Risiken bei der vegetativen Vermehrung

Reto von nachhaltigBeobachtet schrieb kürzlich einen schönen kleinen Post zum Unterschied zwischen der sexuellen (generativen) und der ungeschlechtlichen (vegetativen) Vermehrung von Lebewesen. Um nur kurz den Zusammenhang in Erinnerung zu rufen, die vegetative Vermehrung kommt ohne einen zweiten Geschlechtspartner aus. Ein Teil der Pflanze (z.B. ein herunterhängender oder abgebrochener Ast) treibt einfach eigene Wurzeln aus und trennt sich von der Mutterpflanze. Es entstehen zwei genetisch identische Organismen (Klone). Im Gegensatz zur sexuellen Vermehrung ist das zwar für die Beteiligten außerordentlich langweilig, bei einigen Pflanzenarten ist es aber trotzdem weit verbreitet. So sind die Knollen der Kartoffel oder die Stolonen der Quecke nicht etwa Samen, sondern Teile der Sprossachse. Daher nennt man das Ausbringen der Kartoffelknollen ja auch nicht säen, sondern pflanzen.

Als ich mir vorhin den Post zur vegetativen Vermehrung von Wildtomaten noch einmal durchlas, fiel mir auf, dass man einen speziellen Aspekt der vegetativen Vermehrung, der besonders Bauern, aber auch uns Hobbygärtner angeht, unbedingt noch kurz erwähnen sollte. Nachdem sich nämlich eine Pflanze vegetativ vermehrt hat, entstehen nicht nur zwei Pflanzen mit vollkommen identischem Genmaterial, sondern in den Zellen der Klone tummeln sich auch die gleichen Schadorganismen. Bei Kartoffeln und Tomaten betrifft das zum Beispiel eine Reihe von Pflanzenviren, die zwar für Menschen harmlos sind, in der Kartoffel aber für ziemlich unangenehme Infektionen sorgen können.

Wer also für sich selbst Pflanzkartoffeln anbaut oder – wie ich gestern – Tomaten und Beerensträucher vegetativ vermehrt, muss peinlich genau darauf achten, dass nur ganz gesunde Mutterpflanzen verwendet werden. Ein durchschnittlicher Hobbygärtner – wie ich – wird die Symptome einer schwachen Virusinfektionen wohl kaum erkennen. Es bleibt also immer ein relativ großes Risiko, dass im Folgejahr alle vermehrten Pflanzen erkranken. Dies ist auch der Grund, warum ich den Angeboten von Pflanzkartoffeln bei eBay immer etwas skeptisch gegenüber stehe. Man sollte sich vor dem Kauf genau informieren, ob es sich wirklich um zertifiziertes Pflanzgut handelt. Sonst kann man sich nämlich neben Nematoden und anderen bodenbürtigen Schädlingen leicht kranke Knollen einhandeln.

1 Kommentar zu Risiken bei der vegetativen Vermehrung

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