Sind grüne Kartoffeln giftig?

Grüne Kartoffeln sind giftig. Wer seine Kindheit im Einzugsbereich eines Gartens verbracht hat, der hat das schon früh gelernt. Aber wie giftig sind grüne Kartoffeln denn nun eigentlich? Reicht es, die grünen Stellen herauszuschneiden oder muss man gleich die ganze Knolle wegschmeißen? Bei den Knollen unserer roten Sorte Laura fallen grüne Stellen längst nicht so stark auf wie bei hellen Kartoffeln. Sicherheitshalber habe ich deshalb mal nachgesehen, wie giftig Kartoffeln nun eigentlich sind.

Wieso werden Kartoffelknollen überhaupt grün?

Wie früher schon einmal berichtet, sind Kartoffelknollen aus botanischer Sicht keine Wurzeln, sondern ein Teil der Sprossachse. Sobald die Sprossachse einem Lichtstrahl ausgesetzt wird, beginnt sie das grüne Chlorophyll zu bilden. Die Knollen werden also grün, wenn sie nicht vollständig von Boden bedeckt sind, oder wenn sie bei der Lagerung nicht vor Licht geschützt werden. Bei Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsen (Solanaceaen) bilden sich in den grünen Teilen gleichzeitig auch immer größere Mengen des giftigen Solanin. Wahrscheinlich macht die Kartoffel das, um oberirdische Schädlinge zu abzuschrecken. Bei mir persönlich war diese Strategie ziemlich erfolgreich, denn ich esse schon seit meiner frühen Kindheit keine oberirdischen Teile der Kartoffel mehr ;-)

Eigentlich enthalten alle Knollen etwas Solanin, aber in einer relativ geringen Konzentration. Die Produktion von Solanin wird vor allem durch Licht, aber in geringerem Ausmaß auch durch Beschädigungen oder falsche Lagertemperaturen (nicht unter 8°C) angeregt. Außerdem hängt der Solaningehalt von der Sorte und dem Reifezustand der Knolle ab.

Wie giftig ist dieses Solanin?

Solanin (gelegentlich auch Solanidin) ist ein Glykoalkaloid, für das die Wikipedia einen LD50 Wert von 590 mg/kg (oral) angibt. Ein echt gruseliger Wert! LD bedeutet Letale Dosis, und LD50 bedeutet, dass 50% der Versuchstiere sterben, wenn man ihnen 590 mg Solanin pro Kilogramm Körpergewicht einflößt. Als ich zum ersten mal von diesen LD-Werten hörte, konnte ich kaum glauben, dass es sowas ekeliges überhaut gibt. Leider gibt es aber LD-Werte für so ziemlich jede bekannte Substanz auf diesem Planeten.

Ich wiege 80 kg, also müsste ich 47,2 Gramm Solanin einnehmen, um zu 50% zu sterben. Irgendwie passt das nicht im geringsten mit der Aussage auf der selben Seite zusammen, dass schon 25 mg Solanin erste Symptome wie einen “schweren Magen” hervorrufen. Eine höhere Dosis soll Benommenheit, Angstzustände, Schweißausbrüche, Atemnot, Bewusstlosigkeit und Krämpfe auslösen und 400mg sollen einen Erwachsenen töten können.

Einer meiner Sportkollegen arbeitet in der Drogentherapie und besitzt ein Fachbuch zu Pflanzengiften. Ich werde ihn in den nächsten Tagen mal nach verlässlichen Daten zur Giftigkeit des Solanins befragen.

Wieviel Solanin enthält eine Kartoffelknolle

Auch hier schwanken die Angaben der verschiedenen Autoren. Heutige Kartoffelsorten enthalten offenbar ca. 3 bis 7 mg Solanin pro 100 Gramm, wobei der Hauptanteil des Solanins in der Schale vorliegt (andere Autoren sprechen von 3 bis 7mg/100g in der Schale und einem sehr geringen Anteil im Körper der Kartoffel) Bei früheren Sorten lag der Wert übrigens erheblich höher. Da Solanin nicht durch Kochen zerstört wird, kann man demnach 350 bis 500 Gramm Kartoffeln essen, ohne einen “schweren Margen” befürchten zu müssen. Ich bin sicher, dass ich schon gelegentlich mehr als ein Pfund Kartoffeln gegessen habe und kann bestätigen, dass man danach ein “leichtes Völlegefühl” im Magen verspürt ;-)

Grüne Kartoffeln können einen sehr hohen Solaningehalt von über 50mg/100g erreichen. Es ist also ratsam, grüne Kartoffeln auszusortieren oder zumindest großzügig zu schälen, wenn man vor hat, mehr als 50 Gramm davon zu essen. Nebenbei bemerkt enthalten auch grüne Tomaten sehr hohe Solaninkonzentrationen – also Vorsicht bei Salaten mit grünen Tomaten oder Konfitüre aus grünen Tomaten!

