Pikieren

Das Orkantief Quimburga war für mich als heranwachsender Schnösel ein ziemlich traumatisches Ereignis. Weniger, weil ich den Sturm selbst so furchtbar fand, sondern vielmehr weil ich in der Folgezeit wochenlang Tausende und Abertausende Douglasien pikieren musste. Pikieren gehört für mich noch immer zu den eher unangenehmeren Gartenarbeiten!

Aber es hilft ja nichts. Unsere vorgezogenen Zwiebeln haben sich inzwischen gut entwickelt. Heute werde ich sie also pikieren.

Fuchsschwanz pikieren

Mailin pikiert Fuchsschwanz-Sämlinge

Mit dem Begriff pikieren bezeichnet man das Verpflanzen von zu dicht stehenden Sämlingen auf einen größeren Abstand. Ein anderer (aber etwas mehrdeutiger) Begriff für das Pikieren ist Vereinzeln.

Für die Pflanzen hat das Pikieren den offensichtlichen Vorteil, dass sie sich nicht gegenseitig beschatten und einen größeren Wurzelraum zur Verfügung haben. Es kommt aber auch noch der Effekt dazu, dass die Wurzeln durch kleine Verletzungen zu einem deutlich gesteigerten Wurzelwachstum angeregt werden. Letztlich führt das Pikieren also zu kräftigeren Pflanzen.

Werkzeug

Werkzeug zum Pikieren

Die notwendige Ausrüstung für das Pikieren ist überschaubar. Man braucht natürlich Pflanztöpfe oder Pflanzschalen und Pflanzerde. Außerdem benötigt man ein Werkzeug, um die kleinen Pflanzen auszugraben und vorsichtig zu trennen. Ich nehme dafür einen Esslöffel, einen Teelöffel und bei Bedarf einen Chopstick. Zum Stechen der Pflanzlöcher benötigt man ein Pikierholz. Dafür kann man auch einen alten Bleistift oder den Löffelstiel verwenden.

Wenn sich bei den vorgezogenen Pflanzen nach den Keimblättern die ersten echten Laubblätter entwickeln, ist der richtige Zeitpunkt zum Pikieren gekommen. Die Pflänzchen werden in kleinen Gruppen ausgegraben und dann vorsichtig voneinander getrennt. Kranke und kümmernde Pflanzen werden sofort aussortiert. Wenn die Wurzeln zu lang sind, werden sie etwas abgeknipst. Die oberirdischen Teile der Pflanze dürfen dabei natürlich nicht verletzt werden. Um sie nicht zu quetschen muss man sie sehr vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger greifen. Nun wird mit dem Pikierholz ein Loch in die Erde gedrückt und eine einzelne Pflanze hinein gesetzt. Anschließend wird die Erde vorsichtig rundherum angedrückt.

Pikierte Stiefmütterchen

Pikierte Stiefmütterchen im Spätsommer

Nach dem Pikieren sorgt man zunächst noch einige Zeit durch eine transparente Abdeckung für eine höhere Luftfeuchtigkeit. Die Pflanzen brauchen jetzt viel Licht. Direkte Sonneneinstrahlung ist andererseits eher nicht so gut.

Siehe auch:

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6 Kommentare zu Pikieren

  • Das mit dem angeregten Wurzelwachstum ist so eine Sache. Andrea Heistinger spricht sich zum Beispiel für die Direktsaat aus, da sich die Keimlinge dann direkt an die Umweltbedingungen (Wassermenge, Bodenqualität, Temperaturen) gewöhnen können, statt nach dem Umpflanzen einen Schock zu bekommen.

    Außerdem schreibt sie, dass bei direkt gesätem Salat die Wurzeln bis zu 60cm Tief reichen, bei gesetzem jedoch nur 30cm.
    (Quelle: “Handbuch Bio-Gemüse”, S20(ff), Andrea Heistinger/Arche Noah)

    Bei manchen Pflanzen mag das mit der Vorkultur ja Sinn machen, weil sie in unseren Breiten nicht genug wärme bekommen. Ich persönlich bin ja der Meinung, was nicht hart genug für mein Klima ist, muss ich auch nicht essen. Es gibt genügend regionalverträgliche Gemüse, da werde ich mir bestimmt keinen exotischen Arbeitsmacher ans Bein binden.

  • Im Zeitalter von Pillensamen und pneumatischen Sämaschinen, haben Pikieren, Vereinzeln und Eintopfen die Bedeutung verloren die sei einst hatten.
    Dort wo ich die Lehre gemacht habe, wurde unter Vereinzeln das Ausdünnen von Direktsaaten verstanden. Gemeint war damit, dass junge Radies, Rote Beete, Möhren und andere Saaten die zu eng standen, auf dem Endabstand ausgedünnt, respektive verzogen wurden. Je nachdem wird das Vereinzeln oder Ausdünnen auch als Verziehen bezeichnet.
    Pikiert wird, um die Pflanzen zu selektionieren und die Nährstoffversorgung sicher zustellen. In biodynamischen Anbau wird gerne pikiert, um den Pflanzen einen Impuls zu geben.
    Bei Pikieren werden die Wurzeln abgezwackt. In der Folge entwickeln sich die Wurzeln, die in den oberen und nährstoffreichen Schichten wachsen.
    Beim Topfen werden entweder Setzlinge oder Pflanzen direkt aus der Aussaatschale eingetopft.
    Werden noch sehr junge Pflanzen eingetopft, kann es zu Engpässen in der Nährstoffversorgung kommen.
    So weit so schlecht. Jeder Betrieb ist anders. Darum hat Gärtnern viel mit Überlieferungen, Voodoo und Zauberkünsten zu tun. Das Schöne ist, dass alles möglich und nichts falsch ist.

  • Pikieren oder Endabstand, da muss vermutlich jeder seinen eigenen Weg finden. Wir probieren ja immer viel herum. Dabei hat es sich hier bei vielen Früchten bewährt, die Pflanzen vorzuziehen. Das betrifft sogar viele Arten, die man problemlos direkt säen könnte. Man hat die Pflanzen in der Saatschale besser unter Kontrolle, sie laufen im Gewächshaus/Fensterbank besser auf, man hat weniger Verluste durch Krankheiten und Schädlinge und vor allem haben die Pflanzen beim Auspflanzen einen entscheidenden Vorsprung vor den Unkräutern.

    Nach unserer Erfahrung ist auch deutlich zu erkennen, dass sich pikierte Pflanzen besser entwickeln als direkt gesäte. Sicherheitshalber habe ich aber noch mal nachgesehen, was die Fachbücher dazu sagen. Zum Beispiel schreibt Holger Seipel in “Fachkunde für Gärtner”: Das Herausnehmen der Pflänzchen aus der Erde führt über die entstehenden Wurzelverletzungen zu einem Wundreiz, der die Wurzeln zu einer verstärkten Verzweigung anregt, wodurch die Wurzel- und Ballenbildung gefördert wird.

  • Also ich finde Pikieren nach wie vor sehr sinnvoll, besonders im Hobbygartenbereich (pneumatische Sämaschine etc. ist ja eher Landwirtschaft). Vor allen kann man dabei die kräftigsten Pflanzen auswählen und die anderen gleich kompostieren. Wenn man auf Endabstand sät und die Saat sich nicht so gleichmäßig entwickelt, dann hat man unter Umständen große Lücken in den Reihen oder viele Mickerpflanzen. Außerdem ist Pikieren so eine beruhigende, fast schon meditative Tätigkeit, finde ich.
    LG Martina
    P.S. der obige Kommentar stammt übrigens nicht von mir, ich habe kein Problem mit dem Seipel ;-)

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