Genmais

GenmaisWie um alles in der Welt ist es nur möglich, dass ich nicht einen einzigen Menschen kenne, der sich sich ordentlich über den zerstörten genveränderten Mais im Oderbruch aufgeregt hat? Um ehrlich zu sein kenne ich sogar ein paar Leute, denen ich zutraue, dass sie auf eine solche Nachricht mit verhaltenem Jubel reagieren. Besteht mein gesamter Bekanntenkreis aus Kriminellen und deren Sympathisanten? Immerhin ist das Gentechnikgesetz, dass den Anbau von genveränderten Pflanzen regelt, doch dazu da “unter Berücksichtigung ethischer Werte, Leben und Gesundheit von Menschen, die Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge, Tiere, Pflanzen und Sachgüter vor schädlichen Auswirkungen gentechnischer Verfahren und Produkte zu schützen und Vorsorge gegen das Entstehen solcher Gefahren zu treffen“. Es kann doch also gar nichts passieren.

Oder doch? Horst Seehofer, unser Landwirtschaftsminister, hat gerade eine verschärfte Novelle des Gentechnikgesetzes vorgelegt (ich hoffe wenigstens er kennt jemanden, der findet, dass wir unbedingt Kreuzungen aus Schweinen und Quallen brauchen). In der neuen Version des Gesetzes soll nun ein Mindestabstand von 150 Metern zwischen genverändertem Mais und konventionell angebautem Mais eingehalten werden. Bei ökologisch angebautem Mais soll der Abstand sogar 300 Meter betragen. Man fragt sich natürlich unweigerlich: “Gilt das auch für Hobbygärten?”.

Gut, die eigentliche Frage lautet natürlich, ob ein solcher Abstand ausreicht, um eine Übertragung genveränderter Pollen auf benachbarte Maisflächen definitiv zu verhindern. Ich persönlich möchte nämlich nicht, dass sich in unserem Garten eine Kreuzug aus Zuckermais und dem Bakterium Bacillus thuringiensis bildet – nicht einmal wenn ich wie das Bakterium nach dem Genuss ebenfalls insektizide Toxine bilden würde.

Eine Maispflanze bildet sehr viele (ca. 25 Millionen) Pollen. Diese große Anzahl ist nötig, weil die Befruchtung zufällig über den Wind und nur in ganz geringem Maße durch Insekten erfolgt. Wenn man erreichen will, dass kein einziger genveränderter Pollen eine Maispflanze eines anderen Bestandes erreicht, dann muss ein erheblicher Anstand eingehalten werden. Wie groß dieser Abstand ist, scheint unter Experten sehr umstritten zu sein. Nehmen wir doch einfach mal Beispiele aus Bereichen, bei denen ein echtes Interesse daran besteht, dass kein Erbgut übertragen wird.

  • Bei der Saatgutgewinnung ist ein Mindestabstand von 200 Meter bis hin zu mehreren Kilometern üblich, hier sind jedoch einzelne nicht-sortenreine Körner zu verschmerzen.
  • Die amerikanische Landwirtschaftsbehörde USDA sieht bei der Herstellung von Medikamenten in genverändertem Mais einen Mindestabstand von einer Meile also ca. 1600 Meter vor (Protesters urge Owens to block biopharms).

Man muss sich also fragen, wie Horst Seehofer auf einen Abstand von 150 Metern gekommen ist. Wer je selbst gesehen hat, wie Mais seine Pollen an einem windigen Tag an die Luft entlässt weiß doch, dass 150 Meter niemals reichen können.

Nachtrag: Ich ackere gerade mal wieder in einem anderen Zusammenhang das Handbuch Samengärtnerei von Andrea Heistinger durch. Dort findet sich auf Seite 360 der Hinweis:
… ist für die räumliche Isolation ein Abstand von 400-500 m zwischen zwei Sorten nötig. In der professionellen Züchtung werden Abstände von mehreren Kilometern eingehalten.

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