Siehe auch:

Weblinks:

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21 Kommentare zu Sind grüne Kartoffeln giftig?

  • Bis das der Solaningehalt Wirkung zeigt, muss man schon reichlich von den grünen Tomaten essen. Ich habe schon einiges davon verzehrt, Grüne Tomaten süßsauer, mein Lieblingsrezept.

    Gruss
    Klaus

  • > Grüne Tomaten süßsauer

    Hört sich sehr interessant an! Werden wir ganz sicher auch mal ausprobieren. Wir hatten ganz genau das selbe Problem wie die “besten Werber” unten in dem Link auf Deiner Seite. Unsere letzen Tomaten wollten auch nicht rot werden. Inzwischen haben wir sie leider kompostiert – passiert nicht wieder, im nächsten Jahr werden sie süßsauer eingelegt!

  • anmerkung

    Hier mal ein kleines Zitat, was zu dem Thema gut passen würde. Weiß nur nicht, ob es stimmt ;)

    “Süß-sauer eingelegte grüne Tomaten sollten Sie besser nicht essen. Sie enthalten noch etwa 90 % des Ausgangswertes an Solanin. Normale Verzehrmengen von 100-150 g können deswegen in den toxischen Bereich fallen. ”

    http://www.landwirtschaft-mlr.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB//menu/1114006_l1/index1060773659209.html

  • uschi

    hallo liebe kartoffel und tomaten freunde, liebe tomaten süß-sauer freunde und nicht zu vergessen liebe kartoffel mit quark und leinöl freunde,

    habe letztens eine grüne tomate gegessen bis ich merkte das es eine gelbe banane war, ich mag bananen sehr, ich komme aus der ost-zone…

    meine freunde und ich, alle große freunde der kartoffel, essen gerade kartoffeln mit großer freude…. wir lieben dieses gemüse…

    ein kleiner tipp an euch:
    grüne tomaten und kartoffeln mit viel scharfer sauce schmecken immer gleich scharf…

    liebe grüße,
    euer grünes gemüse selbsthilfe berlin e.V

  • Hi Uschi, ich hoffe, Du stehst nicht immer noch unter dem Einfluss der gelben Banane!

    Zumindest bei Kartoffeln mit scharfer Sauce kann ich Dir übrigens nur voll und ganz beipflichten. Ich mag zum Beispiel sowas: Kalte (sic!) gekochte Kartoffeln in unsere Süße Chili-Sauce eingestippt als abendlicher Snack. Superscharf, aber echt klasse!

  • Es wurde die Frage an mich herangetragen, ob es sinnvoll ist die grünen Knollen aufzubewahren, um sie im nächsten Jahr auszupflanzen.

    Ich hatte ja schon berichtet, was ich davon halte eigene Kartoffeln nachzuziehen. Ich denke aber wenn man trotzdem eigenes Pflanzgut verwenden will, dann dürfte es kein Problem sein dafür auch grüne Knollen zu verwenden. Man müsste mal untersuchen, ob grüne Knollen dazu neigen schon im Winter zu keimen, weil die Keimhemmung früher gebrochen wird. Soweit ich mich erinnere ist das aber nicht der Fall. Ich werde im Frühjahr mal darauf achten, falls ein paar grüne Knollen mit in unsere Vorratskisten geraten sind.

  • Uschi

    …ich fühle mich hier so wohl bei euch..

    Menschen die noch gute grüne Tomaten, grüne Kartoffeln und nicht zu vergessen das ganze in Kombination mit Süß-Sauer Sauce zu schätzen wissen. Ja hier ist es schön. Ich esse gerade wieder mit meinen Kartoffel Freunden grüne Kartoffeln und muss an euch denken.

    noch ein kleiner Tipp für die Verdauung:
    Cola wirkt Wunder in Verbindung mit zu vielen Kohlenhydraten.
    Heute essen wir unsere Kartoffeln mit einem Glaß Cola.

