aus dem Jahre 1981 zurückgeht und durch einige gleichnamige Fernsehsendungen im us-amerikanischen Fernsehsender-Netzwerk PBS bekannt wurde. Im Grunde beruht diese Methode darauf, dass man beim Anbau von Früchten im Garten nicht in Reihen denkt, sondern in Quadraten.  Jedes Beet im Garten wird in kleine Quadrate mit einer Größe von einem Quadratfuß also etwa 30 mal 30 Zentimeter aufgeteilt. Auf jedem dieser kleinen Quadrate können nun verschiedene Früchte angebaut werden, zum Beispiel eine extragroße Pflanze wie ein Blumenkohl oder vier große Pflanzen wie zum Beispiel Pflücksalat oder neun mittelgroße Pflanzen wie Buschbohnen oder 16 kleine Pflanzen wie Möhren oder Radieschen.

Bis hier her kann man ja als “normaler” Gärtner noch einigermaßen folgen. Es ist zwar nicht wirklich ersichtlich,  wie durch diesen Anbau in Quadraten vier Fünftel der Arbeit eingespart werden kann, oder wieso man für den gleichen Ertrag nur noch ein Fünftel der ursprünglichen Fläche benötigt, aber es geht ja auch noch weiter. Die Früchte werden nämlich nicht in normaler Gartenerde gezogen, sondern in einem Substrat namens “Mel’s Mix” in einer Kiste, die auf der normalen Gartenerde liegt. Mel’s Mix ist eine Mischung aus einem Drittel Kompost, einem Drittel Torf und einem Drittel Vermiculit. OK, an dieser Stelle bin ich raus aus dieser Quadratfuß-Nummer, denn ich habe nicht vor, meine Essgewohnheiten auf meine alten Tage noch auf völlig überdüngtes Gemüse umzustellen. Und Torf hat mit einer biologischen Anbaumethode wohl auch nicht viel zu tun. Wieso diese Methode einen fünf mal höheren Flächenertrag bringen soll, als unserer traditioneller Anbau in Reihen ist mir übrigens immer noch nicht recht klar.

Hier noch ein etwas kürzeres Video, in dem Mel Bartholomew versucht seine Anbaumethode zu erläutern. Beim Arbeitsaufwand flippt er hier endgültig aus und behauptet, man käme beim Square Foot Gardening gegenüber konventionellem Anbau mit zwei Prozent der Arbeit aus. Ich wünsche ihm noch viel Spaß beim Rasenmähen zwischen seinen Mini-Hochbeeten …

Siehe auch:

Weblinks:

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10 Kommentare zu Square Foot Gardening

  • ….und was uns bei dieser Methode besonders auffaellt sind die Kosten. Wir haben uns das Buch von Mel Bartholomew einmal durchgelesen und durchaus einige interessante Methoden kennengelernt. Bei der Suche nach Vermiculit stoesst man schnell an Grenzen. Wir zumindest konnten keinen Lieferanten finden bei dem man es zu moderatem Preis in entsprechender Menge beziehen kann. Was diese Methode ansonsten interessant macht ist die Tatsache, das nur die Flaeche erhalten werden muss, die auch wirklich bebaut wird. Alles andere wie z.B. Wege sind nicht vorhanden. Wer die Moeglichkeit hat, dieses Buch einmal in der Buecherei zu bekommen sollte ruhig einmal einen Blick hineinwerfen.

    rr

  • Das mit den Wegen zum Beispiel habe ich überhaupt nicht verstanden. Was sind denn die Zwischenräume zwischen den einzelnen 4×4 Fuß Beeten anderes als Wege. In dem ersten längeren Video rät Mel dazu diese Zwischenräume mindestens 3 Fuß breit zu machen. Dadurch steigt das Wege/Beete Flächenverhältnis auf über 1,5 zu 1 – eine extreme Verschwendung von Platz wie ich finde.

  • Ist schon richtig. Nur das die Wege einfach aus Rasen oder Gehwegplatten bestehen koennen und somit nicht viel mehr als Rasenschneiden anfaellt. Bestellt man seinen Garten in Reihen, so muss man, zumindest die meisten Gaertner die wir kennen handhaben es so, diese mit umgraben. Sofern man noch umgraebt. Gut, es gibt auch den Hinweis, die Wege mit Spinat einzusaeen und jedes Jahr ein paar Reihen versetzt anzubauen. Ich muesste jetzt nachsehen wie die Dame heisst die diese Methode empfiehlt. Der ganze Garten wird uebersichtlicher und besser zugaenglich, verwendet man Square Foot Gardening.

