Kann man Schlehen im Gefrierschrank genießbar machen?

Früchte der Schlehe

Reife Früchte der Schlehe

Mailin hatte vor einigen Jahren ein Rezept für Schlehenlikör bei chefkoch.de eingestellt. Gestern fanden wir unter diesem Rezept einen Kommentar, in dem angezweifelt wird, dass man den Gerbsäure-Gehalt der Schlehe senken kann, indem man sie im Gefrierschrank einfriert. Der Kommentator vertritt die Ansicht, dass dies nur direkt an der Pflanze möglich ist, weil die Bitterstoffe aus der Frucht in die Pflanze abwandern.

Nun ist es ja kein Geheimnis, dass es sich bei überlieferten Tipps und Tricks (wie dem Einfrieren von Schlehen) durchaus auch um Urban Legends handeln kann. Deshalb bin ich der Sache mal etwas auf den Grund gegangen. Ich habe einfach zwei der Schlehen, die wir vor einiger Zeit geerntet hatten, aufgetaut und probiert. Das Ergebnis kann klarer nicht sein. Die Früchte schmecken wunderbar. Sie enthalten so gut wie keine Bitterstoffe, sind recht sauer und sogar ein wenig süßlich.

Natürlich wäre es möglich, dass die Schlehen schon bei der Ernte ihre Bitterstoffe aus den Früchten in die Pflanze zurückgezogen hatten. Also bin ich eben kurz in den Garten gegangen und habe eine Frucht vom gleichen Busch probiert. Puh, dieser Selbstversuch ist eher nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Man wird das pelzige Gefühl auf der Zunge nämlich nicht so schnell wieder los.

Leider konnte ich keine wissenschaftliche Untersuchung finden, die sich mit dem Abbau der Bitterstoffe in der Schlehe befasst, aber meine Vermutung geht dahin, dass der Frost irgendein Enzym aktiviert, dass die Gerbsäure in der Frucht abbaut. So sind vielleicht auch die gelegentlichen Erfahrungsberichte im Internet zu erklären, bei denen das Einfrieren der Früchte nicht den gewünschten Erfolg hatte. Möglicherweise müssen die Schlehen nach dem Einfrieren für einige Zeit aufgetaut werden, damit das Enzym seinen Dienst verrichten kann. Wie schon im Schlehenartikel berichtet, machen wir nämlich genau das. Wir tauen die Früchte zwischenzeitlich für einen Tag auf und frieren sie dann wieder ein. Da wir das schon immer so gemacht haben, kann ich leider nicht sagen, ob die Bitterstoffe auch abgebaut werden, wenn man die Früchte gleich nach dem ersten Auftauen verarbeitet.

Siehe auch:

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8 Kommentare zu Kann man Schlehen im Gefrierschrank genießbar machen?

  • Selbstversuch nächster Teil: Gestern habe ich noch ein paar frische Früchte der Schlehe (immer vom gleichen Strauch) eingefroren. Heute schmecken sie schon längst nicht mehr so pelzig (der Fachnmann nennt das wohl adstringierend) wie gestern. Sie sind aber dennoch eher ungenießbar. Ich bleibe am Ball…

  • Grape

    Wir haben uns im Sommer eine Edelbrennerei angeschaut. Der Brennmeister war ein netter Mann, mit dem wir uns auch ausführlich unterhalten haben. Den habe ich gefragt, ob man die Schlehen wirklich erst nach dem ersten Frost pflücken soll oder ob man sie vor der Verarbeitung auch einfach einfrieren könne(es gibt ja auch Schlehenbrand).
    Er sagte uns dann, dass man damit nicht die gleiche Wirkung erzielt,- große Brennereien zB würden den ganzen Strauch frosten und die Beeren würden dann abgeschüttelt.. Nur der erste Frost am Strauch würde dazu beitragen, wirklich gute Ergebnisse zu erzielen.
    Warum das so sei, konnte er mir leider auch nicht sagen…

  • Hallo Heiner,
    der Beitrag hat mir sehr weiter geholfen. In jedem Rezept steht immer nur, dass die Ernte vorgezogen werden kann, wenn sie eingefroren werden.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man den ersten Frost auf jeden Fall am Strauch abwarten und dann die Beeren noch einfrieren sollte. Die Beeren sind selbst nach dem Einfrieren noch sehr sauer, wenn sie vor dem ersten Frost geerntet wurden.
    Ich habe die Beeren von einem Strauch im Oktober geerntet und eingefroren, diese waren nach dem Auftauen immer noch sehr herb. Vom selben Strauch geerntete Beeren waren nach dem ersten Frost Anfang November auch ohne einfrieren wesentlich milder als die erste Ernte mit einfrieren. Das beste Ergebnis erzielte ich mit den Beeren, die den Frost und das Gefriertruhe durchlaufen hatten, die waren fast mild im Geschmack.
    Ich wohne auf der Schwäbischen Alb und bei uns gibt so viele Schlehensträucher, dass man sie einfach ernten und verarbeiten muss. Ich selbst bevorzuge Schlehen-Apfel-Gelee.
    Viele Grüße
    Inés

    • Das Problem ist bei uns, dass viele Früchte schon von den Vögeln gefressen wurden, wenn der erste richtige Frost einsetzt. Hier ist das Klima ja fast maritim – richtigen anhaltenden Frost gibt es erst sehr spät (oft erst Mitte Januar). Außerdem sind die übrig gebliebenen Früchte dann nicht selten recht schrumpelig.

      Nach zweimal im Gefrierschrank einfrieren (mit zwischendurch auftauen) sind die Schlehen dann trotzdem schon früher gut roh genießbar (wie Du schreibst “fast mild im Geschmack”)

  • Hallo Heiner,
    ich werde das jetzt auch so probieren, dass ich die Schlehen mehrmals froste. Wobei wir den ersten Frost schon lange hatten :)
    Die Sträucher sind bei uns jetzt ohne Laub und sehen durch die vielen Schlehen ganz blau aus. Das schaffen die Vögel nicht alles zu fressen!
    Viele Grüße
    Inés

  • Splitterraum

    Hallo!

    Ich werde auch auf die Frostermethode setzen müssen. Wir haben hier wenige Schlehen und fast 80% tragen keine Früchte. Habe mit Mühe etwa 1,5 kg geerntet und taue die gerade wieder auf, um sie dann erneut einzufrieren.

    Schon die ersten Früchte waren recht mild, nachdem ich einige im Kühlschrank aufgetaut habe. Mr ist garnicht klar, wie süß die sein können und ich frage mich, was eigentlich präzise die richtige Süße sein wird? Als Mischung mit etwas Birne oder Apfel und ca. 2 zu 1 an Zucker ist ja von der Schlehe nicht mehr so viel prägendes erhalten.

    Wie auch immer, Schlehe ist und bleibt eines der Juwelen der Selbstmacherkunst!

    Bericht folgt…

  • Gefrierschrank Tester

    Ziemlich Interessantes Thema, hatte mich schon zuvor damit etwas auseinander gesetzt und habe hiermit meine Forschungen bestätigt.
    Wenn Ihr Zeit und Lust habt, könnt Ihr ja unsere Website besuche ;)

  • Moritz

    Nach zweimal im Gefrierschrank einfrieren (mit zwischendurch auftauen) sind die Schlehen dann trotzdem schon früher gut roh genießbar (wie Du schreibst “fast mild im Geschmack”)

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