    Es war wieder schön mit euch meine Lieben.

    euer grünes gemüse selbsthilfe berlin e.V

    bis baldrian

  • Rita

    Hallo, um die richtigen Informationen über eingelegte Grüne Tomaten zu bekommen, muss man die Spezialisten fragen: eingelegte grüne Tomaten stammen aus Ungarn, und dort gibt es **andere Tomatensorten** als in D: die reifen grün-weissen Paradeiser (Tomaten) in Österreich und Ungarn enthalten nicht soviel solanin wie die hiesigen Sorten, wenn sie unreif sind.
    Für nähere Informationen fragt Eure Suchmaschine nach “grüne Paradeiser” oder geht direkt auf die Webseiten des Landesverbandes steirischer Gemüsebauern:
    Paradeiser in der Küche .

  • Hmm, das mit den grün-weißen Tomaten konnte ich mangels Zeit noch nicht recherchieren (könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es tatsächlich Sorten mit geringerem Solanin-Gehalt gibt).

    Dein Link enthält allerdings nur den ganz allgemeinen Hinweis, dass grüne Tomaten Solanin enthalten, dass man sie deshalb nur in reifem Zustand genießen soll und dass es “am Markt” neue Sorten gibt, die weniger Solanin enthalten.

  • Rita

    Heiner, von *neu* steht da nichts. Im ORF habe ich eine Sendung gesehen, in der über Bio-Bauern in A berichtet wurde, die **sehr alte, fast ausgestorbene** bunte Tomatensorten (lila, orange usw.) anbauen, weil sie besser schmecken als die übliche Industrieware. Ob auf den Bildern auch grüne reife waren, weiss ich nicht mehr.
    Vor kurzem habe ich auf dem Gemüsemarkt in Riga von einem alten Mütterchen eine orangefarbene Tomate gekauft, die sehr aromatisch war.

    An die Gartenfreunde, die ihre noch nicht reifen Tomaten im Herbst nicht verkommen lassen möchten: wenn Ihr Euch nicht aus A oder H eine Sorte besorgt habt, die grün ungiftig ist, dann solltet Ihr die grünen Tomaten an einem kühlen trockenen Ort nachreifen lassen. Die werden noch rot, es dauert aber eine ganze Weile. Meine Cherrytomaten haben nachgereift allerdings nicht besonders gut geschmeckt (die am Strauch gereiften waren leckerer). Ich kenne aber Erzählungen, dass nachgereifte sehr lecker sind. Hängt wahrscheinlich auch von der Sorte ab.

  • Ohja, das “neu” hatte ich wohl aus dem “speziell gezüchtete grüne Paradeiser” geschlossen.

    Wie gesagt, ich schließe natürlich nicht aus, dass es Tomatensorten gibt, die grün einen geringeren Solaningehalt haben. Bisher konnte ich aber nicht rausbekommen welche Sorten das sind. Ich werde später mal eine Mail an Henry schicken, vielleicht weiß der mehr zu dem Thema.

  • Hallo Heiner,
    Tja, das Gerücht, dass es Tomaten gibt, die weniger Solanin enthalten sollen, habe ich auch schon des öfteren gehört. Auf die Schnelle fällt mir jetzt nur die “Green Zebra” ein, die – obwohl sie nicht rot wird – auch in grünem Reifezustand das Solanin überdurchschnittlich stark abbauen soll. Betonung auf “soll”, das ich noch keinen wirklich wissenschaftlichen Bericht in die Finger bekam.

    Spezielle Solanin-verminderte-Sorten, die angeblich in Österreich kultiviert werden, fallen mir momentan nicht ein. Aber ich werde auch mal bisschen recherchieren, vielleicht werden wir ja noch ein bisschen schlauer. ;)

    Beste Grüße
    Henry

  • Danke Henry, für deine Einschätzung.

    Sicherheitshalber habe ich eben noch mal nachgesehen, ob bei übermäßigem Verzehr von Solanin mit Langzeitschäden zu rechnen ist. Das scheint nicht der Fall zu sein. Es gibt also offenbar keinen Grund seine Marmelade aus grünen Tomaten in den Müll zu schmeißen. Man sollte davon einfach nicht zu viel auf mal verzehren.

