Taybeere

Vor knapp zwei Jahren schrieb ich hier einen kleinen Artikel über Loganbeeren, Boysenbeeren, Taybeeren und ein paar weitere Beeren-Bastarde. Der für mich entscheidende Satz in diesem Artikel lautete:

Die (…) Taybeere gilt heute als die “gelungenste” Kreuzung aus Brombeeren und Himbeeren.

Das ließ mir damals keine Ruhe. Also machte ich mich auf und brachte mehrere Pflanzenhändler mit meiner Anfrage nach einer Taybeere an den Rand der Verzweiflung. Schließlich wurde ich bei einem Händler (leider habe ich gerade den Namen vergessen, wird nachgetragen!) fündig. Der Besitzer wusste offenbar sofort wovon ich rede und rief noch in meinem Beisein seinen Pflanzen-Dealer an. Der wusste auch was gemeint war und so waren wir ein paar Tage später stolze Besitzer einer kleinen Taybeere.

Die Taybeere ist eine Kreuzung aus einer Brombeere und einer Himbeere, die von Derek Jennings and David Mason im Scottish Crops Research Institute in Invergowrie gezüchtet wurde. Der Name Taybeere hat deshalb logischerweise auch nichts mit Thailand zu tun, sondern er leitet sich vom Tay – dem längsten Fluss Schottlands – ab.

Taybeere

Frucht der Taybeere

Die Früchte der Taybeere werden im Vergleich zu Brombeeren oder Himbeeren riesig. Im Internet findet man Berichte über fünf Zentimeter langen Beeren. Die größten Früchte unserer Taybeere haben es nur auf etwa vier Zentimeter gebracht, aber die Größe ist trotzdem beeindruckend. Im Gegensatz zu Brombeeren sind die reifen Früchte rot und erinnern deshalb eher an Himbeeren. Auch geschmacklich erinnern mich die Taybeeren weit mehr an Himbeeren als an Brombeeren.  Die Beeren können eingefroren oder zu Marmeladen und Gelees verarbeitet werden. Ohne Konservierung halten sie sich aber nur kurz.

In manchen Berichten wird behauptet, die Früchte seien besonders sauer. Das kann ich so nicht bestätigen.  Man muss allerdings warten, bis die Früchte richtig reif sind. Die Frucht auf dem Foto ist zum Beispiel noch nicht ganz so weit! Den richtigen Reifegrad erkennt man daran, dass die Früchte noch etwas ins tiefrote nachdunkeln. Dann muss man allerdings schnell zuschlagen, denn nach “reif” folgt bei der Taybeere sehr schnell “wabbelig-weich”.

Wie gesagt, der Geschmack erinnert an Himbeeren, die Wuchsform ähnelt dagegen ganz der Brombeere. Die Taybeere bildet wie die Brombeere lange (vier Meter) Triebe, die hoch gebunden werden müssen, weil sie sich sonst schnell bewurzeln. Die Triebe haben ähnlich viele Stacheln wie eine Himbeere, aber im Gegensatz zu den Himbeer-Stacheln stechen die Taybeer-Stacheln wie Brombeer-Stacheln. Ich bin da eigentlich nicht besonders empfindlich, aber diese Stacheln der Taybeere sind schon ziemlich heftig. Seit einiger Zeit wird übrigens auch eine stachellose Taybere namens “Buckingham Taybeere” angeboten, die vor einigen Jahren in Südengland als spontane Mutante der normalen Taybeere entstanden sein soll. Wie bei einem Bastard (den man ja sinnvollerweise nicht generativ vermehren kann) eine spontane Mutante entstanden sein soll, ist mir im Moment nicht klar, aber vermutlich verstehe ich davon einfach nicht genug.)

Die Taybeere gilt als robust und einigermaßen frostresistent. Oft wird bei den Standortansprüchen eine sonnige Lage genannt. Ich will nicht ausschließen, dass sie in der prallen Sonne höhere Erträge bringt, aber hier bei uns wächst sie auch auf einem schattigen Standort sehr gut.

Siehe auch:

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Weblinks:

2 Kommentare zu Taybeere

  • Paul

    Ich bin schon 20 Jahre Besitzer und Verehrer dieser wunderbaren Frucht, ich nenne sie
    “Früchte der Liebe”
    Ich spreche von der Taybeere !
    Seit zwei Jahren macht meine Frau keine Marmeladen oder Säfte mehr, da die Kinder erwachsen sind, im Ausland leben, also auch die Enkeln nicht so oft zum Safttrinken oder Frühstücken kommen.
    Ich mache für uns ein Fruchtmark, roh, friere das ein und wir genießen so manches leckere Dessert in der Winterzeit Die flotte Lotte macht mir da gute Dienste, mit etwas Zucker lasse ich etwas Saft ziehen, Sternanis dazu, dann ein paar Stunden stehen lassen, und dann wird flott passiert. In kleine Gläser ca. 200 ml. Gefüllt und in den Gefrierschrank!
    Auch als kleines Gastgeschenk, habe ich schon viele von dieser Paradiesischen Frucht begeistern können!
    Versucht es mal, du wirst an mich denken! Lecker, lecker, lecker !!!

