Wie Gemüse vorziehen?

Ich kriege noch die Krätze! Vor einem Monat habe ich eine Tüte Artischocken-Saatgut gekauft. Ein paar der Samen habe ich sofort in einen Topf gesteckt – keine Reaktion. Gut, sowas kann passieren. Vor zwei Wochen dann ein zweiter Versuch. Samen eine Nacht in Wasser quellen lassen und am nächsten Morgen in einen Topf mit Anzuchterde gesteckt – nix. Gibt es eigentlich eine Garantie für die Keimfähigkeit von Artischockensaatgut? Wenn ich demnächst in dem Laden vorbei komme, werde ich mal fragen.

Heute beginnt der dritte Versuch. Hier noch mal im Einzelnen, wie wir (eigentlich immer recht erfolgreich) Blumen und Gemüse vorziehen. Solltest Du da einen groben Fehler finden bitte ich um einen Kommentar.

Gemüse vorziehen

  • Keimproben machen wir eigentlich nur bei selbst geerntetem Saatgut, weil uns gekauftes Saatgut dafür zu schade ist. Immerhin verlangt das Saatgutverkehrsgesetz bei Nutzpflanzen in der Regel eine Keimfähigkeit von über 90 Prozent.
  • Die Anzuchterde sollte gut durchlässig sein, nicht zum Verschlämmen neigen, keine Krankheitskeime und nicht zu viele Närstoffe enthalten. Wir stellen unsere Anzuchterde selbst her.
  • Den Samen einiger Pflanzen wie zum Beispiel Tomaten, Chilis und den größeren hartschaligen Samen hilft es, wenn man sie über Nacht in lauwarmem Wasser quellen lässt.
  • Wir ziehen unsere Gartenpflanzen meist in Töpfen an. Andere Methoden wie Pflanzschalen oder Quelltöpfe funktionieren aber ebenfalls gut.
  • Die Samen sollten nicht zu eng und auf keinen Fall direkt aneinander gelegt werden. Sie gehen dann besser auf und man kann sie später leichter in andere Töpfe pikieren oder freizupfen (vereinzeln). Wir säen meist nur drei oder vier Samen in jeden Topf. Oft wundert man sich, wie schnell das vorgezogene Gemüse wächst. Man sollte also ausreichend große Töpfe wählen.
  • Meist benötigt man viel weniger Samen als zur Verfügung stehen. Man sollte sich also nicht verleiten lassen zu viel auszusäen. Übrig gebliebene Samen halten oft auch noch bis in nächste Jahr. Und manchmal benötigt man sie, wenn der erste Versuch wie bei unseren Artischocken scheitert.
  • Wie der Name schon sagt benötigen Lichtkeimer Licht um zu keimen, sie müssen also auf dem Substrat liegen. Die Samen von Lichtkeimern kleben beim Andrücken gern mal am Werkzeug. Lichtkeimer müssen sorgfältiger gegossen werden als Dunkelkeimer, weil sie an der Oberfläche schnell austrocknen. Da die Samen von Lichtkeimern häufig sehr fein sind, benutzen wir zum Gießen gerne einen einen Sprühflasche (Zerstäuber).
  • Dunkelkeimer müssen mit Erde bedeckt werden. Als Faustzahl kann man den doppelten bis dreifachen Samendurchmesser veranschlagen. (Nebenbei bemerkt ist es den allermeisten Pflanzen vollkommen Schnuppe, ob sie beim Keimen dem Licht ausgesetzt sind oder nicht!)
  • Gleich nach dem Säen müssen sofort Stecketiketten beschriftet und in den Topf gesteckt werden. Man ist wesentlich vergesslicher als man denkt!!!
  • Wenn man die Töpfe mit einer Folie abdeckt muss man nicht ganz so stark auf das regelmäßige Gießen denken. Gelegentlich beginnt die Erde in den abgedeckten Töpfen aber zu schimmeln.
  • Die Töpfe werden nicht von oben gegossen, sondern sie werden entweder getaucht oder das Wasser wird in einen Untersetzer gegeben. Allerdings kann es sinnvoll sein die Töpfe von oben mit einer Sprühflasche zu benetzen.
  • Das Gießwasser sollte möglichst etwas abgestanden und nicht zu kalt sein.
  • Die optimale Keimtemperatur hängt von der Pflanzenart ab. Die Angaben in dieser Tabelle scheinen mir recht plausibel zu sein. Einige Arten (zum Beispiel Salate) mögen es gerne, wenn die Temperatur wechselt.

Wie gesagt, sollten wir hier irgendwo grob daneben liegen, bitte ich um einen Kommentar bevor ich mich im Baumarkt lautstark über das Artischockensaatgut beschwere ;-)

Siehe auch:

8 Kommentare zu Wie Gemüse vorziehen?

  • daniel

    ist doch super! bestimmt nix falsches dabei, aber das weisst du ja schon :-)

    vielleicht selbstverständlich: “meine” aussaaterde lagerte im terrassenschuppen und war gefroren, musste die also erst mal zwei tage bis zur zimmertemperatur auftauen lassen, bevor ich säen konnte. außerdem hab ich jetzt schon zwei jahre mit lauwarmem wasser gegossen. schadete bisher jedenfalls nicht.