    Wie ich oben schon geschrieben habe, befindet sich sogar in ganz normalen Kartoffeln (ohne grüne Stellen) Solanin und ich habe bei mir nach dem Verzehr von Kartoffeln noch nie irgendwelche Symptome bemerkt. Also: Keine Panik ;-)

  • Also, leider habe ich keine exakten Untersuchungsergebnisse gefunden, aber es scheint so zu sein, dass die grünen Tomaten-Sorten (z.B. Green Zebra, Evergreen, Grüne Traube usw.) das Solanin zur Reife hin abbauen. Das Solanin korreliert also nicht direkt mit der grünen Farbe. Im unreifen Zustand enthalten aber auch diese Sorten erhöhte Mengen. (Siehe z.B. hier)

  • Heidi Herrmann

    Hallo Heiner, ich habe einige Blogeinträge durchgeschaut und bin auf den Kartoffeleintrag gestoßen. Solanin ist in geringen Mengen nicht unbedingt bemerkbar giftig, außer natürlich bei Kindern. Aber wenn man immer wieder solaninhaltige Pflanzen ißt, egal welche, reichert sich das im Körper an, Solanin wird nicht abgebaut und mit der Zeit gibt das ein ganz hübsches Sümmchen. Das im Körper angereicherte Solanin schädigt, es beeinflußt deine Hormone und da unser ganzer Körper, nicht nur bei der Frau, von Hormonen gesteuert wird, z.B. Schilddrüse, ist die Wirkung fatal. Die Kartoffel als Grundnahrungsmittel gibt es noch nicht so lange bei uns, früher wurde Hirsebrei, oder Dinkel gegessen, heute Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Auberginen, Chilli usw. Dies nur mal zum Nachdenken, viele Zivilisationskrankheiten kommen daher, die Industrie mischt da tüchtig mit, möchte ja verdienen. Grüßle Heidi

    • Bei Theobromin (z.B. im Kakao) ist bekannt, dass es sich im Körper anreichern soll. Bei Solanin hatte ich davon noch nichts gehört und ich konnte auf die Schnelle auch nichts belastbares dazu finden. Kennst Du zufällig eine Quelle für diese Information?

  • Heidi Herrmann

    Hallo Heiner, vielleicht sollte ich zu meinem vorhergehenden Kommentar noch etwas erklären. Ich bin in Behandlung bei einem Naturheilkundler und der behandelt nach Hildegard von Bingen. Der Naturheilkundler ist Chemiker und kann den Gehalt und wo überall z.B. Solanin enthalten ist und was es im Körper anstellt, genau überprüfen. Solanin gibt es nicht nur in den Nachtschattengewächsen, sondern auch noch in vielen anderen Gemüsen und Obst. Da es sich im Körper anreichert und nicht abgebaut wird, sollte man es wirklich nur wohldosiert oder gar nicht zu sich nehmen. In unserer Zeit muss ja alles immer in rauhen Mengen verzehrt werden, egal ob Kartoffeln oder z.B. Tomatensaft, 20 Tomaten pro Glas, o.ä. Wer ißt schon 20 Tomaten auf einen Satz? Möchte euch nicht weiter langweilen, ist ein Thema ohne Ende!! Grüßle Heidi

  • christina

    Hallo Ihr Lieben,
    ich habe eure Kommentare mit Interesse gelesen,zum Thema grüne Tomaten kann ich nicht viel sagen,ich lasse sie unter dem Bett in einer Kiste nachreifen.Was grüne Kartoffeln angeht habe ich erst kürzlich ganz schlechte Erfahrungen gemacht,nicht nur ein schwerer Magen, sondern richtige Magenkrämpfe hatte ich vom Kartoffelstampf.Meinem Freund ging es gut,scheint so zu sein das Einer empfindlich ist und der Andere nicht.Für mich steht fest…genau hin schauen und die Grünen Knollen in die Tonne.

  • Niels Reitmar

    Was habt Ihr doch alle für Probleme.
    Zu Kriegszeiten hätten Sie euch für so eine Diskussion gesteinigt.
    Schneidet das grüne ab und gut iss.
    Atmen soll übrigens auch gefährlich sein wegen dem CO2 in der Luft, und davon erstickt man bekanntlich. :-)

  • Karl-Heinz Lenz

    Kartoffeln mit grünen (giftigen?) Stelle sortieren wir aus und nehmen sie im nächsten Jahr als Pflanzkartoffeln. Bitte nicht an Monsanto oder die EU melden – ist bestimmt verboten!

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