    Der von Mel Bartholomew angegebene Mehrertrag, auf die Flaeche gerechnet, halten wir allerdings auch fuer uebertrieben. Auf unserer Seite http://neulichimgarten.de/blog/ haben wir Filme eines Gartens in Grossbritannien http://neulichimgarten.de/blog/im-internet-gefunden/1329/ vorgestellt, in dem alle Beete schoen umrandet sind. Ist nicht unbedingt Square Foot Gardening genau umgesetzt, aber die Beetumrandungen sind schon ein Teil davon. Sieht doch prima aus.

    Im deutschsprachigen Raum haben wir allerdings noch niemanden gefunden, der Square Foot Gardening in grossem Stil umgesetzt hat. Ganz im Gegensatz zu englischsprachigen Seiten. Fuer Erfahrungen waeren wir dankbar.

  • Ganz allgemein ist easy gardening ein Thema. Gärtnern ist gerade von Seiten der sogenannten Profis (muss mich auch so schimpfen;-)) viel zu sehr mit Dingen, Pseudowissen und unwichtigem Kleinkram belastet, die die Schwelle zum Garten und zum Gärtnern viel zu hoch legen. Dabei gilt beim Gärtnern ganz grundsätzlich auch die Pareto-Regel: Mit 20 % des Aufwandes, richtig eingesetzt, kann 80% des maximalen Erfolgs erreicht werden. Genau daran sollte man sich halten, wenn man mehr und jüngere Leute fürs Gärtnern begeistern möchte!!!

    Wenn man nun unter easy gardening zunächst mal die konsequente Anwendung der Pareto-Regel versteht, wie muss man dann das SFG einordnen??? Eigentlich bringt es zunächst mehr Aufwand, mehr zu erledigende Schritte, mehr Input, mehr Hürden(vor allem seit noch ein eigenens Substrat empfohlen wird, das war ursprünglich nicht der Fall). Das eigentlich Interessante daran ist, dass es dem Gärtner und Gärtnern im eigentlichen und übertragenen Sinne einen Rahmen setzt, innerhalb dessen man sich bewegt. Die Einengung ist gerade das Erleichternde und Einfache: Ich muss nicht mehr alles selber überlegen und entscheiden, es wird mir ein Rahmen vorgegeben. Voila!

    Das kann man nun begrüssen oder verurteilen (wo bleibt die Freiheit!, aber für viele potentielle Gärtner wäre das sicher eine Erleichterung.Dazu kommen noch die unterstützenden Trends urbanes Gärtnern, Terrassengärtnern, kleinere Gärten.

    Fazit: Ideal wäre die Kombination von easygardening nach Pareto und der Vorgabe eines einfachen Rahmens ohne zu viel technischen Input. Dann ein Set aus Pflanzen und Pflanzideen zur freien Rekombination….

    Was meint ihr?

  • Ich würde ja zustimmen, wenn “Square Foot Gardening” als eine Methode des “Easy Gardening” angepriesen würde. Wird sie aber nicht! Mel Bartholomew preist sein “Square Foot Gardening” als besonders natürlich und besonders nachhaltig an. Meiner Ansicht nach ist aber das genaue Gegenteil der Fall. Mel Bartholomew behauptet er bekomme nur eine Antwort auf die Frage, warum Gemüse in Reihen angebaut wird: “That’s the way we’ve allways done it”. Ich möchte echt mal wissen, mit wem er gesprochen hat, mit mir jedenfalls nicht.

  • sabine

    scheint mir eine gute idee fürs hochbeet zu sein!

    • Versuch das mal näher zu begründen. Wie gesagt, ich sehe einfach nicht welchen Vorteil das haben soll. Die Argumente von Mel Bartholomew halte ich jedenfalls für – naja sagen wir es freundlich – ziemlichen Schwachsinn. Ich sag’ nur “zwei Prozent der Arbeit” ;-)

  • Bevor wir angefangen haben, unseren Gemüsegarten anzulegen, hatte ich auch schon eine Menge von Square Foot Garden gehört und fand die Idee interessant. Vermiculit hier in Deutschland zu kaufen, ist keine Option, denke ich. Das Zeug ist sehr, sehr teuer.

