Obstbäume veredeln, wieso eigentlich?

Propfen von EdelreisernWenn man Besuchern im Garten voller Stolz die selbst veredelten Obstbäume vorführt, dann kommt nicht selten die Frage auf, was das eigentlich alles soll. Wieso sät man nicht einfach ein paar Kerne wohlschmeckender Früchte aus und spart sich dieses ganze Brimborium mit dem Schneiden der Edelreiser im Winter, dem Einlagern derselben im Kühlschrank und schließlich dem Pfropfen der Reiser auf geeignete Unterlagen im Frühjahr?

Einige der Besucher geben sich dann auch gleich selbst die nahe liegende Antwort: Die Edelsorten haben schlechte Wurzeln und man muss sie deshalb auf Unterlagen mit besseren Wurzeln stellen. Nein! Der eigentliche Grund für das Veredeln der Obstbäume ist ein ganz anderer. Ihr erinnert euch an die Kreuzungsversuche von Gregor Mendel? Kreuzt man reinerbige rotblühende und reinerbige weißblühende Exemplare der Wunderblume (Mirabilis jalapa) miteinander, so erhält man eine mischerbige Tochtergeneration mit rosa Blüten. Kreuzt man nun in der nächsten Generation diese mischerbigen Pflanzen miteinander, dann erhält man nicht etwa eine weitere mischerbige Generation, sondern die Erbanlagen spalten sich wieder auf. Man erhält Tochterpflanzen etwa im Verhältnis 25% reinerbig rotblühend, 25% reinerbig weißblühend und 50% mischerbig rosablühend. Näheres findet sich zum Beispiel in der Wikipedia unter Mendelsche Regeln.

Leider sind nun auch unsere gängigen Obstsorten solche Mischlinge. Das betrifft nicht nur die Blütenfarbe, sondern alle möglichen wichtigen Eigenschaften, wie Geschmack, Ertrag, Haltbarkeit, Krankheitsresistenzen und vieles mehr. Töchter dieser Mischlinge (sofern Selbstbefruchtung überhaupt möglich ist) erhalten eine neue und vollkommen zufällige Zusammenstellung dieser Eigenschaften. Es ist außerordentlich unwahrscheinlich, dass dabei ein Obstbaum mit rundum positiven Eigenschaften heraus kommt. Falls doch, hast du es geschafft eine neue Obstbaumsorte zu züchten.

Da man nun nicht unbedingt jedes Mal ein Jahrzehnt warten möchte, um dann festzustellen, dass der sexuell vermehrte Apfelbaum zwar klasse schmeckt, sein Früchte aber eher die Größe von Kirschen haben, vermehrt man lieber die schon bekannten Sorten auf vegetative Art. Bei Obstbäumen ist die Stecklingsvermehrung sehr sehr schwierig. Als Alternative bleiben die Verfahren, die wir als Veredeln von Wildlingen (Veredeln von Unterlagen) bezeichnen, nämlich Pfropfen und Okulieren. Bei diesen Verfahren wird ein Reiser oder ein Auge der Edelsorte auf die Unterlage gesetzt. Durch die erstaunliche Regenerationsfähigkeit der Pflanzen verwachsen die eingesetzten Teile der Edelsorte mit der Unterlage und wachsen fortan als einzelner Ast oder sogar als neuer Stamm auf der Unterlage weiter.

Siehe auch:

Werbung:

4 Kommentare zu Obstbäume veredeln, wieso eigentlich?

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.