Das Deutsche Schadstoffregister

Gestern bei unserer Holunderblütenessig- und Holunderblütengelee-Aktion habe ich unter anderem berichtet, dass wir die Blüten nicht mehr waschen, bevor wir sie verarbeiten. Wenn man das so handhabt, dann sollten sie natürlich möglichst frei von Schadstoffen sein. Es versteht sich von selbst, dass man die Blüten dann nicht direkt neben einer viel befahrenen Straße sammelt. Aber was setzt sich da eigentlich sonst noch so auf den Holunderblüten ab?

Deutsches Schadstoffregister

Die Umgebung unseres Gartens im Deutschen Schadstoffregister

Zum Glück gibt es seit einiger Zeit eine neue EU-Richtlinie, die verbindlich fordert, dass die Industrie offen legt, welche und wie viele Schadstoffe sie in die Umwelt entlässt. Seit dem 3. Juni ist nun auch das Deutsche Schadstoffregister oder wie es offiziell heißt Polutant Release and Transfer Register (PRTR) online. Dort kann man sich informieren, ob sich in der Umgebung des eigenen Gartens eine größere Dreckschleuder befindet.

Für Google-Maps verwöhnte Benutzer ist der Umgang mit der Karte und der dazu gehörenden Suchfunktion etwas gewöhnungsbedürftig. Mit “schnell mal eben anklicken” ist es da leider nicht getan. Jeder Betrieb muss erst auf der Karte genau lokalisiert werden, damit sein Name eingeblendet wird. Anschließend müssen die Betriebs-Details per Suchfunktion gesucht werden. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit und vielen gleichzeitig geöffneten Browser-Tabs findet man sich schließlich aber doch zurecht.

In unserer unmittelbaren Umgebung ist auf der Karte nur die Konservenfabrik der Firma Buss zu finden und die entlässt laut Schadstoffregister keine schädlichen Stoffe in die Luft. Auch in der etwas weiteren Umgebung habe ich keine Luftverschmutzer gefunden, allerdings bin ich nicht alle Betriebe in Bremen im Einzelnen durchgegangen.

Wenn ich das Konzept des Schadstoffregisters richtig verstanden habe, dann werden die Schadstoffmessungen von den Betrieben selbst durchgeführt und werden später in der unteren Überwachungsbehörde nur noch einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Hoffen wir mal, dass alle Betriebe auch wirklich in der Lage sind, diese Messungen fachgerecht durchzuführen.

Leider müssen die Betriebe Schadstoffe nur melden, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten wurden. Für Stickoxide liegt dieser Schwellwert zum Beispiel bei 100 Tonnen pro Jahr, bei Schwefeldioxid sogar bei 150 Tonnen oder bei Feinstaub bei 50 Tonnen pro Jahr – ganz schön viel, wie ich finde.

Weblinks:

3 Kommentare zu Das Deutsche Schadstoffregister

  • Sisah

    Sehr interessant, was du da berichtest. Die Seite kannte ich noch nicht. Fragen die sich mir allerdings beim Lesen stellen -obwohl wir in unmittelbarer Nähe keine Dreckschleudern haben- wie weit können Schadstoffe aus industriellen Anlagen vom Wind getragen werden… sind die Autos, die auf dem Berliner Stadtring dahinrasen nicht viel stärkere Emittenten von Feinstaub und Stickoxiden ?

    Mir gingen wohl ähnliche Gedanken beim Pflücken von Holunderblütendolden auf den Äckern des Berliner Umlands durch den Kopf, die dich veranlassten nach Dreckschleudern in der Umgebung zu forschen.
    Auf den Äckern des Umlandes stand Gerste, wird die eigentlich mit Pestiziden behandelt, der sich dann in den Blüten des Holunders wiederfindet? Etliche Äcker des Berliner Umlandes waren mal Rieselfelder, sind also ganz sicher mit Schwermetallen belastet. Hier wächst aber auch massenweise Holunder, finde ich die Schwermetalle dann auch in den Blüten wieder. Wo findet man dazu Infos?

  • Letzte Sicherheit erhält man wohl nur, wenn man alle Lebensmittel eingehend untersuchen lässt und das kann man nicht bezahlen ;-)

    Mailin liest relativ regelmäßig die Neuigkeiten auf der Webseite des LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), ich selbst bekomme allerdings leicht Hautausschlag, wenn ich mir überlege, was die alles in unseren Lebensmitteln finden ;-) Bei einer größeren Erdbeeren-Untersuchung wurden zum Beispiel nur bei 10 Prozent der Erdbeeren keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden (zum Glück waren wenigstens alle fünf Bio-Erdbeer-Proben rückstandsfrei).

    > wird die eigentlich mit Pestiziden behandelt

    Konventionell angebautes Getreide wird vor oder kurz nach der Saat mit Herbiziden gegen Unkraut gespritzt; dann wird es zum Teil mit Wachstumshemmern behandelt, damit es nicht so leicht umfällt; später mit Fungiziden gegen pilzliche Krankheitserreger und ggf. auch noch mit Insektiziden gegen Läuse etc. Trotzdem habe ich da eigentlich nur relativ wenig Bedenken, dass große Mengen an schädlichen Substanzen die Felder verlassen.

    Mir machen vor allem der Feinstaub und andere Luftverunreinigungen durch die Industrie sorgen. Diese Stoffe setzen sich mit Sicherheit auch auf Pflanzen ab (zum Teil direkt, zum Teil gelöst im Regen).

  • Sisah

    Danke für die Anregung mal Ausschau zu halten nach etwas Ähnlichem wie LAVES in Niedersachsen in Berlin-Brandenburg zu schauen. Auf den Seiten des Brandenburger Umweltamtes fand ich auch etwas über Altlasten des Bodens (die mich interessieren), sie sind dort sehr wohl ein Thema, insbesondere die gesetzlichen Grundlagen, aber Angaben zu tatsächlichen Untersuchungsergebnissen gibt es natürlich nicht.
    Das ist ja ein ziemliches Giftcocktail, was du da als Pflanzenschutz an Getreide anführst, wieso sollte das dann nicht anschließend auch etwas in den Holunderblüten an den Feldwegen zu finden sein?
    Die Gesundheitsschädigung unserer Atemwege durch Feinstaub finde ich sicher auch bedenklich, aber beim Herstellen von Holunderblütengelee spielt der ja wohl keine Rolle. Dass er sich auf Pflanzen absetzt ist klar , deshalb werden Moose ja sogar als Feinstaubschlucker eingesetzt http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-6901-2007-08-03.html….Aber wirkt Feinstaub denn auch als Gift über den Verdauungstrakt, das ich dann auch über Holunderblütengelee aufnehmen könnte?

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