Wie lange dauert es vom Apfelkern bis zum ersten Apfel?

Kann man Obstbäume aus Kernen ziehen? Vor ein paar Tagen schrieb ich zu diesem Thema in einem Gartenforum sinngemäß: “… Hauptgrund für das Veredeln ist einfach, dass man bei Sämlingen erst nach etlichen Jahren feststellen kann, welche Eigenschaften sie haben …“.

Dazu bekam ich ein Mail von Heinz Kahrs mit einer Anleitung, wie man schon drei oder vier Jahre nach der Ernte der Kerne die ersten Früchte der neuen Sorte probieren kann. Das funktioniert in etwa so: Um die Vegetationsperiode zu verlängern werden die Kerne im frühen Frühjahr auf der Fensterbank ausgetrieben. Im März des folgenden Jahres werden die Sämlinge auf einen frohwüchsigen Apfelbaum gepfropft. Schon im Folgejahr, aber spätestens nach zwei Jahren tragen diese Zeige dann ihre ersten Früchte.

Drei bis vier Jahre – das ist wirklich schnell! Trotzdem würde ich als normaler Hobbygärtner eher auf bekannte Sorten mit bekannten Eigenschaften zurückgreifen. Zum einen hat sicherlich nur eine unter Hunderten von den so geschaffenen neuen Sorten das Potential sich längerfristig durchzusetzen, man müsste diese Prozedur also mit sehr vielen Sämlingen durchführen. Zu anderen kann man anhand der ersten geernteten Früchte nur sehr wenig über die Eigenschaften der neuen Sorten sagen. Das betrifft das Ertragspotential, den Geschmack und die Haltbarkeit, aber aber eben auch andere Eigenschaften wie Krankheitsanfälligkeit oder Boden- und Klimaansprüche.

Normalerweise dauert es länger, bis aus einem kleinen Kern ein Apfelbaum wird, der selbst wieder Fürchte trägt. Unser erster selbst veredelter Apfel trägt in diesem Jahr seine ersten Früchte. Hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse.

Von der Ernte der Mutteräpfel für die Unterlagen bis zu den ersten Früchten an den Tochterbäumen verging bei uns also ein Zeitraum von fünf Jahren. Ein paar der Unterlagen haben wir übrigens nicht veredelt, die tragen bisher noch keine Früchte.

Siehe auch:

1 Kommentar zu Wie lange dauert es vom Apfelkern bis zum ersten Apfel?

  • Hallo Heiner,

    zu Deinem interessanten Beitrag habe ich eine Frage und eine Anmerkung; zuerst die Frage: Was ist mittlerweile aus den unveredelten Bäumchen geworden? Haben sie schon getragen? Oder habt Ihr sie gar nicht so weit erwachsen werden lassen? (OK, das sind zwar drei Fragen, aber sie haben nur ein Ziel)

    Die Anmerkung: mit Deinen Einschränkungen zur eigenen “Apfelbaumzucht” hast Du zwar vollkommen recht, aber trotzdem sollten es mehr Leute wagen, eine neue Sorte zu kreieren, indem sie Apfelbäume aus Samen ziehen. Gründe dafür sind u. a., man erhöht die genetische Vielfalt und kann auf den glücklichen Zufall hoffen: die eigene Sorte muss ja nicht unbedingt besser als alles bisher Dagewesene sein und sich im Massenanbau durchsetzen; aber sie könnte geschmacklich vielleicht etwas ganz Besonderes sein, auch wenn sie nicht so ertragreich, resistent und gut aussehend ist wie altbekannte Sorten ist.

    Ich habe zum Thema “Anzucht aus Samen” in meinem Blog einen umfangreicheren Beitrag verfasst: Der Same ohne Eigenschaften.

    Beste Grüße
    und weiterhin viel Erfolg und Freude beim Gartenbau und Schreiben
    Jürgen

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