Jedes Mal wenn ich in den Garten komme, gehe ich als Erstes (stolz wie Oskar) zu den Apfel-Unterlagen, die wir in den letzten drei Jahren veredelt haben. Könnte ja sein, dass es irgendwo ein neues Blatt zu bestaunen gibt. Da wir nun schon mehrfach gebeten wurden, etwas mehr über das Thema Obstbaumveredlung zu schreiben, stelle ich nun mal kurz die beiden grundsätzlichen Arten vor und garniere das Ganze mit Fotos unserer diesjährigen Ergebnisse.
Einfach ausgedrückt wird bei der Veredlung eine unedle Unterlage mit einem Reiser oder einem Auge einer Edelsorte versehen. Läuft alles wie gewünscht, dann verwachsen die beiden Teile und die Edelsorte lebt fortan ohne eigene Wurzeln auf der Unterlage weiter. Es sind viele verschiedene Veredlungsmethoden gebräuchlich, grundsätzlich kann man aber zwischen Kopulation und Okulation unterscheiden.
Kopulation
Die Kopulation wird gewöhnlich vor der Vegetationsperiode oder zu Beginn der Vegetationsperiode durchgeführt. Dazu werden schon im Winter Reiser von den gewünschten Edelsorten geschnitten und kühl eingelagert. Im Frühjahr werden diese Edelreiser dann auf eine passende Unterlage gepfropft. Wie schon erwähnt gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Techniken diese Pfropfung durchzuführen. Das Bild zeigt zum Beispiel eine sogenannte Geißfußveredelung einer Unterlage mit drei unterschiedlichen Apfelsorten. Diese Veredlung hatten wir in diesem Frühjahr durchgeführt, schon wenige Tage später trieben die Edelreiser aus.
Was wir übrigens mit der Blüte an einem der Triebe machen sollen, ist mir im Moment auch noch nicht so recht klar.
Okulation
Bei der Okulation wird die unedle Unterlage während der Vegetationsperiode mit dem Auge einer Edelsorte versehen. Im darauf folgenden Frühjahr treibt dieses Auge dann aus und bildet einen Trieb der Edelsorte. Auch bei der Okulation sind eine Reihe von unterschiedlichen Techniken bekannt. Das Bild zeigt zum Beispiel zwei Unterlagen, die wir im letzten Sommer durch eine einfache T-Schnitt Okulation veredelt hatten.
Siehe auch:
Werbung:
- Veredeln: Pfropfen und Okulieren
- Veredeln: Obst- und Ziergehölze, Rosen und Kübelpflanzen
- Schneiden und Veredeln von Obstgehölzen



Hallo Heiner, schön Deine Erfolge mit den Veredelungen !!!
Als nächstes müssen wir nach dem Kulturgut “Alte Obstsorten” die Obstsorten unserer
Vorfahren suchen an denen wir noch Edelreiser schneiden können. Früher waren die Lehrer und Pastoren die besten Pumologen. Auf alten Bauernhöfen gibt es auch noch namenlose wohlschmeckende alte Obstsorten. Früher gab es Obstbäume mit Apfel und Birne auf einem Stamm. Evtl. könnten wir auf meinem nächsten Veredelungskurs (2.5.09) Edelreiser tauschen um die Gartenschätze unserer Vorfahren zu erhalten. Ich habe Obstbäume mit bis 9 verschiedene angewachsene Edelreisern. In diesem Jahr war die Anwachsquote gut aber es ist nicht immer so.
Hallo Heinz, da habe ich doch gleich mal eine Frage an den Experten ;-)
Auf dem oberen Bild sieht man ja, dass bei allen drei Edelsorten gleich mehrere Triebe ausgeschlagen sind. Was meinst Du, soll man lieber nur einen davon stehen lassen, oder ist es besser sie erst mal alle wachsen zu lassen?
Übrigens sind die drei Edelreiser auf dem Bild alle von Dir. Es handelt sich um Jakob Lebel (vorne rechts), Zitronenapfel (links) und Finkenwerder Prinzenapfel (hinten). Jakob Lebel und Zitronenapfel wachsen wie verrückt, der Prinzenapfel hängt noch etwas zurück. Die Blüten (drei Stück) im Prinzenapfel habe ich inzwischen natürlich rausgeknipst.
Hallo Heiner, kneif das untere Auge von jedem Edelreis man weg. Im Spätsommer muss die Bastbindung dann gelöst werden. An der Unterlage sollte man die Seitenausschüsse entfernen damit der Saft zur Kräftigung in die Ausschüsse der Edelreiser zieht. Die Kneif und Schnittstellen mit künstlicher Rinde abtupfen. Heiner mach weiter so !!!
Hallo Heiner, sag einmal, du schreibst, man soll die Edelreiser im Winter schneiden, wann genau würdest Du damit anfangen?
Hallo Edel, ich würde sagen, jetzt. ;-)
Nachtrag: Ich habe hier noch etwas mehr dazu geschrieben. Danke für Deine Nachfrage!
Hallo Heinz,
da kannst du aber auf alle Fälle Stolz wie Oskar sein. Das Veredeln ist nicht so einfach. Aus meinem Test mit ca. 20 Reisern sind 2 gewachsen.
Tipp für alle Mitleser: Ich würde die angewachsenen Reiser noch eine ganze Zeit stehen lassen.
Erst später schneiden, wenn alles angewachsen ist. Sonst setzt sich so ein kleiner Spatz auf euer Edelreis und alles ist hin.
Deshalb: Immer auch einen längeren Ast mit einbinden als Schutz.
Gruss Wolfgang
Ernst stellt an anderer Stelle eine Frage zur Veredlung von Feigen:
> Hi,
> kann man einem Feigenbaum mit nicht essbaren Früchten Zweige eines
> Feigenbaums mit essbaren Früchten aufpfropfen?
> Ernst Scholl
Hallo Ernst, ich habe zwar selbst keine Erfahrungen mit dem Veredeln von Feigen, aber ich bin sicher, dass das funktioniert. Ich habe mal bei Google gesucht und mehrere Hinweise dazu gefunden. Siehe zum Beispiel hier. (Ich glaube allerdings nicht, dass die dort beworben Zange unbedingt nötig ist)
Übrigens kann man Feigen-Zweige auch recht einfach bewurzeln. Vielleicht ist das noch einfacher als das Veredeln.