  • beerenfee

    Ja, die Taybeere ist wirklich eine Bereicherung unter den Beerensorten.

    Seit 12 Jahren wohne ich nun schon in dem Haus mit dem kleinen Garten, ca. 30 qm klein und er war völlig verwahrlost. Mit einer Sense habe ich erstmal das meterhohe Gras gekürzt und dann geschaut, was denn wohl so wächst. Ich diagnostizierte in diesem und in den darauf folgenden Jahren eine Minzen- und Zitronenmelissenschwemme, hast du es hier weggeschnitten, wuchs es gleich dort hinten wieder nach. Und irgendwann wirst du machtlos und resignierst. Kein normaler Mensch braucht sooo viel Zitronenmelisse!
    In diesem kleinen Garten gab es aber auch von Anfang an eine stachellose Brombeere, deren Früchte länglich groß, schwarz, dick, aromatisch und ungeahnten Ausmaßes waren und derart köstlich….die hatte ich vorher noch nie so gegessen oder gar gesehen. Die Wurzel bildete lange Strippen, sodass ich bald eine Mauerlänge nur mit zusammen gebundenen Strippen verzieren konnte, was der Brombeere aber nicht so gut gefiel. Sie mag am liebsten ungebunden wachsen, wohin sie gerade möchte. Um nicht den ganzen Garten nur voller Strippen zu haben, habe ich die Strippen im Frühjahr (nach dem Ausschlagen) auch schon mal bis auf die Wurzel herunter geschnitten, was dem Garten im ersten Moment ein ziemlich kahles Aussehen verlieh.
    Aber es kam, wie es kommen musste: Das Zeug wucherte mit den Monaten wieder wie Unkraut, denn nach dem Schnitt ist vor dem Schnitt!
    Aber es gibt auch Himbeeren in meinem Garten. Ich würde sagen, es ist die gemeine Allerweltshimbeere, denn an ihrem Geschmack ist nichts außergewöhnliches, sie ist normal groß, sieht also aus wie die Brüder und Schwestern im Supermarkt, hat fiese Stacheln und schenkt einem alle Nase lang Ableger, die man gar nicht brauchen kann.
    Und wenn das Wetter so ist wie jetzt, Anfang Juli, nach Regen warm und sonnig, wächst und gedeiht die Beerenschaar aufs Beste, sodass von den anfänglichen 30 qm brutto Gartenfläche nur noch netto ca. 15 qm verbleiben. Mit der Heckenschere halte ich die Bande im Zaum, wenn mir der Wuchs doch zu stark wird und schneide das Wirrwarr recht unkonventionell gerade wie eine Hecke ab.
    Vor zwei Jahren dann machte ich zufällig eine eigenartige Entdeckung. Verwundert sah ich eine seltsame Beere in der Farbe Rot, die weder Brombeere noch Himbeere zu sein schien und als Brombeere noch gar nicht reif sein hätte können, und anfänglich fragte ich mich, was das wohl für ein Teil sei. Argwöhnisch beobachtete ich den einen einsamen Stippen im Dickicht zwischen den Brom- und Himbeeren noch ein paar Tage, ehe ich mich entschloss, dieses seltsame Ding zu kosten. Es gab ganze drei Stück davon. Vorsichtig biss ich also die Hälfte ab… und Jubel, welche Gaumenfreuden… liebe Küchenprofis, DAS war eine Geschmacksexplosion im Mund! Stelle dir den Brombeer-Eigengeschmack und den Himbeer-Eigengeschmack gemildert und auf harmonischste Art und Weise miteinander kombiniert vor, nicht so süß wie die Himbeere, nicht so herb wie eine Brombeere, sondern genau dazwischen, weder wässrig noch faulig, sondern sehr sehr fruchtig, frisch, belebend und durstlöschend, wenn sie ihren Reifepunkt erreicht hat. Dann ist die Frucht dunkelrot wie eine reife Himbeere und ähnelt in der Form meinen großen Brombeeren.
    Dass es diese Frucht schon 20 Jahre geben soll… gut, ist ja möglich, aber ich bin erst beim Recherchieren vor zwei Jahren auf die Taybeere gestoßen.
    In diesem Sommer 2015 habe ich schon ca. 30 Stück Beeren und ich konnte schon einige vernaschen. Die Wurzeln stehen auf einem normalen dreck- und eher lehmhaltigen Boden, ohne dass ich baumschulentechnisch eingreife. Auch dünge oder wässere ich nicht, außer bei extremer Trockenheit. Allerdings leben in meinem kleinen Garten zwei Kaninchen, eine spezielle Toilette haben sie nicht. Möglicherweise düngt deren Kot? Die Büsche haben fast den ganzen Tag Sonne, die Früchte wachsen aber, wie bei der Himbeere, etwas von den Blättern verdeckt.
    Jedenfalls bin ich froh und dankbar, diese tolle Beere in meinem Garten zu haben ohne dass ich jedoch die Frage, wie die wohl dahin gekommen sei, beantworten könnte.

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