Der Haselnussbohrer

HaselnussAm Rand unserer Pferdeweide steht eine Hecke uralter Haselnussbäume. Nach meiner vorsichtigen Schätzung muss die Hecke über hundert Jahre alt sein. Alle paar Jahre wird sie radikal zurück geschnitten, im Moment ist sie aber wieder zu ihrer vollen Pracht herangewachsen und sie hängt voller Früchte. Leider werden wir aber wohl auch in diesem Jahr nichts davon haben, weil im Herbst nahezu alle Früchte mit einem kleinen Loch versehen und von innen verputzt wurden. Damit das in Zukunft anders wird, habe ich beschlossen, mich mal etwas mit dem Haselnussbohrer zu beschäftigen.

Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist ein kleiner Käfer aus Familie der Rüsselkäfer. Als ich sein Bild eben zum ersten Mal in der Wikipedia sah, dachte ich zunächst, dass das nicht der Übeltäter sein kann, der die Löcher in unsere Nüsse bohrt. Ich habe hier bei uns nämlich noch nie so ein Tier gesehen. Offenbar überwintert die Larve im Boden und verpuppt sich im Frühjahr. Im Mai/Juni bohrt der weibliche Käfer das besagte Loch in die Nuss und legt anschließend ein Ei hinein. Die Larve, die aus dem Ei schlüpft, frisst dann die Nuss von innen auf.

Aha, dann müsste ich jetzt doch wohl Nüsse mit solchen Larven finden. Also mit einem Nussknacker bewaffnet und ab in den Garten! Hier der Inhalt der zweiten geknackten Nuss:

Haselnussbohrer

Übrigens sind an den Nüssen noch keine Löcher zu erkennen, weil das Loch vor der Eiablage wieder zuwächst. Das Loch, dass man im Herbst findet, wird von der Larve gebohrt, um an’s Tageslicht zu gelangen.

Und was kann man nun dagegen machen? Der Vorschlag des MDR, unter den Büschen umzugraben halte ich (gelinde gesagt) für nicht sehr praktikabel. Wahrscheinlich haben die unsere Haselnusshecke noch nicht gesehen. Andererseits scheint es überhaupt keine sichere Methode zu geben, den Käfer von der Eiablage abzuhalten. Die Land- und Forstwirtschaftliche Zeitung rät zum Beispiel dazu, die Käfer im Mai von den Sträuchern abzuklopfen. Insektizide sind im Bereich von Haus- und Kleingärten (zum Glück) nicht zugelassen. Vielleicht werde ich mir doch angewöhnen müssen, im Herbst und Frühjahr zumindest unter den Büschen im Garten etwas intensivere Bodenbearbeitung zu betreiben.

Weblinks:

13 Kommentare zu Der Haselnussbohrer

  • Helmut Rieke

    die bekämpfung des haselnussbohrers ist wirklich sehr schwierig. Umgraben des Bodens unter des haselnussbüschen ist absoluter unsinn. Ein spatenstich reicht zur begründung: FLACHWURZLER !
    Pflanzenschutzamt empfahl, im frühjahr mit kalkstickstoff zu düngen; das killt angeblich einen teil der käfer oder larven im boden, weil dabei geringfügige mengen blausäure entsteht.
    Ferner riet man mit, zur vergrämung der hochkletternden käfer die stämme bis in kniehöhe mit SPRUZIT einzusprühen. Noch nicht ausprobiert.

  • Wir haben es inzwischen fast aufgegeben, den Haselnussbohrer in unserer Haselhecke bekämpfen zu wollen. Die Eichhörnchen freut es, die sind jetzt die einzigen, die dort ernten ;-)

    Allerdings haben wir auch ein paar “edlere” Haselnüsse mit schönen dicken Früchten. Dort versuche ich seit Jahren allen möglichen Tricks, hilft aber eher wenig.

    > Flachwurzler

    Ganz genau, der Vorschlag scheint nicht wirklich aus der Praxis zu kommen.

    > Kalkstickstoff

    Könnte mir gut vorstellen, dass das funktioniert. Da wir hier aber prinzipiell keine Mineraldünger einsetzen entfällt das leider auch. Übrigens, wer Kalkstickstoff streut darf definitiv anschließend keinen Alkohol trinken. Bei der Umwandlung des Kalkstickstoff (CaCN2) in pflanzen-verfügbarem Stickstoff entsteht in der ersten Teilreaktion unter anderem das sehr giftige Cyanamid (H2CN2), Alkohol soll die giftige Wirkung des Cyanamids um das 30fache steigern. In der Berufsschule haben sie uns mehrfach von Fällen berichtet, in denen Bauern das abendliche Bierchen nicht überlebten, nachdem sie Kalkstickstoff gestreut hatten.

    > Spruzit

    Nie gehört, hört sich interessant an. Muss ich mal nachlesen.

    Ahja, das ist offenbar Natur-Pyrethrum gemischt mit Rapsöl. Es scheint daher nach der EU-Öko-Verordnung (zumindest nach Genehmigung) zugelassen zu sein. Wenn es irgendwie vermeidbar ist, möchte ich so etwas aber auch nicht so gerne im Garten haben. Wer weiß, was das sonst noch alles so killt. Und wieder: Pyrethrum ist zwar ein Naturprodukt (wird aus einer Chrysantemenart gewonnen), es wirkt unspezifisch und es ist natürlich ebenfalls giftig. Also ist beim Umgang damit ebenfalls größte Vorsicht angesagt.

