Pflanzenlampen

Oje, die Fensterplätze werden bei uns langsam knapp. Überall drängeln sich junge Pflanzen, die darauf warten in den Garten gepflanzt zu werden. Um auch selbst mal wieder hinaus blicken zu können, hatten wir vor einiger Zeit beschlossen eine Pflanzenlampe für unser Zimmer-Gewächshaus zu kaufen. Nach einer eingehenden Beratung durch den Licht-Spezialisten im Baumarkt entschied ich mich für zwei Pflanzen-Strahler. Im Nachhinein muss man wohl einräumen, dass hier weder der Verkäufer noch der Käufer eine besonders große Sachkompetenz an den Tag gelegt haben. Die Dinger wandeln Strom in Wärme um. Sie werden so dermaßen heiß, dass im Laufe der Zeit einige der jungen Pflanzen Wärmeschäden erlitten haben. Beim zweiten Lampenkauf wollte ich die Sache also mal etwas professioneller angehen.

Die drängenden Fragen lauten:

  • Wie viel Licht brauchen die Pflanzen überhaupt?
  • Welches Licht brauchen die Pflanzen?
  • Welche Pflanzenlampe kann die Bedürfnisse der Pflanzen am besten erfüllen?

Wie viel Licht benötigen die Pflanzen?

Hier fängt es schon gleich an kompliziert zu werden. Im Internet findet man ein wildes Durcheinander aller möglichen Angaben in Lux, Lumen oder Candela – wirklich nichts für schwache Gemüter!

Aha, dabei will ich doch eigentlich nur eine Pflanzenlampe kaufen und nicht Physik studieren…

Gut, offenbar verhält es sich so: Lumen entspricht Watt, allerdings ist der Wert entsprechend dem für den Menschen sichtbaren Bereich des Lichtspektrums gewichtet. Beispielsweise verursacht ein Watt bei gelbgrünem Licht etwa 683 Lumen, bei anderen Farben sind es weniger. Candela ist Lumen bezogen auf den Raumwinkel in dem das Licht abgestrahlt wird. Eine Lichtquelle, die rundum strahlt hat also einen kleineren Candela-Wert als eine Lichtquelle mit gleichem Lumen-Wert, deren Licht aber in eine Richtung gebündelt wird. Mit Lux wird schließlich angegeben, wie stark ein nicht selbst leuchtendes Objekt beleuchtet wird. Rückt man das Objekt weiter von der Lichtquelle weg, dann wird es schwächer beleuchtet und der Lux-Wert sinkt.

Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist die einzige Einheit, mit der man den Lichtbedarf der Pflanzen sinnvoll angeben kann das Lux. Im Internet finden sich nun eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Angaben zum Lichtbedarf. Das fängt bei 700 Lux an und geht bis hin zu 100000 Lux. In so einem Fall kann es nicht schaden sich einfach mal anzusehen, welche Lichtmenge unsere natürliche Lichtquelle den Pflanzen zur Verfügung stellt. Bei vollem Sonnenschein beträgt die Einstrahlung etwa 100000 Lux, bei bedecktem Himmel sind es immerhin noch 5000 bis 10000 Lux.

Welches Licht benötigen die Pflanzen?

Licht ist nicht gleich Licht! Wir Menschen können elektromagnetische Wellen im Bereich von etwa 380 Nanometer bis etwa 780 Nanometer als Licht wahrzunehmen. Kürzere Wellenlängen können wir zwar nicht sehen, erzeugen bei uns aber schnell einen ordentlichen Sonnenbrand. Längere Wellen empfinden wir als Wärme. Während wir am besten grüngelbes Licht mit einer Wellenlänge um 550 Nanometern sehen können, sieht das bei Pflanzen völlig anders aus. Beleuchtet man Pflanzen nur mit diesem grüngelben Licht, so empfinden sie das als stuckdunkel. Für die Assimilation benötigen sie blaues (ca 450 Nanometer) und rotes (ca. 700 Nanometer) Licht. Aus diesem Grund hat es wenig Sinn, Pflanzen mit normalen Lampen zu beleuchten. Sie benötigen spezielle Pflanzenlampen.

