Die Weinraute

Noch unreife Frucht der Weinraute

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen im – ähm darf man das Wort überhaupt schon sagen – Herbst ist es, mit Tüten bewaffnet durch den Garten zu schlendern und von allen möglichen Pflanzen Samen zu ernten. Als ich dabei gestern an unserer Weinraute vorbei kam, beschloss ich endlich mal einen lange geplanten Selbstversuch durchzuführen.

Die Weinraute (Ruta graveolens) ist ein Halbstrauch aus der Gattung der Rauten (Ruta) in der Familie der Rautengewächse (Rutaceae) der nach Gertrud von Nivelles auch als Gertrudenkraut bezeichnet wird. Ursprünglich ist sie in Südeuropa heimisch. Heute wächst sie im Mittelmeergebiet und auf der Balkanhalbinsel wild. Früher wurde die Weinraute als Heil- und Gewürzkraut verwendet. Heute findet man sie zum Beispiel noch in der italienischen Spirituosen-Spezialität Grappa alla Ruta.

Und was soll nun an der Weinraute so schlimm sein, dass ein Selbstversuch nötig ist? Die Weinraute lagert an ihren Blättern Furanocumarine ab. Diese Stoffe besitzen photosensibilisierende Eigenschaften, das heißt, sie können bei Berührung in Zusammenhang mit Sonnenlicht zu Rötung der Haut, Bläschenbildung bis hin zu wochenlang nässenden Wunden führen. In den einschlägigen Foren liest man immer wieder Gruselgeschichten von Leuten, die nach der Berührung einer Weinraute solche schlechten Erfahrungen gesammelt haben. Obwohl wir selbst weder nach dem Pflanzen der Weinraute, noch nach gelegentlichem vorsichtigen Jäten von Unkraut unter dem kleinen Strauch jemals solche Probleme hatten, blieb die Weinraute doch irgendwie immer ein Fremdkörper in unserem Garten. Wenn möglich machten wir lieber einen großen Bogen um den Strauch. Eigentlich ist das etwas unverständlich, immerhin war die Weinraute eines der beliebten Würzkräuter der antiken römischen Küche. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die alten Römer jedesmal Einmalhandschuhe angezogen haben, wenn sie ihre Kräuter geerntet haben.

Gestern ließ ich es dann einfach mal drauf ankommen und sammelte ein Tütchen voll von den Weinraute-Samen. Natürlich ließ sich dabei der intensive Kontakt mit den Blättern der Pflanze nicht vermeiden. Erstes Ergebnis dieses Selbstversuchs: Obwohl wir hier gestern einen super-schönen Sonnentag hatten, sind meine Hände völlig frei von Rötungen oder gar nässenden Wunden. Entweder lagert unsere Weinraute an ihren Blättern keine Furanocumarine ab, oder die Empfindlichkeit für diese Stoffe ist individuell stark unterschiedlich.  Naja, oder es dauert noch einen weiteren Tag, bis die genannten Effekte eintreten.

Siehe auch:

Weblinks:

16 Kommentare zu Die Weinraute

  • Sisah

    Genau, Heiner, wart´s ab ;-). Ich habe meine Erfahrungen mit diesem wirklich schönen Strauch hinter mir und geh seit dieser Zeit bei Sommersonnenwetter nie in seine Nähe. Ich konnte damals zuerst gar nicht die Blasen auf meiner Haut in einen ursächlichen Zusammenhang mit der Weinraute bringen, denn es vergingen ein paar Tage bis die Haut reagierte. Übrigens ist die phototoxische Reaktion eine “obligat auftretende” Entzündungsreaktion”, vielleicht beschränkt sich die Wirkung bei Dir nur auf ein brennendes,juckendes Erythrem …”in besonders scheren Fällen” bilden sich allerdings Blasen.

    Die alten Römer hatten sicherlich Gartensklaven, die Blättchen von der Weinraute ernteten….und mussten sich sicherlich nicht selbst die Hände blasig machen, außerdem waren die damals sowieso härter im Nehmen als wir zarthäutigen Zivilisationsmenschen.

  • Leider kann ich gerade nicht gut antworten, weil meine Hände so geschwollen sind…

    Nein, immer noch keine Symptome erkennbar ;-) Ich gebe zu, die “obligat auftretenden Entzündungsreaktionen” und die Aussicht, dass es sich bei mir vielleicht auf ein brennendes Jucken beschränkt, machen mir Sorgen!

