Schwarzer Winter-Rettich

Im frühen Frühjahr fanden wir in unserer Gemüsekiste einen seltsamen Rettich, den wir beide noch nie probiert hatten. Wir waren uns schnell einig, dass dieser Rettich mit seiner pechschwarzen Schale und dem weißen Fleisch zwar sehr interessant aussieht, dass dieses spezielle Exemplar aber roh eher nicht genießbar ist. Er war relativ trocken und schmeckte dazu auch noch sehr bitter. Dazu aber später mehr.

Als wir kurz danach die Bestellung für unser diesjähriges Mais-Saatgut aufgaben, bestellten wir kurzerhand gleich ein paar Samen des Schwarzen Winterrettichs (Raphanus sativus) mit. Wir wollten doch mal sehen, ob der Schwarze Winterrettich in unserem Garten einen etwas freundlicheren Geschmack annehmen würde. Ein paar Tage später kaufte ich dann zusätzlich noch eine weitere recht preiswerte Tüte mit Samen des Schwarzen Rettich, um mal zu sehen, wie er sich bei Frühjahrsaussaat verhält. In der Wikipedia ist nämlich davon die Rede, dass er eine “einjährige krautige Pflanze” ist, was ich persönlich für einen groben Schnitzer halte. Einjährige (annuelle) Pflanzen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihren gesamten Lebenszyklus (Keimung des Samens, Ausbildung der Pflanze, Bildung der Blüte, Befruchtung, Reife des neuen Samens) in einer Vegetationsperiode durchlaufen. Zweijährige Pflanzen bleiben dagegen in der ersten Vegetationsperiode rein vegetativ und lagern nur Nährstoffe ein (Möhre, Rote Beete, Stockrose usw.). Erst im zweiten Jahr bilden sie Blüten und später Früchte mit Samen.

Sät man den Schwarze Rettich also im Sommer aus, ist er ohne Zweifel eine zweijährige Pflanze. Soweit ich weiß reicht das für eine klare Zuordnung. Sicherheitshalber habe ich aber die Samen aus der zweiten Tüte einfach schon mal im Frühjahr ausgesät – und die sind jetzt erntereif. Ich werde natürlich ein paar Pflanzen stehen lassen, um zu sehen, ob sie nun von der vegetativen Phase in die generative Phase übergehen, oder ob sie einfach weiter Nährstoffe in ihr Speicherorgan einlagern. Aber was macht man mit den geernteten Rettichen?

Schwarzer Winterrettich

Schwarzer Winterrettich

Tja, was soll ich sagen – ich persönlich mag sie roh einfach nicht. Ähnlich wie schon den Rettich aus der Gemüsekiste, finde ich unseren Schwarzen Rettich zu trocken und auch zu bitter. Ich stehe mit dieser Einschätzung offenbar nicht alleine da, denn in verschiedenen Garten- und Kochforen fand ich immer wieder die Frage, was man eigentlich mit Schwarzem Rettich anstellen kann.

Wenn ich mal die verschiedenen Rezeptvorschläge für frische Salate weg lasse, dann bleiben vor allem verschiedene Eintopf- und Suppen-Rezepte und  natürlich Rettich-Sirup als Hustensaft.

Und was ist nun aus dem Rettich aus unserer Gemüsekiste geworden? Auch wenn man den Schwarzen Winterrettich nicht mag, kann man ihn natürlich nicht einfach wegschmeißen! Ich hatte den Rettich damals zwar schon geschält und durchgeschnitten, aber zum Glück hatte ich den Stängelansatz noch nicht abgeschnitten. Wir haben ihn dann einfach in einen Topf mit Erde gesetzt und später nach draußen gepflanzt – inzwischen haben wir von dieser Pflanze längst Rettich-Samen für das nächste Jahr geerntet:

Schwarzer Rettich

Blühender Schwarzer Winterrettich

Blühender Schwarzer Winterrettich


Leider habe ich die Aktion nicht durchgehend fotografisch dokumentiert. Dieses Bild zeigt den Gemüsekisten-Rettich später im Freiland am Mai-Bloomday (15. Mai).

Siehe auch:

Weblinks:

6 Kommentare zu Schwarzer Winter-Rettich

  • Hallo Heiner!
    Ich halte den Wiki-Eintrag, der den Rettich als einjährig beschreibt, für gar nicht so abwegig. Wir haben im Frühjahr vermeintlichen Daikon (langen weißen Rettich) gepflanzt. Auf Grund einer Verwechslung unseres Saatguthändlers wuchsen dann aber kleine runde dunkelbraune Rettiche. Wir ernteten erstmal nicht, sondern fuhren nach Schweden und als wir jetzt nach vier Wochen wieder kamen, war der Rettich faustgroß geworden und bildete schon fleißig Blüten. Zwei, die wir trotzdem geerntet haben, waren sehr bitter und holzig, also haben wir den Rest stehen gelassen und der blüht jetzt fröhlich vor sich hin und bald haben wir wohl massig Samen vom Schwarzen Winter (denn den haben wir hier, glaube ich). Kurz: Bei uns sieht es so aus, als hätte die Wikipedia Recht mit dem einjährigen Rettich.
    Liebe Grüße aus dem wunderbar nassen Rhein-Main-Gebiet,
    Luise