  • Ich nehme zum Vorquellen sämtlicher Samen unterschiedlichsten Gemüses immer einen starken (kalten) Kamillentee – 1-2 EL Blüten auf einen viertel Liter. 24 Stunden baden die Samen darin und dann ab unter die Erde. Ich bilde mir ein die Keimquote wäre höher…
    Angeblich(!) soll bei ganz hartnäckigen Samen auch eine Pampe aus Guano und Wasser helfen und so die natürliche Verbreitung der Samen simulieren – viele Samen werden durch Vögel verbreitet, die vorher deren Darmtrakt passierten. Ausprobiert habe ich das aber noch nicht

  • Kamillentee, interessant! Wie ich in Deinem Blog sehe, ziehst Du Chili vor. Hast Du schon mal von diesen speziellen Einweichverfahren von Semillas gehört? Die raten dazu, dem Einweichwasser zur besseren Benetzung etwas Spülmittel beizugeben. Außerdem soll man das Wasser 1:8 mit 3prozentigem H2O2 (Wasserstoffperoxyd) anreichern. Die sehr kleinen Samen sollen auch noch in 1-2prozentiger Salpeter-Lösung eingeweicht werden.

    Zumindest die Salpeter-Lösung haben wir im vergangenen Jahr bei Chilis ausprobiert und sie haben sehr gut gekeimt. Wir hatten aber keine Vergleichsprobe ohne Salpeter, deshalb kann ich nicht sagen, ob es wirklich etwas gebracht hat.

  • Meine Samen stammen auch überwiegend von Semillas oder von der South Devon Chili Farm – http://www.sdcf.co.uk/
    Meine Weisheit habe ich u.a. von http://www.pepperworld.com/botanisch/keimtipps.htm
    Das Kamillenteebad wird auch immer wieder in den verschiedensten Bio-Gartenbüchern und prakt. allen Gartenbüchern britischer Herkunft angeregt.

  • Das mit Kamillenbad kenn ich ja gar nicht. Ich hoffe meine keimen auch . Hab nun an die 30 Tomaten sorten in der Erde, da ich wie im letzten Jahr mir wieder eine Tomatenplantage an legen will.

  • Schlosshex

    Bei meinem ersten Artischocken-Selbstzieh-Experiment glaube ich per Zufall darauf gestoßen zu sein, dass es sich dabei um Lichtkeimer handeln könnte. Das Anzuchtgefäß in welches ich die Samen steckte ist lichtdurchlässig und schon nach fünf Tagen keimten die ersten – bemerkenswerterweise nur am Rand der Anzuchtschale! Die ersten Pflänzchen habe ich gleich in größere Töpfe gesetzt und beim Pikieren sind wohl ein paar weiter Samen mit nach oben gekommen und siehe da: zwei weitere Pflänzchen sind gesprossen. Jetzt habe ich die Anzucht Erde noch mal aufgewühlt und habe das Gefühl, alle Samen die nun Licht bekommen, werden in den nächsten Tagen ebenfalls aufgehen.
    Der Mann, bei welchem ich die Samen gekauft habe, sagte mir ich solle sie etwa zwei Zentimeter tief sähen. Aber wenn ich darüber nachdenke, welcher Pflanzengattung die Artischocke angehört, nämlich zu den Disteln, dann erscheint es mir irgendwie einleuchtend, dass es sich um Lichtkeimer handeln könnte.
    Wie gesagt, es ist nur ein Verdacht, aber probier’ es doch mal am Licht mit den Artischocken. Es würde mich sehr freuen, wenn es dann klappt!

    • Zum Glück hat das Vorziehen bei uns im letzten Jahr besser geklappt. Neben etlichen Blüten haben wir dann auch eine Riesenmenge Artischocken-Samen geerntet. Damit könnte ich ja mal eine kleine Versuchsreihe mit unterschiedlichen Aussaattiefen starten. Zwei Zentimeter halte ich jedenfalls auch für ziemlich übertrieben.

  • Edeltraud Danninger

    Ich verwende seit Jahren für alle Samena – Aten einen Brei aus Baldrianblüten den ich stark verdünne. Vorher schon richten, Verhältnis 1:10 Der Brei wird aus frischen Büten mit wenig Wasser im Mixer hergestellt und durch ein Tuch abgeseiht und gut ausgedrückt, er reicht für das gesamte Gartenjahr, bis es neue Blüten gibt. Ich benötige 1/2L. von diesem Brei.
    Alle meine Samen, fast alle selbst gezogen keimen damit prächtig und der feste unlösloche Rückstand wirkt auf dem Kompst als Wurm – Vermehrer, konnte es anfangs kaum glauben.
    Ely

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