Leider herrscht auch bei der Angabe des Farbspektrum der Pflanzenlampen ein gewisses Durcheinander. Häufig werden nicht die Wellenlängen des abgestrahlten Lichts, sondern seine Farbtemperatur angegeben. Unter der Farbtemperatur versteht man ein Maß für den Farbeindruck, den ein Schwarzer Körper verursachen würde, wenn man ihn auf eine bestimmte Temperatur (angegeben in Kelvin) aufheizen würde. Eine Farbtemperatur von 5500K (Sonnenschein) entspricht dabei zum Beispiel einem Farbspektrum mit einem Maximum bei ca. 520 Nanometer Wellenlänge.

Welche Pflanzenlampe kann die Bedürfnisse der Pflanzen am besten erfüllen?

Glühlampen

Glühlampen haben den Nachteil, dass sie einen großen Teil der zugeführten Energie in Wärme umwandeln. Dadurch sind sie relativ ineffektiv. Zusätzlich haben sie den Nachteil, dass ein großer Abstand zu den Pflanzen eingehalten werden muss, um eine Schädigung durch Hitze zu vermeiden. Gerade in engen Zimmer-Gewächshäusern ist dies nicht immer zu erreichen.

Natriumdampflampen
Natriumdampflampen sind etwas umstritten. Die Meinungen gehen von “optimal” bis “weniger geeignet”. Sie haben eine sehr hohe Lichtausbeute. Nachteilig ist das relativ schmale Farbspektrum des ausgestrahlten Lichtes. Man unterscheidet Niederdruck- und Hochdruck-Natriumdampflampen. Beide benötigen zum Betrieb spezielle Vorschaltgeräte und sind nicht ganz billig.

Leuchtstoffröhren

Es gibt spezielle Leuchtstoffröhren, die in etwa das Lichtspektrum abstrahlen, das für die Pflanzenbeleuchtung benötigt wird. Ihr Vorteil ist der relativ günstige Anschaffungspreis, eine lange Lebensdauer und ein günstiger Energieverbrauch.

Weitere Leuchtmittel

Neben den oben angeführten Leuchtmitteln will ich nur noch kurz ESL Leuchtmittel nennen, die ohne Vorschaltgeräte auskommen. Außerdem werden in der letzten Zeit auch zunehmend superhelle Leuchtdioden (LED) als Pflanzenlampe verwendet. Hier kann man durch die Mischung verschiedenfarbiger LEDs sehr schön das Farbspektrum des abgestrahlten Lichtes festlegen.

Fazit

Wir haben uns letztlich wegen des relativ günstigen Energieverbrauchs und der Tatsache, dass sie nicht heiß werden, für zwei Pflanzen-Leuchtstoffröhren entschieden. Bis jetzt scheinen die Pflanzen mit dem Licht der neuen Lampen besser zurecht zu kommen, als mit den alten Pflanzen-Glühlampen. Allerdings könnte das auch daran liegen, dass die Sonne jetzt schon um einiges länger scheint als noch vor einem Monat.

Weblinks:

Heute sind einige Links zu Webseiten dabei, die sich mit dem heimlichen Anbau von Pflanzen im Nachtschrank beschäftigen. Über solche Anbaumethoden kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber es ist wohl unstrittig, dass diese Leute richtig viel Ahnung von der Pflanzenbeleuchtung haben ;-)

15 Kommentare zu Pflanzenlampen

  • Krischan Jodies

    Auch wenn mich Pflanzenlampen eigentlich nicht die Bohne interessieren – das ist ein schöner Artikel.

  • Mensch Krischan, wenn man Kommentarspam betreibt, dann muss man auch einen Link zur eigenen Seite hinterlassen ;-) Gerade bei Deinem Blog (den ich regelmäßig mit großer Freude lese, obwohl mich das Bruchpilotentum eigentlich nicht die Bohne interessiert) wäre das doch eine echte Bereicherung.

