Pflanzkartoffeln ernten und lagern

Kartoffelernte

Kartoffelernte

Ich hatte hier schon gelegentlich darauf hingewiesen, dass ich es nicht für besonders sinnvoll halte, im Garten eigene Pflanzkartoffeln anzupflanzen. Zertifizierte neue Pflanzkartoffeln sind (hoffentlich) frei von Krankheiten, sie haben den Winter unter optimalen Bedingungen verbracht und sie sind nicht viel teurer als Speisekartoffeln (die wiederum skandalös billig sind!)

Ach ja, sich irgendwelches nicht zertifiziertes Pflanzgut aus unbekannter Herkunft bei Ebay zu kaufen halte ich persönlich übrigens für total plemplem. Nur zur Erinnerung, bei Auftreten von Kartoffelkrebs besteht Anzeigepflicht. Der Kartoffelanbau wird auf der befallenen Fläche verboten. Und in Nachbargärten dürfen dann nur noch bestimmte Sorten angebaut werden.

Gut, auf mich hört ja doch keiner. Wie erntet und lagert man also optimale Pflanzkartoffeln für den eigenen Nachbau?

Nur gesunde Knollen einlagern

Natürlich dürfen nur unverletzte und völlig gesunde Pflanzkartoffeln eingelagert werden. Schon während der Vegetationsperiode müssen alle Pflanzen aussortiert werden, die an Kartoffelviren leiden oder andere Krankheiten haben. Manchmal ist es nicht ganz einfach einen Virusbefall genau zu diagnostizieren. Deshalb sollten alle Pflanzen entfernt werden, die irgendwie “komisch” aussehen.

Um den Befall der Knollen mit Kraut- und Knollenfäule zu verhindern müssen die Kartoffeln ganz reif sein. Das Kraut sollte also vollständig abgestorben sein. Außerdem müssen die Knollen während und nach der Ernte mit größter Vorsicht behandelt werden, damit sie nicht verletzt werden.

Die Größe der Knollen

Sehr große Kartoffeln (z.B. größer als 55 Millimeter) sind erheblich schwerer als kleine Kartoffeln, sie bilden aber nur unverhältnismäßig mehr Triebe. Bevor man sie also im Frühling wieder in den Garten schleppt, sollte man sie lieber aussortieren und essen.

Sehr kleine Kartoffeln (z.B. kleiner als 28 Millimeter) treiben meist trotzdem drei Triebe, sie können diese aber nicht optimal versorgen. Deshalb sollte man die sehr kleinen Kartoffeln lieber ebenfalls aussortieren oder zumindest mit ganz besonderer Sorgfalt behandeln (nicht zu tief pflanzen, gut vorkeimen).

Lagerung über den Winter

Wenn die Knollen trocken, gesund und unverletzt geerntet wurden, dann sind die wichtigsten Gründe für irgendwelche Nassfäulen im Lager schon ausgeschlossen. Darüber hinaus muss dafür gesorgt werden, dass die Kartoffeln nicht vorzeitig beginnen zu keimen.

Das Keimen der Kartoffeln wird vor allem durch die Temperatur im Lager beeinflusst. Wenn es ganz optimal läuft, dann sollte die Temperatur folgendermaßen verlaufen:

  1. Trocknen: Die Kartoffeln müssen trocken gelagert werden. Dazu werden die Kartoffeln bei normaler Außentemperatur zwei Tage lang gut belüftet. Vorsicht, wenn die Außentemperatur höher ist als die Temperatur der Kartoffeln, kann es zu Kondensation von Wasser an den Knollen kommen
  2. Wundheilung: In der Wundheilungsphase sollen die Knollen die bei der Ernte entstandenen kleinen Verletzungen ausheilen. Diese Phase dauert ein bis zwei Wochen. Während dieser Zeit soll die Temperatur etwa 12 bis 16 Grad betragen.
  3. Abkühlung: Die Abkühlung sollte nicht zu abrupt geschehen. Optimal ist eine Abkühlung von einem Grad in drei bis fünf Tagen
  4. Endlagerung: Während der Endlagerung soll die Temperatur nicht zu stark (und nicht zu abrupt) schwanken. Optimal ist eine Lagerung bei Temperaturen von vier und sechs Grad.

Wichtig ist auch, dass die Pflanzkartoffeln niemals Frost bekommen!