  • OK, kann natürlich gut sein, dass sie tatsächlich einjährig sind. Dann hätte die Wikipedia aber ein paar erklärende Worte dazu sagen sollen. Diese Konstellation mit einem großen Speicherorgan ist ja bei einjährigen Pflanzen eigentlich doch eher unüblich. Mal sehen was aus unseren verbliebenen Pflanzen wird. Bisher sind die übrigens definitiv noch nicht geschosst. Der bittere Geschmack muss deshalb bei uns an etwas anderem liegen (Trockenheit im Frühjahr oder vielleicht doch sortenbedingt).

  • Sisah

    Hm, mein Lieblingsrettich. Allerdings habe ich den noch nie selbst gesät, kann also nur etwas zu meiner subjetive Geschmackswahrnehmung mitteilen. Mein Vater beliebte den regelmäßig zu kultivieren! Ich bevorzuge ihn vor allen anderen mir bekannten Rettichen. Bei uns zuhause wurde er immer in hauchdünnen Scheiben mit Salz bestreut zum Abendbrot gereicht. Ich glaube die kurze Einwirkzeit mit Salz verbessert seinen Geschmack. An bitteren Geschmack kann ich mich nicht erinnern, nur an seine feine, intensive Schärfe, die ich sogar als Jugendliche mochte (ja, so lange liegen meine Geschmackserfahrungen zurück). Alllerdings gibt es durchaus holzige Exemplare unter ihnen, ähnlich wie bei Kohlrabi.
    Auslöser bei einer Pfanze ,von der vegetativen Phase in die generative überzugehen können übrigens auch die Temperatur und die Tageslänge sein, soweit ich mich erinnern kann. Es kommt IMO sehr darauf an, wann im Jahr die Aussaat ist. Meines Wissens soll man deshalb Ende Februar, Anfang März oder dann wieder Ende August säen, damit er nicht “schießt”. Rettich ist also fakultativ einjährig ;-)….

  • OK, ihr habt mich zwar noch nicht ganz überzeugt, aber ich werde den Wikipedia-Schnitzer-Teil mal anpassen.

    Das mit der Steuerung durch die Tageslänge ist ganz extrem bei unseren Getreidearten ausgeprägt. Wenn nicht ein sehr ungünstiges Wetter dazwischen kommt, dann werden auf einem Feld wirklich alle Ähren exakt gleichzeitig reif. Als Kind habe ich mich immer gefragt, wie die das so genau hinbekommen – eigentlich frage ich mich das sogar immer noch. Faszinierende Leistung!

  • eleonore

    Liebe VerehrerInnen des schwarzen Rettichs,

    mein Erlebnis mit dem runzligen, schwarzem, kugeligem Rettich schildere ich folgendermaßen.
    Essig, Öl und Kümmel, wie ich es von meinen Herkunftsland am Bodensee und bei den Rudolf Steiner Verehrern her kannte, war mir zu einfältig.
    Bei der Recherche im Internet bin ich nicht nur dieser Plattform sondern auch seiner chinesischen Herkunft begegnet. Da mein schwarzer Kugelrettich bereits geschält, gehobelt und in feinem italienischem Balsamico bianco (Villa Grimelli) einbalsamiert war, war es ein Leichtes, rein aus Neugier eine europäisc- chinesische Variante zu probieren. Mit chinesischem Sesamöl( das dunkle aus geröstetem Sesam erstellte Öl) und etwas Kräutersalz ist so eine superfeine Anlage zu Reisnudeln, Brot, Kartoffeln u.a. entstanden.
    Einfach probieren-der Rettich beist nicht mehr!
    Grüße von Elli aus der Hauptstadt der Bundesrepubik Deutschland

  • Jonas

    Hallo,
    Da Du mit dem Geschmack des Rettichs haderst möchte ich folgendes empfehlen. Raspele den Rettich mit der Reibe klein. Fülle ihn in eine kleine Schüssel, bestreue ihn mit Salz und gieße kalte Sahne drûber. Wieviel Salz mußt Du ausprobieren. Es braucht schon recht viel und es gibt einen optimalen Punkt, den Du finden solltest. Durch Salz und Sahne verliert der Rettich seine Schärfe. Er schmeckt dann mild, wûrzig, nussig und man hat das Gefühl etwas wirklich stärkendes und gesundes zu essen ….was dabei soo gut schmeckt. Ich finde es sehr wichtig den Rettich sofort nach der Zubereitung zu essen, wenn er noch frisch und kalt wegen der Sahne ist. Wartet man zu lange schmeckt er nicht mehr. LG

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