Möhrensaft und Vitamin A Überdosierung

Im Herbst und Winter gibt es bei uns fast täglich Obst und Gemüse in flüssiger Form. Obst- und Gemüsesaft ist superlecker und als Bonus wird man auch noch reichlich mit allen möglichen Vitaminen versorgt. Aber wie ist das eigentlich mit dem Vitamin A? Ich mag besonders gern Möhrensaft mit etwas Apfel und Birne. Muss ich mir da Sorgen wegen einer Vitamin A Überdosierung machen?

Möhrensaft

Ganz frischer Möhrensaft

Vitamin A ist die Bezeichnung für eine Reihe von Retinoiden, die im menschlichen Stoffwechsel wichtige Aufgaben übernehmen. Zum Beispiel fördern sie die Bildung neuer roter Blutkörperchen, sie fördern die Nervenzellen im Gehirn und im Rückmark und sie verbessern die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten aller Art.

Leider kann es aber auch zu einer Überdosierung von Vitamin A kommen. Als Folge davon kommt es zu üblen Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Osteoporose, schmerzhaften Wucherungen der Knochenhaut, Vergrößerung von Leber und Milz, Verringerung der Schilddrüsentätigkeit und etliches mehr. Es ist also nicht besonders schlau Vitamin A im Übermaß zu sich zu nehmen. Vorsicht ist insbesondere bei der Leber von Tieren geboten. Sie kann außerordentlich viel Vitamin A bis hin zu toxischen Mengen enthalten.

In Möhrensaft ist zwar gar kein Vitamin A enthalten, aber er enthält dafür große Mengen an Carotinen (Provitamin A). Und Carotine werden im menschlichen Organismus zu Vitamin A umgewandelt. Einhundert Gramm Möhrensaft enthalten laut U.S. Department of Agriculture knapp ein Milligramm potentielles Vitamin A (Retinoläquivalent). Das ist ziemlich genau die Menge, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Bedarf für einen erwachsenen Mann ansieht (1 Milligramm für Männer, 0,8 Milligramm für Frauen)

OK, nun trinke ich täglich im Schnitt sicherlich mehr als 100 Gramm Möhrensaft. Trotzdem sind bei mir bisher noch keine “schmerzhaften Wucherungen an der Knochenhaut” aufgetreten. Das ist auch kein Wunder, denn mit Carotinen kann man sich nicht so leicht vergiften. Sobald der Körper mit Vitamin A überversorgt ist, wird die Umwandlung von Carotinen zu Vitamin A verlangsamt. Die Carotine werden stattdessen zum Teil im Fettgewebe gespeichert. Diese eingelagerten Carotine sind dann für die Verfärbung der Haut von exzessiven Möhrensaft-Trinkern verantwortlich.

Bis jetzt ist meine Haut noch nicht gelb geworden. Ich kann mich also wohl getrost noch etwas länger am täglichen Apfel/Birne/Möhrensaft erfreuen.

6 Kommentare zu Möhrensaft und Vitamin A Überdosierung

  • Mille1928

    Der Beitrag ist außerordentlich gut geschrieben und enthält Informationen, die ich nicht kannte. Selbst mein Arzt hat nichts gesagt, wegen Möhrensaft und Osteoporose (das habe ich nämlich und kann mich manche Tage kaum bewegen).
    Wenn sich der Möhrensaft im Fettgewebe ansetzt, dann scheint das ja schon ein Zuviel zu sein. Warum geben dann viele Mütter ihren Kindern Möhrensaft? Wir haben hier eis in der Nachbarschaft, das sieht schon so gelb/orange aus. Sollte ich der Mutter lieber Bescheid geben, warum ihr Kind so eine Hautfarbe hat? Oder trete ich da in ein Fettnäpfchen?

    • Warte mal, Osteoporose ist ein Symptom bei längerer Vitamin A Überdosierung. Das Karotin aus dem Mörensaft wird aber bei ausreichender Versorgung kaum noch in Vitamin A umgewandelt.

      Sicherheitshalber der Hinweis, dass ich kein Arzt bin. Und der Hinweis, dass man überhaupt kein Lebensmittel in exzessiven Mengen zu sich nehmen sollte, ist sicherlich auch nicht verkehrt. Trotzdem gilt es als harmlos, wenn Karotin im Fettgewebe eingelagert wird. Siehe dazu auch den Absatz zur Hypervitaminose im Vitamin A Artikel der Wikipedia.

      Kindern wird übrigens immer so viel Vitamin A (Möhrensaft, Lebertran) gegeben, weil es beim Aufbau und dem Wachstum von Knochen eine Rolle spielt. Ich denke dabei mit Grausen an meine Kindheit zurück; damals gab es noch echten Lebertran ;-)

    • Hier noch ein Link zum Thema Vitamin A und Osteoporose beim Deutschen Orthopäden Verband: Medikamente, die eine Osteoporose fördern: Vitamin A.

      Danach hat eine Studie an über 70000 Frauen ergeben, dass die Zufuhr von mehr als 3 Milligramm Vitamin-A pro Tag das Risiko einer Hüftfraktur um 48 Prozent steigert. Karotin wird auch dort als unkritisch angesehen, weil es “angepasst an den Bedarf” in Retinol (Vitamin A) umgewandelt wird.

  • Hallo Heiner, danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe mir beide Links angesehen und dabei festgestellt, dass ich wohl an meiner Ernährung was ändern muss und zusätzlich Vitamin D brauche. Mal sehen ob es jetzt besser wird und meine Schmerzen geringer werden.

  • Dude

    Iiiiiiih wäääääk, Karottensaft, pfui deibel!
    Ich hab das mal gemacht weil ich nicht glauben wollte, dass echter Karottensaft, wie er scheinbar von [Firma1] hergestellt wird, so eklig sein kann. Fazit: [Firma1] ist Natur pur, aber schmecken tut’s scheusslich. Ich steh zwar mehr auf Natur als Kunst, aber der Orangen- Karottensaft von [Firma2] schmeckt definitiv besser – und zwar ohne nur schon beim Riechen Brechreiz herauf zu beschwören…

    Aber coole Info und so, yooo!

    • Als Heranwachsender habe ich mal eine längere Versuchsreihe gemacht, um den Geschmack von frischem Möhrensaft für längere Zeit zu konservieren (Ich stamme von einem Gemüsebau-Betrieb mit intensivem Möhren-Anbau)

      Mein Fazit: Es geht nicht!

      Möhrensaft verändert schon nach kurzer Zeit seinen Geschmack. Weder ich noch irgendeine professionelle Firma haben es bisher geschafft diesen Geschmack einzufangen und länger zu bewahren. Ich rate also ganz klar zu frischem Möhrensaft ;-)

      Übrigens habe ich die Firmannamen in Deinem Kommentar mal entfernt. Ich traue heutigen Lebensmittelfirmen locker zu, dass sie für “eklig” oder “scheußlich” gleich ihre Abmahnanwälte auf mich (respektive Dich) hetzen ;-)

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