Es ist schon klar, dass es nicht so einfach ist diesen Temperaturverlauf Zuhause hinzubekommen. Aber zumindest sollte man sich grob daran orientieren. Es ist zum Beispiel nicht sinnvoll die Knollen gleich nach der Ernte in den Kühlschrank zu legen. Andererseits wird die Lagerung im Heizungskeller auch nicht unbedingt gelingen.

Siehe auch:

12 Kommentare zu Pflanzkartoffeln ernten und lagern

  • alina

    tolle tipps! meine kartoffeln haben den letzten winter leider nicht überlebt, diesen werde ich es wohl nochmal versuchen :-)

    • Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich solche bescheuerten Links freischalte. Nur mal aus Interesse – das Angebot hinter dem Link ist sicherlich illegal. Verdient man mit solchen dümmlichen Kommentaren wirklich genug, um die Konsequenzen einer Beihilfe auf einer Backe abzureißen?

  • Susi

    Vielleicht versuche ich es doch auch einmal Kartoffeln anzupflanzen. Bisher war mir das immer zu viel Action :). Pflanzt du denn jedes Jahr auch selbst Kartoffeln an?

  • Danke, jetzt kann ich beruhigt alle aufessen;-)
    Liebe Grüße, Margit

  • Klaus

    Liebe Kartoffelfans,

    ich pflanze in meinem Garten die französische Feinschmeckersorte La Bonnotte mit großem Erfolg an. Nachstehend Info über die Sorte. Die Sorte führt GÜNDELS KULTURSTALL

    Eine sehr empfehlenswerte Kartoffel.

    Klaus

    • Moin Klaus,

      ich habe den längeren zitierten Text sicherheitshalber mal gelöscht, weil ich ihn auch woanders im Internet gefunden habe. (Beim Copyrightverletzungen kann man heute nicht vorsichtig genug sein.) Stattdessen verlinke ich mal den Artikel Bonnotte in der Wikipedia.

  • Michael Biester

    Danke für den Bericht, ich muß dir nur in einem kleinen Punkt widersprechen. Es gibt Kartoffelsorten (in meinem Fall die Patata nigra von Teneriffa) die du hier ganz sicher nicht als zertifizierte Pflanzkartoffel bekommst, auch anders keine Chance. Und ich hab für Top- Qualität in nem normalen Gemüseladen auf Teneriffa schon 10€/kg bezahlt. Da lohnt sich der Versuch auf jeden Fall ;)

  • zanke

    Hallo,
    danke für diesen sehr informativen Artikel.
    Meine Frage ist, ob man Kartoffeln auch in einem Erdkühlschrank lagern kann? Habt ihr da Erfahrungen?

    Danke für die Antwort im voraus.
    LG
    Zanke

  • Peter

    Im Handel beschränkt sich die Auswahl für Hobbygärtner/-innen meist nur auf 10 – 30 Sorten. Weltweit gibt es aber ca. 5000 Kartoffelsorten! Wenn man der Empfehlung oben im Artikel folgt und nur zertifizierte neue Pflanzkartoffeln kauft, dann ist es quasi unmöglich, alte und seltene Kartoffelsorten zu bekommen. Gerade viele ältere Sorten haben einen (sehr) guten Geschmack und sind oft auch wenig anfällig gegenüber Krankheiten. Solche Sorten erhält man meist nicht im kommerziellen Handel, sondern nur von Vereinen u. Initiativen (z. B. Dreschflegel, ProSpecieRara, VEN, VERN, Arche Noah) u. von Privatpersonen, die alte Sorten erhalten.

    Falls man Knollen hat, die verletzt wurden, und diese trotzdem als Pflanzkartoffeln verwenden will (z. B. weil man von einer Sorte nur sehr wenige Knollen hat), sollte man die Wunden mit Holzkohlepulver einpudern. Dies beugt Pilzbefall u. Fäulnis vor.
    Falls es doch schon irgendwo fault, schneidet man die Faulstellen bis ins nicht befallene Gewebe hinein aus, danach pudert man die Schnittflächen mit Holzkohlepulver ein.

    Zitat Artikel: „Andererseits wird die Lagerung im Heizungskeller auch nicht unbedingt gelingen.“

    Auch in Kellern, in denen keine Heizung steht, ist es häufig zu warm. Bei mir im Altbau schwankt die Kellertemperatur meist zwischen 4 °C und 12 °C. Einmal habe ich im Herbst Kartoffeln im Keller eingelagert, schon nach ca. 2 Wochen begannen diese zu keimen.