    Wie sieht’s denn eigentlich in diesem Jahr mit unserem traditionellen Spargel-Essen aus?

  • Sehr schöne Zusammenfassung!
    Ich hatte auch schon mal mit dem Thema geliebäugelt, eine der vielen dunklen Ecken meiner Wohnung mit einer entsprechenden Beleuchtung für meine Pflanzen bewohnbar zu machen. Im Endeffekt hab ich das Ganze dann entnervt in die Ecke geschoben, weil mir der Nerv zum Einlesen fehlte…

    Jetzt habe ich einen guten Einstiegspunkt – danke!

  • Danke für’s Zusammentragen dieser Informationen! Meine Fensterbänke quellen derzeit über mit lauter Anzuchttöpfchen und ich hatte mir schon überlegt, mittels Pflanzenlicht noch andere Indoor-Anzuchtplätze zu erschließen;) – aber meine Kenntnisse diesbezüglich waren bisher äußerst spärlich. Dieser Post spart mir mühsame Recherchen und somit gewinne ich wertvolle Zeit, um gleich noch ein paar Kürbissamen in die Erde zu bringen…
    Liebe Grüße, Margit

  • Schwimmteich

    Hallo Heiner,

    da hast Du Dir ja sehr viel Mühe gemacht, diesen Bericht zu schreiben. Ich informiere mich schon seit längerem über Pflanzenlampen, wenngleich bei mir wahrscheinlich Hopfen und Malz verloren sind, weil mein grüner Daumen sehr verkümmert ist. Aber vielleicht sollte ich es einfach noch mal versuchen. Vielleicht weiß auch jemand was über Schwimmteiche zu sagen, denn das ist etwas, was mir wohl liegt: Planen, Ausmessen, Anlegen etc.

  • Marc

    Aufgrund der immer mehr steigenden Energiekosten meine ich auch das die alte Glühbirne ausgedient hat. Ob die LED so ausgereift ist um Pflanzen mit dem bestmöglichen Licht zu versorgen bleibt offen. Demnach würde ich wie du zu Leuchtstoffröhren greifen.

  • Ich würde bei einer Pflanzenlampe niemals zu einer Glühbirne greifen, denn gerade im Hinblick auf den Stromverbrauch, macht sich dies schnell auf der Rechnung bemerkbar, wenn man stattdessen zu einer Leuchtstoffröhre greift. Letztere sind mittlerweile auch sehr günstig im Handel erhältlich.

  • Bin gerade beim googeln auf den Post hier gestoßen. Tatsächlich hab ich selbst gesucht, da die Pflanzlampen einigen von meinen Pflanzen Schaden zugefügt haben, sie haben bei mir ähnliche Verbrennungen gehabt vergleichbar mit sonnenverbrannten Gewächsen im Garten. Der Post ist sehr interressant, vielleicht ein wenig technisch-wissenschaftlich geschrieben aber auf jeden Fall hilfreich.

  • Klingt interessant, berichte wenn Du sie getestet hast!

    Mich würde zum Beispiel auch interessieren, wie heiß diese Lampen werden. Diese Angaben mit 125 Watt und sogar 200 Watt deuten ja zumindest darauf hin, dass da auch ordentlich Wärme entsteht. Bei uns wäre das eher nicht so gut, weil das Zimmergewächshaus relativ klein ausgelegt ist.

  • Berliner

    Sehr informativ und nett geschrieben, es gibt seit einiger Zeit aber auch Energiesparlampen mit eingebauten Vorschaltgeräten ( da ich nicht der Mega Elektriker bin genau das richtige für mich ) Die Lampen gibts für Wachstum und Blüte, allerdings auch nich ganz billig aber immerhin ein bissel billiger als die ganze Geschichte mit den Vorschaltgeräten. Habe den Link mal zu meine Webseite geschrieben, falls es wen interessiert ..bitte löschen wenns nich gewünscht wird das man hier Links schreibt. Sonst findet man die Lampen auch bei den gängigen Suchmaschinen, im Baumarkt gibts sie glaube ich nicht. Ob sie genau so effektiv wie Natriumlampen sind, da bin ich mir nicht 100%ig sicher..befinde mich noch in der Testphase und werde bei Zeiten mal was über die Ergebnisse schreiben.