    Die Idee, übersichtliche Quadrate zu haben, bei denen man von allen Seiten gut an das Gemüse kann, fand ich richtig prima.

    Aber am Ende haben wir das alles dann doch ganz anders gemacht *lach* Wir haben 2 hohe Holz – Hochbeete (ein 3. soll nächstes Jahr folgen). Die sind super! Man kann einfach so im Vorbeigehen ernten, Unkraut rauszupfen etc.

    Dann haben wir noch 4 lange Beete, die mit alten Backsteinen gebaut sind. Ein paar Meter lang und ca. 1,20 tief, 3 – 4 Backsteine hoch. Das Ganze mit einem Erde / Komposterde Gemisch gefüllt. Die Backsteine sind nur aufeinandergelegt – das funktioniert prima. Zwischen den Beeten liegen auch Backsteine als Wege.

    Das Ganze sieht meiner Meinung nach auch noch recht schön aus, weil es eben alles alte, unegale, verschiedenfarbige (alle rot) Backsteine sind. Zwischen den (ungefüllten) Fugen drängeln sich sogar teilweise Hornveilchen raus, Vogelmiere natürlich und sogar an den Rändern Löwenmäulchen.

    Man kann also sogar bei Regenwetter trockenen Fußes überall im Gemüsegarten hin, kann an den Hochbeeten superbequem arbeiten, bei den anderen aber auch besser, als wenn das Gemüse auf der Erde steht. Außerdem wächst alles in den Beeten sehr gut, besonders in den Holz – Hochbeeten.

    Der Nachteil ist natürlich, dass das Ganze viel mehr Platz verbraucht, als wenn man ein großes Beet hat und festgetretenen Reihen. Aber ich habe noch in Erinnerung, wie meine Schwiegermutter hier früher im Garten stand…. Po in die Höhe und Kopf nach unten beim Arbeiten… Da bin ich schon recht froh, dass wir das alles “erhöht” und unterteilt stehen haben :)

  • Danke Heiner, sehr gute Stellungnahme zum Square-Foot-Gardening. Volle Zustimmung!

  • Ich hab mich auch mal mit dem Thema befasst und vor einiger Zeit auch mal einen kleinen Vortrag zu dem Thema vorbereitet (im Rahmen einer hauswirtschaftlichen Ausbildung).

    Ich finde einige Ansatzpunkte interessant und ich habe die Einteilung in Quadrate auf einem der bestehenden Beete bei mir zuhause übernommen. Meine Beete sind aber vorgegeben, das waren früher Frühbeete für Ackerrüben, sie sind mit Beton eingefasst und eigentlich zu tief, um bequem arbeiten zu können (ich werde nach und nach die Höhe aufstocken mit Bälkchen, dann wirds leichter). Jedenfalls habe ich also Quadrate eingeteilt, allerdings größer als gemeinhin angegeben (ca. 45 x 45 cm), weil das einfach so gepasst hat von der Beetgröße her. auf die Quadratkreuzungen hab ich zum Teil Blumen gepflanzt (Lupinen, Ringelblumen, Nelken, Zinnien) und in die Quadrate “was ich grad so rumfliegen hatte”.
    Für MICH, die ich mich grad in meinen neuen Garten einfind und auch iin die Situation, dass ich jetzt für zwei bis vier Leute anbau statt nur für mich, hat sich das Quadratbeet erst mal bewährt und ich werd es nächstes Jahr wieder machen.
    Ich habe auf diesem Beet ein paar Saaten ausprobiert, die ich vorher noch nicht gehabt habe und für die ich nicht ein halbes Beet herschenken wollte, ohne zu wissen, was dabei rauskommt. Einfach ein Quadrat, ausprobieren, fertig.
    Ein weiterer Pluspunkt für mich, die ich eh sehr gemischt bis chaotisch ansäe und noch nie groß auf Reihen geachtet habe: Es sieht sehr schön aus, das Beet. :)

    Auch hab ich länger wachsende Kulturen in die unzugänglichere Mitte des Beetes gesät/gepflanzt und schnell erntbares an den Rand. Das könnte man natürlich aber in einem Reihenbeet auch machen.

    Den ganzen Schnickschnack mit der speziellen Superspezialerde hab ich mir allerdings geschenkt, wir haben großartige Erde hier. Und wie du schon sagst, 1/3 Kompost ist nun eher zu viel.

    Wie auch immer… schön geschrieben, dein Artikel. :)

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