  • Fritz

    Wenn die Haseln in einem Hühnerauslauf wachsen, wirst Du keine beschädigte Nuss finden; für Hühner sind alle Entwicklungsstadien des Bohrers eine Delikatesse. Für Ertragsanlagen empfiehlt es sich, die Haseln als Einzeltrieb-Hochstämme zu ziehen und den Stamm mit Leimringen zu versehen; insbesondere die Weibchen des Bohrers sind flugfaul. Übrigens ist die Halb- oder Hochstamm-Kultur der Haseln vorprogrammiert, wenn sie auf Baumhasel-Unterlage veredelt wurden. Letzteres hat auch den Vorteil, dass der Ertrag sehr frühzeitig einsetzt, manchmal schon im zweiten Jahr nach der Veredelung.

  • Das ist ja interessant. Wir überlegen schon länger, ob wir wieder Hühner halten sollen. Die Frage ist natürlich, ob es für die Bekämpfung des Haselnussbohrers nötig ist, dass die Hühner ständig im Garten herumlaufen? Das wäre nicht in meinem Sinne, weil ich die Ausscheidungen der Hühner unter meinen Schuhsohlen ebenso nervig finde, wie diejenigen von Hunden.

    Wenn man die Hühner aber nur gelegentlich (zum Beispiel in dieser Jahreszeit tagsüber) in den Garten lassen müsste, dann wäre das ja geradezu optimal. Jetzt können sie dort von mir aus Scharren (und Kacken) wo immer sie möchten. Naja, die mehrjährigen Büsche und Bäume müssten sie natürlich in Ruhe lassen ;-)

  • Wolfgang Ahrens

    Wir ernten seit Jahren nur taube Haselnüsse. Auch dieses Jahr sind die Larven längst im Boden. Nachdem ich obige Infos über den Haselnussbohrer habe, kam mir folgende Idee: ich werde die Sträucher kräftig beschneiden und im nächsten Frühjahr alle Fruchtansätze restlos entfernen, damit die Haselnussreifung im nächsten Jahr vollständig ausfällt. Damit hoffe ich dem Schädling jede Grundlage zu entziehen. Ohne Nüsse keine Larven – oder? Danach sollten die Sträucher erst mal Schädlingsfrei sein – oder?

    • Das hört sich ziemlich radikal an ;-) Könne aber natürlich funktionieren.

      Der Käfer des Haselnussbohrers fliegt offenbar nicht besonders gerne, er hat aber Flügel und wenn er will, dann kann er fliegen. Es sollten sich in der unmittelbaren Umgebung also möglichst keine anderen Haselnüsse befinden.

  • peter

    wen sich in der umgebung nichts gleichwetiges befindet sollte mann aber auf die befruchtung im nächsten jahr achten.ich werde im nächsten jahr einfach mal Bi 58 probieren(gießen in den boden)oder leimringe anbringen,habe die käfer noch nie gesehen nur die sch..maden in den nüssen.mfg peter

  • annalena

    steht im text wer die Feinde sind?

    • Anhand der Lebensweise kann man sich zum Beispiel vorstellen, dass scharrende Hühner die Käfer ausbuddeln und fressen. Es gibt wohl auch zooparasitische Nematoden, die Haselnussbohrer befallen. Allerdings weiß ich nicht, ob es da einsatzfähige Präparate gibt.

  • meinland

    guten tag
    ich habe kürzlich in ungarn ein altes haus mit grossem grundstück gekauft.
    da ich haselnüsse auch sehr gerne mag, und die immer voll löcher sind, habe ich mich nach einer lösung umgeschaut, und so bin ich auf diese webseite gekommen.
    das mit den hühnern halten unter den haselnusssträuchern finde ich eine gute idee, die werde ich dann ausprobieren,

  • Elling

    Ich hatte im Frühjahr die Radikalkur versucht und – wie ich meinte – sämtliche Blüten entfernt. Idee: da der einzige Haselnussstrauch der Umgebung, wollte ich einer kompletten Generation Larven um den Preis einer Ernte die Grundlage nehmen. Zu meiner Überrachung habe ich jetzt diverse frische – und leere- Haselnüsse unter dem Busch gefunden – vermutlich war meine Aktion somit ein Fehlschlag. Mir ist schleierhaft, wo die herkommen – ich war wirklich gründlich. Kann der Busch sowas wie eine unauffällige “Notblüte” entwickelt haben?

  • Hilke

    Jahrelang hatten wir auch nur taube Haselnüsse mit Loch. In diesem Jahr
    - es liegen schon immer mal “Stände” mit 4 oder 5 Haselnusshüllen mit Inhalt auf dem Rasen – habe ich beim Umklappen der Hüllen fast immer 2-3 kleine Käfer entdeckt. Die Nüsse haben kein Loch, und nach dem Knacken haben wir das erste Mal richtig schöne Haselnüsse. Ich hoffe nur, dass wir nicht die noch nicht geschlüpften Tiere mit essen. ?????

  • Gisela Oesterhaus

    06.10.2014
    Anmerkungzu Elling 22.08.12
    Ich will den gleichen Versuch starten. Bei meinen Nachforschungen
    bin ich dabei auf das Thema “Diapause” (verzögerungen bei der Reifung der Larve, aber auch in anderen Wachstumsstadien) gestoßen. nicht alle Larven durchwandern die Entwicklungsphasen in einem Jahr. So dass m.E. unsere praktizierte, bzw. angedachte Methode mindestens über 2 bis 3 Jahre angewandt werden muss, um erfolgreich zu sein?
    Was ist von “Brunonia Raupenleim Grün” zu halten?

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