    Ich habe es dann so gemacht wie zu Zeiten der Großeltern und habe die Kartoffeln in einer Erdgrube im Garten überwintert:

    Dazu wird an einer Stelle ohne Staunässe ein Loch ausgehoben, welches so tief ist, dass der Frost im Winter nicht bis zum Boden des Lochs vordringt (in meiner Region kommt der Frost meist max. 60 – 80 cm tief). Falls man nicht genau weiß, wie tief es friert, dann schaue man sich mal an (z. B. auf Baustellen o. man fragt Leute vom Bau), in welcher Tiefe Wasserleitungen liegen, die ganzjährig Wasser führen.

    Boden u. Wände des Lochs werden mit einem mäusesicheren Drahtgitter verkleidet. Ganz unten kommt eine Drainage-Schicht aus Splitt/Kies u. Sand ins Loch. Dann schichtet man abwechselnd lockere Erde (o. Sand) und Kartoffeln in das Loch. Wenn alles gefüllt ist, kommt obendrauf zum Schutz ein Mäusegitter, welches mit den Gittern an den Seiten gut abschließt. Das obere Gitter kann noch mit einem Stein beschwert werden.
    Obendrauf kommt als Frostschutz eine dickere Schicht Erde (min ca. 20 – 30 cm). Wenn man will, kann man noch einen Regenschutz über der Grube anbringen, z. B. einen großen Regentonnendeckel oder eine dickere Folie.
    Oben drauf kommen als zusätzlicher Frostschutz z. B. Laub, Stroh, Reisig u. Koniferen-Zweige.
    Man kann die Erde über der Grube und den Reisig /die Koniferen-Zweige so aufschichten, dass sie in der Mitte am höchsten sind und zu den Seiten hin abfallen. Dann kann ein Großteil des Regenwassers seitlich abfließen.

    Wenn man sehr feuchten Boden hat, sollte man statt einer Grube (in der die Knollen faulen könnten) besser eine oberirdische Erdmiete anlegen:

    Auf den Boden kommt ein Mäuseschutzgitter. Man schichtet abwechselnd lockere Erde (o. Sand) und Kartoffeln auf, wobei der Haufen nach oben hin schmaler wird. Über die Seiten bis nach oben kommt ein Mäuseschutzgitter.
    Dann deckt man Seiten und Gipfel mit einer Erdschicht (min. 20 – 30 cm dick) ab, die den Frost abhält. Es sollte am Ende etwa so aussehen wie ein Dach mit Dachfirst und schrägen Seiten, an denen Regenwasser nach außen abfließen kann. Den Erdhaufen deckt man zum zusätzlichen Frostschutz mit einer dickeren Schicht (nochmal min. ca. 30 cm) aus z. B. Laub, Stroh, Reisig u. Koniferen-Zweigen ab.

    Früher gab es auf dem Land Erdkeller, in denen Gemüse u. Obst ganzjährig gelagert wurden (es gab noch keine Kühlschränke, Kühlräume etc.), dort war die Erdschicht über dem Keller noch dicker.
    Wer so einen alten Erdkeller hat, kann diesen natürlich auch nutzen, um Pflanzkartoffeln zu lagern (unsere Vorfahren haben dies jahrhundertelang so gemacht).
    Man kann, wenn man den Platz dafür hat, einen Erdkeller auch neu bauen, entsprechende Anleitungen findet man im Internet und in Büchern über Permakultur bzw. Selbstversorgung.

    Auch Keller von ungeheizten Gebäuden wie z. B. Keller von Gartenlauben sind meist frostfrei, aber nicht zu warm.
    Allerdings gibt es dort häufig Mäuse. Wenn man dort also Kartoffeln, anderes Gemüse o. Obst lagern möchte, solle man es in mäusesicheren Kisten unterbringen.

  • Hallo Heiner,
    die Silke von ‘Wildwuchs unter Aufsicht’ liest immer sehr gerne deine Linkliste und würde sich freuen, wenn einige Blogs wieder aktuell sind.
    Ich bin von ‘Unser steiniger Stadtgarten’ umgezogen zum Bergblumengarten (Siehe Link oben).
    Im Moment zeigt deine Liste nur den letzten Post vom alten Blog an.
    Einfach den alten Blog löschen und den anderen neu eintragen…das wäre prima.
    LG Sigrun

Antworten auf Michael Biester

 

 

 

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