Obstbäume veredeln: Okulieren

Ui, schon wieder Mitte Juli. Jetzt wird es langsam Zeit sich Gedanken darüber zu machen, welche Edelsorten wir auf die verbliebenen Apfel- und Birnen-Unterlagen okulieren wollen. In den meisten Publikationen wird für das Okulieren von Obstbäumen der Zeitraum zwischen Ende Juli und Ende August als optimal angesehen. Der genaue Zeitpunkt muss aber individuell bestimmt werden. Zum einen soll das Auge der Edelsorte schon gut ausgereift sein, zum Anderen soll sich die Rinde der Unterlage aber auch noch gut lösen lassen. Bei uns (nahe Bremen, Klimazone 7b) lag dieser optimale Zeitpunkt in den letzten Jahren immer zwischen Anfang und Mitte August.

Im Grunde ist das Okulieren ganz einfach, man löst das Auge der Edelsorte vorsichtig aus dem Edelreiser, dann führt man an der Unterlage den sogenannten T-Schnitt aus und fügt das Edelauge in die dabei entstandene Tasche ein. Anschließend verbindet man die Stelle mit Bast oder einem Schnellverschluss (OSV) und wartet, bis im nächsten Frühjahr aus dem Auge ein neuer Trieb sprießt.

Hier wie gewünscht eine etwas genauere Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte. Wenn Dir gar nicht klar ist, worum es überhaupt geht, dann helfen vielleicht die beiden Artikel “Obstbäume veredeln, wieso eigentlich?” und “Obstbaumveredlung: Methoden und erste Ergebnisse” etwas weiter.

Vorbereitungen

Die Okulation soll etwa zehn bis zwanzig Zentimeter über dem Boden erfolgen. Es ist sinnvoll diesen Bereich der Unterlage schon ein bis zwei Wochen vor der Okulation von Laub, Seitentrieben und auch Schmutz zu befreien. Für die Okulation benötigt man ein wirklich scharfes Messer (Hippe). Außerdem benötigt man Matereial zum Verbinden der Okulation (Bast oder Schnellverschüsse)

Auswahl eines geeigneten Edelauges

Gesundes Auge eines ApfelbaumsDie für die Okulation erforderlichen Augen der Edelsorte findest Du in den Blattachseln der entsprechen Bäume. Auf diesem Bild ist das Edelauge deutlich am Blattansatz erkennbar. Die Augen, die zur Veredlung einer Unterlage verwendet werden sollen, müssen gesund und voll ausgereift sein. Am günstigsten sind Augen aus dem mittleren Bereich eines etwa bleistiftdicken diesjährigen Triebs. Angeblich sind Reiser von der Südseite des Baumes besser geeignet. Die Augen von Wasserschossern sind nicht geeignet.

Entnahme des Auges

okulieren edelreiserNachdem ein geeignetes Auge ausgewählt wurde, entfernt man das Blatt, lässt aber einen Teil des Blattstiels stehen. Das Auge wird mit einem sehr scharfen Messer aus dem Edelreis herausgelöst. Am besten beginnt man den Schnitt etwa einen bis eineinhalb Zentimeter unterhalb des Auges und zieht dem Schnitt dann flach unter dem Auge hindurch bis etwa einen Zentimeter oberhalb des Auges. Anschließend werden die holzigen Teile vom Augenschild entfernt, damit das Kambium frei liegt und leicht mit dem Kambium der Unterlage zusammenwachsen kann.

Einsetzen des Auges in die Unterlage

Okulieren, T-SchnittLeider habe ich kein gutes Bild vom sogenannten T-Schnitt, den man an der Unterlage vornimmt. Deshalb zeige ich hier ein Bild aus dem Artikel Okulieren der Wikipedia. Das Original des Bildes findet sich hier. Wie der Name T-Schnitt schön beschreibt, macht man zunächst einen waagerechten Schnitt und anschließend einen senkrechten Schnitt, sodass die beiden Schnitte zusammen ein T ergeben. Wenn man die Rinde jetzt etwas aufklappt ensteht ein kleine Tasche, in die das Edelauge eingesetzt werden kann. Sobald das Auge schön mittig in der T-Schnitt Tasche ausgerichtet ist, muss noch der überstehende obere Teil des Augenschildes auf Höhe des T-Strichs abgeschnitten werden.

Wie gesagt, das Ganze ist nicht wirklich kompliziert, aber es stellt doch gewisse Anforderungen an die Feinmotorik – insbesondere, weil man die offenen Flächen möglichst nicht berühren soll. Alterssichtige (wie ich) sollten deshalb nicht auf die Idee kommen ihre Lesebrille aus ästhetischen Gründen im Haus zu lassen.

Das Kambium von Unterlage und Edelauge sollten einen guten Kontakt miteinander haben, damit sie leicht zusammenwachsen können. Deshalb wird die okulierte Stelle nun verbunden. Bisher haben wir das immer mit Bast gemacht. Andere Hobby-Gärtner berichten auch von guten Erfolgen mit Okulations-Schnellverschlüssen aus Gummi oder sogar mit Gummibändern und Kreppband. Nach dem Verbinden heißt es warten, warten, warten. Das Edelauge wird nämlich erst im nächsten Frühjahr austreiben.

Siehe auch:

Weblinks:

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