    Ich warte es einfach noch mal ein paar Tage ab, aber eigentlich bin ich ziemlich zuversichtlich, dass da nix mehr kommt. Wie gesagt, ich hatte auch früher nie Probleme, wenn ich die Weinraute gelegentlich vorsichtig berührt habe. Mag sein, unsere Weinraute produziert weniger von diesen Furanocumarinen, weil sie ziemlich dunkel steht (was sie übrigens recht gut vertägt), oder die anschließende Sonneneinstrahlung auf die Hände hat nie ausgereicht um diese photosensibilisierenden Effekte auszulösen. Naja, wir werden sehen, wie es bei mir weiter geht.

  • Na, wie sieht’s jetzt aus?
    Als ich die Weinraute in den Garten pflanzte, hatte ich noch keine Ahnung von deren phototoxischen Eigenschaften und ging mit ihr nicht anders um als mit den anderen Kräutern. Erst durch – wie du so schön schreibst – Gruselgeschichten aus einem Forum erfuhr ich von diesen Eigenschaften. Mein Umgang hat sich nicht geändert: Sie steht vollsonnig im Kräutergarten neben dem Weg, jedesmal beim Gießen, Jäten oder Ernten berühre ich sie, streife sogar großflächig mit den nackten Beinen an heißen Sommertagen an, einmal versehentlich auch so richtig mit dem Gesicht (da hab’ ich mir kurzfristig schon Sorgen gemacht…) aber – glücklicherweise – nichts. Aber auch gar nichts. Bei meinem Schatz ist es genauso. Wir scheinen da gänzlich unempfindlich zu sein – oder die Weinraute hat uns besonders lieb. Keine Ahnung. Aber “obligat” scheint mir die Reaktion nicht zu sein.
    Liebe Grüße, Margit

  • Bei mir ist weiterhin keine Reaktion erkennbar. Gut, in den letzten Tagen haben Stoffe, die für ihre Aktivierung Sonnenlicht benötigen hier auch ganz schlechte Karten ;-)

    Ich will übrigens niemanden animieren selbst solch einen Test zu machen. Wie gesagt, die Folgen (offene suppende Wunden, dauerhafte Farbveränderungen der Haut und wer weiß was sonst noch alles) können ziemlich deftig sein. Trotzdem habe ich auch nicht das Gefühl, dass diese Reaktionen zwangsläufig eintreten. Möglicherweise bilden verschiedene Weinrauten unterschiedlich viel von diesen Furanocumarine und wir haben eine, die wenig davon produziert. Bei anderen Pflanzen, die Furanocumarine bilden ist die Reaktion offenbar tatsächlich obligat. Dies gilt wohl ganz besonders für das Herkuleskraut (Riesen-Bärenklau, Herkulesstaude, Heracleum mantegazzianum). Daran sollen angeblich schon Leute durch bloße intensive Berührung gestorben sein.

  • Elke

    Hallo an alle in die Runde,

    ich habe meine Weinraute, nach einem jahrelangen nutzlosen “Dasein” in meinem Kräutergarten ausgemacht. Die Wurzeln waren enorm und ich hatte große Mühe, sie aus der Erde zu bekommen. Also musste ich schon (außer dem Spaten) noch gewaltige Anstrengungen untenehmen, um sie aus der Erde zu ziehen. Ich trug an dem Tag Handschuhe und es war herrliches Sonnenwetter.
    Am nächsten Tag (!) hatte ich an beiden Armen große Bereiche, in denen die Haut gerötet und wie “verbrannt” war und stark geschwollen – ich wußte hundertprozentig, dass ich mich weder beim Kochen noch beim Bügeln verbrannt hatte – also wo kam das her? Ich vermutete zunächst eine allergische Hautreaktion von was auch immer….. Doch einen weiteren Tag später bildeten sich auf der Haut etliche Brandblasen, die ich nun mit Brandsalbe behandelte. Nun wollte ich es doch genauer wissen und habe im Internet gesucht und bin auch fündig geworden. Die Weinraute war dran schuld. Das Ganze ist nun zwei Wochen her und inzwischen habe ich immer noch deutlich sichtbare rote Flecken auf der Haut. Die Brandblasen sind inzwischen verschwunden und die Haut schält sich und juckt. Ich fürchte, es wird noch eine ganze Weile Dauern, bis nichts mehr zu sehen sein wird. Eine Apothekerin, der ich die Wunden zeigte, meinte es sei schon eine starke Verbrennung!
    Ich vermute, es bedarf schon mehr “Gewaltanwendung” an der Pflanze um die “schädlichen Säfte” herauszudrücken, womöglich sitzen sie sogar in der Wurzel. Nun tut es mir – trotz allem – fast leid, dass ich sie rausgeschmissen habe – welch enormen Kräfte diese Pflanze zu haben scheint…..das hat mich neugierig gemacht! Was mich allerdings wundert: Fast niemand weiß davon – vor dem großen Wiesenbärenklau wird gewarnt, aber das ein Küchenkraut derartiges bewirken kann……….Wahnsinn!
    Gruß, Elke

