Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sommergetreide und Wintergetreide?

Seit Ralf seine interessanten Versuche mit dem Getreideanbau im Garten begonnen hat (ich empfehle besonders den Bericht und das Video zu seiner selbst gebauten Dreschmaschine!), will ich schon eine kleine Serie über Getreide schreiben. Die gestrige Frage eines befreundeten Hobbygärtners ist jetzt der Auslöser, endlich einmal damit zu beginnen. Die Frage lautete: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sommergetreide und Wintergetreide?

Die Frage ist nicht ganz unberechtigt, denn die Bezeichnungen sind nicht unbedingt selbsterklärend. Wintergetreide wird nämlich meist im Sommer gesät, während Sommergetreide nicht selten im Winter gesät wird. Auch der Erntezeitpunkt hilft nicht weiter, denn beide werden im Hochsommer geerntet. Der Unterschied zwischen den beiden ist vielmehr, dass das Wintergetreide voll winterhart ist, während Sommergetreidearten den Winter schlecht oder gar nicht überstehen.

Wintergerste im Spätherbst

Wintergerste bei gruseligem Wetter im Spätherbst

Das Wintergetreide wird also im Spätsommer bald nach der Ernte der Vorfrucht gesät. Es hat dann bis zum Winter noch genügend Zeit, um zu kräftigen kleinen Pflanzen heranzuwachsen. Wenn dann im März das Sommergetreide gesät wird, hat das Wintergetreide schon einen großen Vorsprung. Deshalb sind die Erträge des Wintergetreides meist auch erheblich höher als die des Sommergetreides.

Winter-Varianten gibt es allerdings nur von Weizen, Triticale, Gerste und Roggen. Sommer-Varianten gibt es von allen Getreidearten. Wirtschaftlich relevant sind aber nur noch Mais, Sommergerste (z.B. als Braugerste) und Hafer..

Siehe auch:

4 Kommentare zu Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sommergetreide und Wintergetreide?

  • Und es hat wirklich nichts damit zu tun, dass Wintergetreide die Minusgrade braucht, um auch Koerner zu produzieren? Aehnlich einem Frostkeimer, der den Winter zur Keimung braucht. So habe ich das jedenfalls gehoert.

    • Doch, obligates Wintergetreide braucht den Kältereiz (Vernalisation) um später zum Blühen zu kommen. Ich hatte das nicht erwähnt, weil Wintergetreide nicht unbedingt obligates Wintergetreide sein muss. Wenn der Winterweizen zum Beispiel aus irgendwelchen Gründen (Wetter, Vorfrucht) erst sehr spät ausgesät werden kann, dann kann man durchaus eine Sorte wählen, die eigentlich als Sommerweizen gilt.

  • Walter Pfeffer

    Seit wann gibt es überhaupt Wintergetreide in Deutscsland?

    • Tja, im 15. Jahrhundert wurde Roggen, Weizen, Dinkel und Gerste regelmäßig in der Dreifelderwirtschaft (Sommerfrucht, Winterfrucht, Brache) als Wintergetreide angebaut. Soweit ich weiß ist die Dreifelderwirtschaft schon seit dem 8, Jahrhundert in Europa bekannt. Wie winterhart die einzelnen Getreidearten damals waren kann ich leider nicht sagen.

      Ach ja, Weizen und Gerste wurden zwischen Euphrat und Tigris schon seit 8000 Jahren angebaut. Roggen war zunächst nur ein Unkraut. Als sich das Getreide dann vor ca. 6000 Jahren nach Europa ausbreitete, stellte sich das Unkraut als Segen heraus, weil es kälteresistenter war und in kalten Jahren die Ernte sicherte. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte selektierten die Bauern dann aus den verschiedenen Getreidearten (außer Hafer) auch Wintersorten.

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