  • Giulio

    Sehr unterhaltsamer aber auch informativer Artikel!
    Vor allem die Methode finde ich lobenswert. Leider haben wir nicht immer die Zeit uns systematisch mit den Themen unseres Interesses zu beschäftigen, aber an sich lohnt es sich immer, wenn man etwas Zeit in Recherche investiert. Die Formelansammlung auf Wikipedia ist nicht jedermanns Sache, daher vielen Dank für die Übersetzung in die Alltagssprache.

  • Sehr interessanter Beitrag. Bei meinem Gewächshaus im Garten hatte ich ein ähnliches Problem – nur mit dem Ergebnis, dass ich bis heute immer noch kein perfektes Klima habe.

  • RextheC

    THX für diesen übersichtlichen Artikel.Jetzt kanns langsam losgehen.Gesund ernähren ist das A und O.

  • Günter Arlt

    Da haben Sie einen sehr guten informativen Artikel zum Thema Pflanzenlampen geschrieben, was mir aber noch fehlt, ist der Abstand zu den Pflanzen. Ich habe auf der Fensterbank 2 Reihen a 10 Töpfe, und davor auf dem Fußboden nochmal die selbe Anzahl Töpfe stehen. Die auf dem Fensterbrett haben heute 1 Meter bis zur Lampe, die Anderen nur 0,65m Abstand. Das verändert sich natürlich mit dem Wuchs in die Höhe und da wäre es sicher gut, wenn man weiß, wie der Abstand richtig ist und die Lampen danach einrichtet. Aber vielleicht muss ich das auch selber raufen. Herzlichen Dank für die Information zum Thema Lampen und eine schöne Zeit wünscht allen Lesern und vor allem dem Schreiberling dieses Artikels,
    Günter aus Gallun

    • Schwierig, schwierig! ;-)
      Ich versuche mal vorsichtig eine Antwort: Grundsätzlich nimmt die Lichtstärke mit dem Quadrat der Entfernung von der Lichtquelle ab. (Siehe Abstandsgesetz) Das gilt allerdings nur, wenn die Lichtquelle punktförmig ist und wenn keine reflektierenden begrenzenden Flächen vorhanden sind.

      Gut. Das bedeutet wenn die Lichtstärke in 10 Zentimeter Abstand 100 ist, dann ist sie in 20 cm Abstand noch 100/4=25, in 30 cm Abstand ist sie 100/9=11,1.., in 40 cm Abstand ist sie 100/16=6,25 usw. usw.

      Nun sind Pflanzenlampen keineswegs punktförmige Lichtquellen und die Wände der Anzuchtkiste sind möglichst auch noch verspiegelt. Deshalb stimmt das Abstandsgesetz nur eingeschränkt.

      Zum Glück habe ich hier zufällig aus einem anderen Bastelprojekt noch ein Luxmeter herumliegen. Heute Abend, wenn es dunkel ist, werde ich mal genauer nachmessen. Vorweg aber schon mal die Information, dass die Helligkeit in 10 Zentimeter Abstand je nach Lampe nur so etwa bei 4000 bis 8000 Lux liegt. Das entspricht also der Lichtintensität bei voll bedecktem Himmel. Direkt an der hellsten Lampe zeigt das Luxmeter einen Wert von ca. 60000, also nicht einmal die Intensität wie bei voller Sonneneinstrahlung.

      Auf der Fensterbank fällt natürlich zusätzlich noch Licht von außen ein. Trotzdem würde ich mit den Lampen wesentlich dichter an die Pflanzen heran gehen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.