  • martin

    ja liebe leser, mir gehts im moment genauso wie elke vorab.
    die blasen sind enorm grossflächig auf beiden unterarmen vor-
    handen. bin mal gespannt wie lange das andauert. hab den hautarzt
    aufgesucht dem die nicht sehr neu ist. na ja nach dem leiden hat
    die weinraute zumindeste an dieser stelle im Garten ausgedient.

  • Ich hatte meinen Versuch ja Ende September gemacht. Könnte es vielleicht sein, dass diese Furanocumarine bei der Weinraute besonders im Frühjahr aktiv sind?

    In diesem Frühjahr hatte ich nämlich auch schon einmal am Unterarm eine kleine Stelle mit solchen Bläschen. Erst später fiel mir ein, dass ich vorher einen Ysop aus der näheren Umgebung der Weinraute weggepflanzt hatte. Der Zusammenhang Weinraute plus intensives UV-Licht würde also passen.

    Seit auf alle Fälle vorsichtig, wenn ihr mit der Weinraute rumhantiert – ganz besonders an sonnigen Tagen!

  • Ralf

    Ich kann dem ganzen nur zustimmen. Finger weg von der Weinraute an sonnigen Tagen!

    So wie Elke wollte ich meine Weinraute aus dem Kräuterbeet mit Stumpf und Stiel entfernen (inzwischen ca. 60 cm hoch und die anderen Kräuter überwuchernd), da ich noch eine weitere Weinraute im Steingarten hatte. Beim normalen Kontakt mit der Weinraute traten bisher noch nie irgendwelche Irritationen auf. Anscheindend ist ein intensiver Kontakt mit der Pflanze nötig, wie z.B. beim Entfernen des Wurzelstockes ohne Schutz.

    Auf jeden Fall traten 2 Tage danach an den Handrücken sowie Unter- und Oberarmen großflächig feuerrote Stellen auf, an denen sich auch nässende Bläschen bildeten. Nach einer Woche Behandlung mit Cortison-Salbe sind diese endlich verschwunden, die roten Stellen leider nicht. In direktem Kontakt mit Sonne werden diese sogar wieder schlimmer.

    Also, bei irgendwelchen größeren Arbeiten im Kräuterbeet in Nachbarschaft zur Weinraute nur mit Handschuhen und langen Ärmeln vorgehen.

  • Ingrid

    Von dieser Wirkung der Weinraute habe ich erst jetzt im Internet erfahren. Früher hatte ich sie lange Zeit im Garten und sie auch häufig als Küchenkraut genutzt – ohne beschriebene Wirkungen. Nun habe ich eine neue Pflanze bekommen und nachgeschaut, was ich beim Pflanzen beachten sollte. Ich werde auf jeden Fall aufpassen.

  • Elke

    Hallo in die Runde,

    hat sich ja noch ganz schön was getan auf dieser Seite…..

    Der Stand meiner “Verbrennung” vom Mai ist folgender:
    So, wie Ralf oben schreibt, waren die roten Stellen immer bei Sonnenlicht wieder stärker geworden, das ging auch noch ne ganze Weile so. Mittlerweile sind die Stellen aber stark verblasst, aber wenn man weiß, wo sie waren, kann man schon noch was sehen. Außerdem ist die Haut dort leicht glänzend und irgendwie -hmmmmm – irgendwie “gröber” strukturiert….

    Auf alle Fälle empfehle ich jedem, die “Verbrennungen/Verätzungen” von einem Arzt behandeln zu lassen. Ich hatte Brandsalbe genommen, aber es hätte anders behandelt werden müssen.

    Also in diesem Sinne,
    schönes Wochenende und viel Spaß im hoffentlich gefahrenfreien Garten! :-))
    Elke

  • Peter

    Hallo Zusammen,
    auch ich hatte meine schlechten Erfahrungen mit der Weinraute. Das ist jetzt schon einige Jahre. An der Armunterinnenseite hatte ich Kontakt mit der Pflanze und es gab im Sommer ne recht starke Verbrennung. Noch heute habe ich manchmal das Gefühl, dass die Haut leicht brennt. Hier ist die Haut wohl besonders empfindlich. Die Pflanze hatte ich damals in den Händen zerrieben und wohl auch den Unterarm berührt, doch an den Händen zeigte die Pflanze keine Wirkung. Wohl auch deshalb, weil ich mir die Hände nach kurzer Zeit gewaschen hatte. Deshalb die Empfehlung, nach dem Umgang mit der Pflanze, gründlich die Kontaktstellen abwaschen.

  • brigitte

    gruss an alle,
    ich habe gehört das es männliche u.weibliche Pflanzen geben soll.Die männlichen haben gelbe Blüten.Meine Freundin trocknet die Stiele und brüht sich von den Blättern einen Tee.Soll bei Kopfschmerzen,Kreislaufbeschwerden ect.angeblich helfen.Sie kommt aus Guatemala und schwört auf diese Pflanze.

  • Ralf Vogel

    Ralf 3.August 2010

    vor jahren machte ich das erste mal mit ruta in grappa im piemont
    bekantschaft.Ich war davon so begeistert,dass ich mir samen mitbrachte
    um mir einen strauch im garten zu halten.2 jahre später blühten etliche sträucher zur meiner freude und der der bienen.Täglich pflückte ich ein zweig
    um ihn wie salbei zu kauen,ob der tag sonnig war oder nicht,ich besuchte meinen strauch täglich um den besonderen geschmack zu genießen.Von verbrennungen an den händen keine spur,noch habe ich mir
    den mund verbrannt.

  • Claudia

    Habe verschiedene Pflanzen der Weinraute an ganz unterschiedlichen Stellen in Äthiopien unter intensiver Sonneneinstrahlung angefasst und nie Probleme gehabt. In Äthiopien nimmt man gern einige frisch gepflückte Blätter der Weinraute in den Kaffee. Das schmeckt sehr lecker!

  • Simone

    Jetzt hat es mich auch erwischt! Ich habe Weinraute-Stauden gekauft und sie in unseren Blumenfeldern zum Selberschneiden gepflanzt. So hin und wieder muss man Unkraut jäten, was ich dann auch gründlich getan habe. Mit dem Resultat, dass ich an beiden Unterarmen einen entsetzlichen Ausschlag bekam. Erst konnte ich die Entzündung gar nicht zuordnen, bis mich jemand auf die toxische Reaktion der Pflanze aufmerksam machte. Im Internet habe ich dann die Bestätigung meiner Verletzung nachlesen können. Da ich wirklich arge verbrennungsähnliche Verletzungen hatte, bekam ich es mit der Angst zu tun, dass Narben zurück bleiben könnten.
    Vor lauter Schreck wusste ich mir nur mit einem Mittel zu helfen und das möchte ich gern allen Betroffenen empfehlen: Ich habe Moorbäder gemacht. Jeden Abend ca. 30 Minuten habe ich meine Unterarme in eine Wanne gelegt. Ich handel mit Moorprodukten und weiss, dass diese u.a. auch bei Hautverletzungen sehr heilend wirken. Schon nach dem ersten Bad, sahen meine Unterarme um WELTEN besser aus. Nach jetzt 2 Wochen habe ich noch dunkelbraune Stellen am Arm. Es fällt aber kaum noch auf. Die Haut wird sich nicht mehr schälen und die Bläschen sind weg. Also: alle die Hilfe suchen: probiert die Moorprodukte aus!
    Bäder, Cremen… im Internet findet man alles. Ein Naturprodukt womit man nichts falsch machen kann! Mir hat es in wirklich kurzer Zeit enorm geholfen!

  • Vera Servatius

    Hallo Simone,

    ich habe mich nun auch an dieser Staude “verbrannt” und Deinen Tip mit den Moorbädern gelesen. Habe gleich bei meiner Apotheke angerufen, um eine Flasche davon zu bestellen. Ich frage mich nur, was ich mit einem Liter Moorbad mache? Löse ich das in Wasser auf? Brauche ich jedes Mal eine neue Flasche oder kann ich das Bad jeden Tag wieder benutzen? Hast Du eine gute Quelle, wo man das günstig bekommen kann?

    Würde mich seeehhhhr über eine Antwort freuen!!!

    Gruß
    Vera

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